Männer in gleichgeschlechtlicher Ehe leben länger

Redaktion Von Redaktion
Männer in gleichgeschlechtlicher Ehe leben länger
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Seit 1990 hat sich die Sterberate bei Männern in gleichgeschlechtlichen Ehen deutlich zurückgebildet. Sie leben sogar länger als geschiedene oder unverheiratete heterosexuelle Männer. Verheiratete Lesben hingegen zählen zu der Gruppe mit der geringsten Lebenserwartung, die in den nächsten Jahren sogar noch weiter abnehmen soll.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Statens Serum Instituts, wofür 6,5 Mio. Erwachsene, die zwischen 1982 und 2012 in Dänemark gelebt haben, analysiert wurden. Die Forscher haben zudem herausgefunden, dass hetero- oder homosexuelle Ehepartner, die getrennt wohnen, früher sterben.

Coming-Out stärkt Autonomie

"Es ist generell bekannt, dass Menschen in einer befriedigenden Partnerschaft mit gemeinsamen Interessen und Lebensperspektiven eine höhere Lebenserwartung haben. So ist es auch bei homosexuellen Männern", erklärt Psychotherapeut Johannes Wahala im Interview mit der Nachrichtenagentur pressetext.

Vor allem durch den Coming-out-Prozess haben sie oftmals auch auf schmerzliche Weise gelernt, auf ihre Autonomie zu schauen und dies in die Partnerschaft umzusetzen. "Viele schwule Paare schauen darauf, dass sie genügend partnerschaftliche Räume und Interessen teilen, jedoch auch ihre Autonomie bewahren. Sie haben eine höhere Kompetenz an Eigenständigkeit", so der Experte.

Weibliche Homosexualität unbeleuchtet

Warum homosexuelle Frauen jedoch eine Risiko-Gruppe darstellen, lässt sich nur schwierig beantworten. "Eine Möglichkeit könnte sein, dass die weibliche Homosexualität gesellschaftlich zu wenig thematisiert beziehungsweise in einer patriarchal sozialisierten Gesellschaft negiert wird. Bei Homosexualität spricht man oft nur von schwulen Männern", so der Therapeut. Lesbische Frauen seien häufig einer Diskriminierung ausgesetzt und würden um ihre Akzeptanz noch ringen.

Eine weitere Hypothese könnte das noch weit verbreitete Unverständnis für den Kinderwunsch von europäischen homosexuellen Frauen sein, was wiederum zur Diskriminierung führt. "Schwule Männer sind in der Tendenz zusätzlich wirtschaftlich gut abgedeckt, da sie gelernt haben, ihre Homosexualität durch gute Leistung zu kompensieren", ergänzt Wahala. Frauen könnten hier noch benachteiligt sein.

Dass getrennt wohnende Paare eine kürzere Lebenserwartung haben, erstaunt den Experten. "Meiner Erfahrung nach erfahren Paare, die sich für die Lebensform 'Living together apart' entschieden haben, sehr viel Befriedigung und Zufriedenheit. Dieses Ergebnis erstaunt mich", schließt der Spezialist ab.

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