Ohne Anfassen!

Redaktion Von Redaktion
Ohne Anfassen!
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Die Talkrunde "hart aber fair" hat sich mit dem Thema "Homosexualität im Fußball" beschäftigt. dbna hat für euch zugeschaut.

Homosexualität im Fußball ist spätestens seit dem Skandal um den ehemaligen Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell wieder ein aktuelles Thema.Deshalb hat sich am Mittwoch Abend auch die Talkrunde "hart aber fair" (ARD - Titel: "Elf Freunde sollt ihr sein - aber bitte ohne Anfassen!") damit beschäftigt.

Eingeladen waren Claude-Oliver Rudolph, ein bekannter Schauspieler und Kampfsportler,Volker Beck, von B90/Die Grünen, der Moderator Johannes B. Kerner, Peter Neururer, langjähriger Bundesligatrainer und Marcus Urban,der wegen seiner Homosexualität auf eine Karriere im Profifußball verzichtet hat.

Weiterhin wurde thematisiert, dass für viele Fans "schwul" ein Schimpfwort und Schwulsein ein Tabu ist. Und ob denn wirklich gilt: Wer sich outet, ist unten durch?Und zeigt die Fußballwelt vielleicht nur offen, was Schwule sonst als heimliche Diskriminierung erfahren?

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Schauspieler und Kampfsportler Claude-Oliver Rudolph (links)

Schauspieler und Kampfsportler Claude-Oliver Rudolph (links)

Schwule haben keinen Killerinstikt

Mit diesem Statement des bekennenden Machos Claude-Oliver Rudolph begann dann auch die etwas ungleiche Runde, welches aber sofort auf harte Gegenwehr von Volker Beck traf.Er behauptete auch, dass Schwule eine "biochemische Verschiebung" hätten und ihnen deshalb der Killerinstikt fehlen würde.

Scheinbar verwechselt er wohl auch Fußball mit Kampfsport, denn ich habe noch nie davon gehört, dass man im Fußball jemanden mit dem Ellenbogen ins Gesicht schlagen muss,oder Ähnliches.

Diese Meinung vertrat daraufhin auch Peter Neururer. Herr Neururer machte dann auch gleich klar, dass Fußball vor allem "Tore schießen und verhindern" ist,was mit einer "gewissen Qualität in der jeweiligen Klasse" zusammenhängt und nicht mit der sexuellen Orientierung oder mit Härte.

Der Hetero sei auch nicht in seinen Entscheidungen oder seinem Handeln, härter als ein Homosexueller. Für Neururer ist es auch ein Zeichen von Stärke, Gefühl zu zeigen.

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Volker Beck - Spitzenpolitiker der Grünen

Volker Beck - Spitzenpolitiker der Grünen

"Eher wird eine Frau Bundestrainerin...

...als dass sich ein Fußballprofi outet", war die Meinung Volker Becks, die er, vor allem durch die Meinung von Claude-Oliver Rudolph bestätigt sah.Weiter führte er aus, dass genau so eine Haltung bei den Fans, wie auch teilweise noch in der Clubverwaltung vorherrsche und genau das müsse geändert werden,dass Fußballer den Mut finden können, "rauszukommen".

Dass dies der Fall ist, bestätigte Herr Rudolph selbst noch mit der Behauptung, die Meinung des Volkes zu kennen.Insofern stimmt er auch Rudi Assauer zu, der sich vor Kurzem ähnlich negativ über Schwule im Fußball geäußert hatte (dbna berichtete).

Volker Beck war nicht dieser Meinug. Weiterhin kritisierte er, dass es bei den Äußerungen von Assauer, keinen großen Aufschrei beim DFB gegeben hat,wie beispielsweise bei farbigen Spielern oder Ausländern.Das zeige erneut, dass die Gleichberechtigung im Fußball, vor allem bei Schwulen noch nicht sehr weit vorangeschritten ist und man immer noch gegen Vorurteile zu kämpfen hat.

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Marcus Urban - ehemalige Fußballer: "Ich musste ständig den harten Mann spielen, denn wäre ich als Schwuler aufgeflogen, wäre meine Fußballkarriere beendet gewesen."

Marcus Urban - ehemalige Fußballer: "Ich musste ständig den harten Mann spielen, denn wäre ich als Schwuler aufgeflogen, wäre meine Fußballkarriere beendet gewesen."

Outing erst nach der Karriere

Einen direkten Einblick in die Fußballwelt hatte auch Marcus Urban, der früher in der DDR-Jugendnationalmannschaft spielte. Er beschrieb seine Situation so,dass er einen "ständig im Raum schwebenden Makel" hat kompensieren müssen, was ihn letztendlich so viel Energie gekostet habe und ihn zur Aufgabe seiner Fußballkarriere zwang.

Dieses Statement konnte Peter Neururer erst nach ausführlicher Erklärung nachvollziehen.Dass sich die meisten Schwulen erst nach der Karriere outen, monierte auch Johannes B. Kerner,Gleichzeitig schlug er vor, dass ein Gruppenouting besser sei, als ein Outing nur einzelner Fußballprofis.

Ein positives Beispiel kam letztes Jahr aus dem Bereich des Rugbysport. Der Nationalheld und Rekordnationalspieler Gareth Thomas outete sich Ende vergangenen Jahres als schwul,woraufhin seine Spielerkollegen nur meinten, dass es ihnen egal sei.Das zeige deutlich, dass Homosexualität im Fußball wahrscheinlich aufgrund seiner immensen Popularität besonders tabuisiert sei.

Zusammenfassend kann man über die Talkrunde sagen, dass Claude-Oliver Rudolph mit seiner zu Anfang formulierten Meinung ziemlich alleine dastand,
wohl aber leider tatsächlich die Meinung der meisten Fans repräsentierte. Es muss sich noch viel tun im deutschen Profifußball und Reden allein hilft dabei sicherlich nicht.

Solltest du die Sendung verpasst haben, kannst du sie in der Mediathek des Ersten anschauen.

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Weitere Quellen: WDR