Norwegen: Kirche traut Homosexuelle

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Norwegen: Kirche traut Homosexuelle
flickr.com/Tobias Van Der Elst

Die norwegische Kirche lässt in Zukunft auch Schwule und Lesben kirchlich heiraten. Das haben alle zwölf Bischöfe beschlossen. Eine Kirchengruppe spricht von einem "historischen Durchbruch".

Die norwegische Bischofskonferenz hat beschlossen, dass sie in Zukunft auch schwule und lesbische Paare trauen wird. Das hat Bischöfin Helga Haugland Byfuglien bei einer Pressekonferenz am Freitag verkündet. Alle Kirchen sollen kirchliche Trauungen anbieten. Wenn ein Priester oder andere Angestellte nicht an der Zeremonie teilnehmen wollen, können sie das jedoch verweigern. 

Die Organisation "Åpen folkekirke", also "Offene Volkskirche", hatte für diesen Schritt gekämpft. Deren Vorsitzender Sturla Stålsett sagte: "Wir sind sehr glücklich über diese Entscheidung. Es ist ein historischer Durchbruch, dass alle Bischöfe die gleichberechtigte Trauung empfehlen."

Norwegen: Ein fortschrittliches Land

Er rechnet damit, dass die ersten Hochzeiten im Jahr 2017 stattfinden würden. Bereits zuvor segnete die norwegische Kirche homosexuelle Partnerschafen. Aus dieser Segnung wird nun dieselbe Ehe wie die von Heterosexuellen. Norwegens Premierministerin Erna Solberg hat bereits vor einem Jahr gefordert, dass die Kirche die Ehe öffnen soll.

Denn Norwegen gilt als sehr fortschrittlich, was die Gleichberechtigung Homosexueller angeht. 1981 führte es als erstes Land der Welt ein Antidiskriminierungsgesetz ein. 1993 - als Homosexualität in Deutschland noch teilweise verboten war - führte das Land eingetragene Lebenspartnerschaften ein. 2009 schließlich öffnete das Land die Ehe.

In Deutschland Segnungen nur teilweise möglich

Die norwegische Kirche ist die evangelisch-lutherische Volkskirche Norwegens. Rund 76 Prozent aller Norweger gehören ihr an. Auch die anderen skandinavischen Kirchen sind liberal gegenüber Homosexuellen: Die schwedische Kirche traut Homosexuelle seit 2009 genauso wie Heterosexuelle. In Dänemark sowie auf Island gibt es immerhin Segnungen. 

In Deutschland können sich Homosexuelle in 13 von 20 evangelisch-lutherischen Landeskirchen segnen lassen. Solche Segnungen dürfen aber nicht "mit einer christlichen Trauung verwechselt werden", wie die Evangelische Kirche mitteilt. 




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Weitere Quellen: flickr.com/Tobias Van Der Elst