Lesben Hui, Schwule Pfui

Redaktion Von Redaktion

Und schon wieder verkündet ein Musiker seine antischwule Meinung laut und deutlich. Aber "Frauen die Frauen lieben, das ist cool"! Der amerikanische Hip Hopper 50 Cent steht mit dieser Aussage nicht alleine da. Lesben Hui, Schwule Pfui...?

Und schon wieder verkündet ein Hip Hopper seine antischwule Meinung laut und deutlich, damit es auch ja alle hören. Nach Snoop Doggy Dog, Ice Cube und Fat Joe, ist nun 50 Cent an der Reihe. (Übrigens ein enger Buddy von Eminem, dem man seine gekünstelte Umarmung mit Elton John bis jetzt noch nicht abgekauft hat). Quelle war hierbei der amerikanische Playboy. In einem Interview meinte 50, als er auf das Thema Schwule angesprochen wurde: "Ich bin nicht gerne in der Nähe von Schwulen, denn ich komm nicht damit klar, dass sie in meiner Nähe sexuelle Gedanken haben. Das törnt mich ab! Ich habe keine Vorurteile, aber ich hänge eben nicht mit Homosexuellen ab, denn wir haben nichts gemeinsam." Solch widersprechende und scheintolerante Aussagen kennen Schwule schon zuhauf und stehen eigentlich auch selbstbewusst drüber. Jedoch, nicht dieser Teil der Aussage von 50 Cent bietet zündenden Gesprächsstoff. Das Statement ging weiter, er sagte: "Frauen die Frauen lieben, das ist cool!"

50 Cent steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Ein Großteil der Männer und sogar Frauen finden Frauen die Frauen küssen erotischer, als Männer die Männer küssen. Eigentlich schon komisch, denn beides Mal handelt es sich um gleichgeschlechtliche Liebe. Und, kann man nicht schon auf den Straßen Händchen haltenden Mädchen beobachten, die jeder eigentlich ganz normal findet? Würden zwei Jungs das machen, wären die Reaktionen der Menschen komplett anders: Pöbeleien, komische Blicke oder sogar nur eine negative Kenntnisnahme reichen aus um zu verdeutlichen, dass zwei Händchen haltende Männer irgendwie etwas anderes sind als zwei Frauen. Ich fragte Frau Wiedmann, die an einem Aufklärungsprojekt ("Über Homosexualität in den Schulen") beteiligt ist und immer wieder durch die Tübinger Klassen zieht, was für Erfahrungen sie mit den Schülern machte: "Häufig war es so", sagte sie, "Erwähnte man allein das Wort Homosexualität, dachte die ganze Klasse nur an Liebe zwischen Mann und Mann. Frauen wurden oft als normal bezeichnet, erotisch oder anziehend. Männer hingegen galten als abstoßend, eklig und unnormal." Und es gibt noch mehr Beispiele, die auf dieses paradoxe Denken hindeuten: Das erste homosexuelle Paar im Fernsehen waren zwei Frauen, der Absatz von Lesbenerotik steigt immer mehr, es gibt mehr Witze über Schwule als über Lesben, die Band T.A.T.u., die mit ihrem "Homo- Lolita- Image" provozierte genoss großen Erfolg, wo hingegen die schwulen Marilyns Boys granatenmäßig floppten, etc.

Doch warum ist das so? Warum finden Lesben mehr Anklang in der Gesellschaft als Schwule? Die Antwort liegt in den Köpfen der Menschen, in denen die Rolle von Mann und Frau fest eingestapft ist. Frauen gelten als die graziösen, verführerischen Lebewesen. Rein und unschuldig sind sie. Männer hingegen sind die eisernen starken Helden, die zielstrebig das bekommen, was sie auch wollen. Das abartige an den Schwulen ist nun, dass ihre Rolle als Mann einen Knick bekommt und diese in die Rolle der Frau umgewandelt wird. Lesben bleiben dagegen in der Rolle der Frau fest verankert. Lassen wir das die Mathematik verdeutlichen: "Wenn Frauen Plus wären und Männer Minus, dann sind zwei Frauen (also Lesben) Plus mal Plus gleich Plus und zwei Männer (also Schwule) Minus mal Minus gleich (auch) Plus. Somit ergibt sich, dass schwule Männer (Plus), in den Gedanken der Menschen, die Rolle der Frau (auch Plus) zugeschoben bekommen!" Und da die Frauenrolle für Männer zu sehr untypisch ist, gilt das Schwulsein gleich als abstoßend und eklig. Das kann man an diesem Beispiel erkennen: Schokolade, die nach Schokolade schmeckt genießt man mehr, als Pizza, die nach Schokolade schmeckt. Ist es nicht so?

Traurig aber war, das "Lesben Hui und Schwule Pfui"- Denken kann man nur schwer bekämpfen. Menschen müssten einfach ihr Verständnis aufleben lassen und das machen, was ohnehin schon im Grund- Gesetzt festgelegt ist: Jeden einzelnen akzeptieren und schätzen. Dies erreicht man aber nur durch die Gewohnheit. Die Gewohnheit, Schwule küssen zu sehen. Die Gewohnheit, Schwule Händchen haltend im Park spazieren zu sehen. Und die Gewohnheit, Schwule zu sehen, wie sie doch eigentlich ein ganz normales Leben führen. Und, sagte nicht schon Martin Buber "In jedermann ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist." Wenn man das erkennt, dann hat man Verständnis, das einige Menschen zum Glück schon besitzen. Doch, einige sind nicht alle

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