Noch mehr unbegrenzte Möglichkeiten?

Redaktion Von Redaktion

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind für ihre Extreme bekannt. Die Einstellung zur Homosexualität bildet da keine Ausnahme: Akzeptanz einerorts, Verachtung andernorts. Wie steht es um die Rechtslage und welche Stellenwert hat die Religion?

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Vielfalt anGlaubensgemeinschaften wesentlich größer als in Deutschland. Die vierzahlenmäßig stärksten Konfessionen sind dort Katholizismus, SouthernBaptist Convention, United Methodist Church und Mormonentum, die alleeinen christlichen Ursprung haben und homophob eingestellt sind. Unterder Bevölkerung hat Religion im Alltag einen hohen Stellenwert. Dieswurde deutlich, als der amerikanische Wahlspruch im Jahre 1956 von "Epluribus unum" (Aus vielen eines) zu "In God we trust" (Auf Gottvertrauen wir) geändert wurde. Dieser Spruch ist auf der Rückseitejeder amerikanischen Dollar-Note zu lesen. In vielen Kirchen kann esdazu kommen, dass man ausgeschlossen wird, sobald man sich alshomosexuell outet. Allerdings herrschen, was Homosexualität anbelangt,auch innerhalb der einzelnen Kirchen Unstimmigkeiten. So ist daskirchennahe Institut "Lifeway Research" nach einer Umfrage zu demErgebnis gekommen, dass die Hälfte der amerikanischen Katholikenglauben, Homosexualität sei angeboren. Bei den evangelischen Gläubigen betrug dieser Anteil lediglich ein Drittel.

American Family Association

Immer wieder organisieren homophobe Organisationen Demonstrationen undAktionen gegen Homosexualität. Eine der bekanntesten Organisationen istdie "American Family Association" (AFA). Sie ist eine konservative,christliche Organisation, die ungefähr 150.000 Anhänger hat. Unter demVorwand, die Familie im christlichen Sinne zu erhalten, was bedeutet,dass beispielsweise typische Geschlechterrollen erhalten werden sollen,hetzt die Organisation aggressiv gegen Homosexualität. Bereits einigeMale ist die AFA durch eine sehr provokante Art zu demonstrieren in dieSchlagzeilen geraten. Bei Demonstrationen ist auf Transparenten undSchildernausschließlich von "Faggots" oder "Fags" zu lesen, was so viel wie"Schwuchteln" heißt. Einen hohen Bekanntheitsgrad hat durch diese Artder Homophobie der Slogan "God Hates Fags" bekommen. Die Schwulenaktivisten kostet es sehr viel Energie, dagegen anzukämpfen, da in den letzten Jahren unter der Regierung von George W. Bush diese Ideologien unterstützt wurden.

Das Ansehen Homosexueller ist von Bundesstaat zu Bundesstaatso verschieden wie die momentane Gesetzeslage. In neun Staaten gibt esbereits eine Art eingetragene Partnerschaft, die "Civil Union" oderauch "Domestic Partnership" genannt wird. Eine "Civil Union" ist dabeider deutschen Version der eingetragenen Partnerschaft am ähnlichsten,wohingegen eine "Domestic Partnership" mehr oder weniger auf dasAusfüllen eines Formulars beschränkt ist und nicht feierlich abgehaltenwird. Die Möglichkeit, so eine Partnerschaft zu schließen, besteht unter anderem in Washington, Oregon, Maine und imDistrict of Columbia. Die Möglichkeit, eine homosexuelle Ehe zu führen,die der heterosexuellen Ehe gleichgestellt ist, besteht bereits inKalifornien und Massachusetts. In einigen Bundesländer sind Ehenverfassungsmäßig heterosexuellen Paaren vorbehalten, darunter sindNevada, Montana und Colorado. Manche Bundesstaaten verweigern Homosexuellen sogar jegliche Form von Partnerschaft, wie zum Beispiel Texas, Kansas und Idaho.

Demokraten, Republikaner, Schwule

Der ewige Kampf zwischen den Demokraten und den Republikanern bleibtauch auf diesem Themengebiet erhalten. Während die liberalerenDemokraten zu großen Teilen zumindest eine eingetragene Partnerschaftunterstützen und die Rechte Homosexueller anerkennen, treten dieRepublikaner größtenteils gegen homosexuelle Partnerschaftsformen auf.Die öffentliche Auslebung der Homophobie geschieht dabei meist unterdem Decktmantel des Familienschutzes. Selbst viele Politiker begehennämlich den Trugschluss,zu denken, Homosexuelle hätten ihren Weg frei gewählt. Es besteht dieGefahr, dass Menschen, die bereits glauben, Homosexualität sei ein freiwählbarer Weg, Homosexuellen die böse Absicht unterstellen, sie wolltendie Familie zerstören und Kinder verführen.

Wenn man sich mit den USA beschäftigt,kommt man nicht um die Binsenweisheit herum, dass Amerika zahlreicheFacetten hat. Während man in den konservativen Regionen aufpassen muss,nicht als Schwuler geoutet zu werden, wie zum Beispiel in Texas, hatman in Kalifornien sogar die Möglichkeit zu heiraten. Ein Wandel ist imGange, auch wenn er sehr langsam erscheint.


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Weitere Quellen: istockphoto.com/Mummu Media; Laura Mercedes Pöll