Neuer HI-Virus entdeckt

Redaktion Von Redaktion

In Kamerun sind französische Forscher auf eine neue Art des HI-Virusgestoßen. Es soll von Gorillas abstammen. Ob es sich schon weiterverbreitet hat, wird jetzt geprüft.

(dbna.de / DiePresse.com) Eine 62-jährige in Kamerun geborene Frau, die heute in Paris lebt, ist zwar mit HIV infiziert, aber (bisher) ist die Krankheit eindeutig nicht bei ihre ausgebrochen. Die bisherigen Symptome, die sich auf den Virus zurückführen lassen, traten vor 6 Jahren mit Gewichtsverlust und Fieber auf. Dennoch ist der Fall ungewöhnlich und Anlass einer Veröffentlichung in Nature Medicine. Der bei der Frau entdeckte HI-Virus-1 unterscheidet sich von den bisher bekannten Varianten des Virus'. Der Ursprung ist nicht auf Schimpansen zurückführbar, sondern rührt wahrscheinlich von Gorillas.

Das bei den Affen bekannte Pendant heißt SIV ("simian immunodeficiency virus"). Die Artenschranke von Affe zu Mensch wurde wohl durch den Verzehr von Schimpansenfleisch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überschritten. Affen selbst sind gegen den SIV quasi immun, auch wenn es dazu neuere Erkenntnisse gibt.

Gleiches Verhalten wie bei bisher bekannten Varianten

Die bisher bekannten Typen M, N und O sind anders, so dass die neue Viren-Art von den Forschern um Jean-Christophe Plantier (Université de Rouen) mit P bezeichnet wurde. Es liegt nach Untersuchungen eine Verwandtschaft mit dem erst vor drei Jahren entdeckten Gorilla-SIV vor. In Labortests zeigt es allerdings das gleiche Verhalten wie die bisher bekannten Varianten. Dafür spricht, dass die Frau selbst nie Gorillafleisch verzehrte, sondern mehrere Sexualpartner seit dem Tode ihres Mannes im Jahre 1984 hatte. Es liegt also im Bereich der Wahrscheinlichkeit, dass Typ P in Kamerun oder anderen Gegenden unbemerkt zirkuliert.

Das Unangenehme an dieser Entdeckung liegt darin, dass sie erneut in Erinnerung ruft, wie leicht unheimliche Viren wie HIV bzw. SIV von anderen Arten auf den Menschen springen können. Dazu kommt, dass ihre Virulenz sich schnell ändern kann. Denn je einfacher Erreger von Person zu Person wandern können, desto tödlicher sind sie, da sie es "sich leisten" können.

30 Affenarten mit SIV

Insgesamt gibt es 30 Affenarten, an denen SIV nachgewiesen wurde, das heißt das Reservoir ist relativ groß. So stammt im übrigen auch die zweite große Gruppe der menschlichen HI-Viren, nämlich HIV-2, das seltener und weniger aggressiv ist, ebenso nicht von Schimpansen, sondern von Schwarzmangaben ab. Gen-Analysen ergaben, dass dieses Virus zumindest sechsmal voneinander von ihnen auf den Menschen übertragen wurde.

Die Forderung der Forscher in diesem Sinne lautet: Ständige Beobachtung im Westen Zentralafrikas in Bezug auf die Entstehung neuer HIV-Varianten.

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Weitere Quellen: DiePresse.com, cre8tive_studios/istockphoto.com