Ole von Beust: "Die Zeit ist reif"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Ole von Beust: "Die Zeit ist reif"
Wikimedia/Freud CC BY-SA 3.0

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) fordert von seiner Partei, über den eigenen Schatten zu springen und die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. Der 60-Jährige lebt selbst in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

In einem Gastbeitrag für die "Kieler Nachrichten" fordert Ole von Beust (CDU) seine eigene Partei auf, beim Thema Ehe für alle "über unseren Schatten zu springen - ehe das Verfassungsgericht uns schubst". Zwar gibt er zu, dass die Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe nur fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betrifft. Doch die Gleichstellung hängt damit zusammen, "wie wir grundsätzlich in der Gesellschaft miteinander umgehen, welche Werte uns verbinden."

Um seinem Kommentar eine argumentative Struktur zu geben, entkräftet er die beiden Hauptargumente gegen die Eheöffnung. Oft werde angeführt, dass Schwule und Lesben keine Kinder zeugen können. "Was ist mit jenen heterosexuellen Paaren, die definitiv keine Kinder wollen? Kann und darf für sie alle das Recht, eine Ehe zu schließen, irgendwie beschränkt werden? Natürlich nicht", schreibt der 60-Jährige.

"Man ist homosexuell oder nicht. Keiner hat es sich ausgesucht"

Auch die These, die Ehe würde geschwächt werden, wenn Homosexuelle heiraten dürfen, kann er nicht nachvollziehen. Er rechnet vor, dass 80.000 Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sind. Das sind 0,25 Prozent der 36 Millionen heterosexuellen Eheleute. "Wieso sollten diese 0,25 Prozent 99,75 Prozent der Ehen auf irgendeine Art relativieren, infrage stellen oder gar gefährden?", fragt er.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel vor allem ihr Bauchgefühl als Argument gegen die Eheöffnung nennt, findet Ole von Beust "nicht illegitim". "Aber es geht nicht um den Bauch, sondern um eine rechtliche Frage: um die Pflicht des Gesetzgebers, Diskriminierungen zu beseitigen." Weiter schreibt der ehemalige Erster Bürgermeister von Hamburg: "Man ist eben homosexuell oder ist es nicht, keiner hat es sich ausgesucht. Polemisch formuliert: Ich verweigere doch auch nicht Menschen von unter 1,65 Metern oder über zwei Metern Körperlänge bestimmte Rechte nur wegen ihrer Größe."

Sein Partner ist etwa 30 Jahre jünger

Der ehemalige Politiker kann auch nicht verstehen, dass die CDU/CSU mit der Eheöffnung die konservativen Wähler nicht verschrecken möchte. "Der Konservative muss doch in Wahrheit vor allem die Werte als solche anerkennen und schützen und weniger die bloße Konvention." 

Ole von Beust war von 2001 bis 2010 Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg. Seit Mai 2013 lebt er mit seinem ehemaligen Praktikanten Lukas Förster, der knapp 30 Jahre jünger ist, in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Auf eine Interviewanfrage von dbna im September 2014 antwortete von Beust, er versuche sich "grundsätzlich mit 'öffentlichen Auftritten' zurückzuhalten". Der Gastkommentar war wohl eine Ausnahme.

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