Neuregelung: Schwule dürfen Blut spenden

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Neuregelung: Schwule dürfen Blut spenden
wavebreakmediamicro / 123RF Stock Foto

In Frankreich und in den Niederlanden dürfen schwule und bisexuelle Männer bald Blut spenden. Allerdings nur unter einer Voraussetzung, die für viele unrealistisch klingt.

In Frankreich dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, in Zukunft Blut spenden. "Wir beenden ein Tabu und eine diskriminierende Regelung", erklärte Gesundheitsministerin Marisol Touraine in der Tageszeitung "Le Monde". Ab Frühjahr 2016 werden Schwule und Bisexuelle als Blutspender zugelassen.

Allerdings gelten noch nicht dieselben Regelungen wie für Heteros. So müssen Schwule mindestens zwölf Monate keinen Sex mit einem Mann gehabt haben, um Blut zu spenden. Für die Spende von Blutplasma gilt nur eine Grenze von vier Monaten.

Niederlande: Zwölf Monate Enthaltsamkeit

Frankreich wird erst einmal testen, ob sich Risiken erhöhen. Sollte das nicht der Fall sein, stellte die Ministerin eine komplette Angleichung in Aussicht: "Wenn es kein erhöhtes Risiko gibt, werden nach einem Jahr die gleichen Regeln für Homosexuelle gelten, die auch für die Allgemeinbevölkerung gültig sind."

Nur ein paar Tage vor Frankreich haben auch die Niederlande ihr Blutspendeverbot gekippt. "Ich bin ein entschiedener Unterstützer der Gleichberechtigung, gleichzeitig aber auch verantwortlich für sichere Blutspenden in den Niederlanden", sagte Gesundheitsministerin Edith Schippers. Deshalb werde es in Holland bei der 12-monatigen Enthaltsamkeits-Regel bleiben.

Selbe Regelung wie in Großbritannien, Finnland oder Schweden

Deshalb zeigten sich holländische LGBTIQ*-Organisationen enttäuscht. "Die neue Richtlinie bleibt unnötigerweise diskriminierend. Dieser Vorschlag liefert zu wenig und zu spät", sagte Tanja Ineke dem Fernsehsender AT5. Ineke ist Chefin der LGBTI-Organisation COC. Für die breite Masse der schwulen Männer gebe es trotz Neuregelung keine Veränderung.

Auch andere Länder in der EU verlangen von Schwulen und Bisexuellen, dass sie ein Jahr auf Sex verzichten, ehe sie Blut spenden dürfen: Das Vereinigte Königreich, Finnland oder Schweden.

Deutschland: Verbot bleibt

Nur in Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien spielt die sexuelle Orientierung keine Rolle. Stattdessen wird in diesen Ländern nach dem Risikoverhalten gefragt.

In Deutschland bleibt es Männern, die Sex mit Männern haben, verboten, zur Blutspende zu gehen. Dieses Verbot hat der Europäische Gerichtshof anfang des Jahres sogar für rechtens erklärt. Die Spende von Knochenmark ist jedoch seit Dezember 2014 hierzulande erlaubt.

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