Oscars homophob?

Christian Brandl Von Christian Brandl

Gerüchten zufolge zeichnet sich für die kommende Oscars-Verleihung am 5. März ein kleiner Skandal ab: angeblich haben sich einige Mitglieder der Akademie geweigert, den Kritiker-Favoriten "Brokeback Mountain" anzusehen, weil sie sich von der tragischen Liebesgeschichte zwischen zwei Männern abgestoßen fühlen. Dies ist insofern unverständlich als der Film keine harten Sex-Szenen zeigt und im allgemeinen als "zu zahm" bewertet wird.

Der hochgelobte Film "Brokeback Mountain" von Ang Lee, insgesamt acht Mal nominiert, erzählt die Geschichte zweier Cowboys, die sich lieben, aber bis auf vereinzelte Treffen an einem einsamen Berg nicht zueinander finden können. Die Romanze präsentiert sich voller Trauer über die Verbindung zwischen zwei Schwulen, die nicht schaffen zu ihrer Liebe zu stehen. 

Auch ansonsten ist das Thema Homosexualität bei den diesjährigen Oscars sehr präsent: der Schriftsteller Truman Capote auf, der in dem für 5 Oscars nomimierten Drama "Capote" charakterisiert wird, trat bereits als offen schwul auf. Die Hauptfigur des Road-Movies "Transamerica" wünscht sich nichts sehnlicher, als endgültig vom Mann zur Frau zu werden. Mit Heath Ledger und Jake Gyllenhall ("Brokeback Mountain"), Philip Seymour Hoffmann ("Capote") und Felicity Huffman ("Transamerica") hoffen in diesem Jahr vier Schauspieler auf einen Oscar für Rollen, die sich mit dem Thema Homosexualität befassen.

Amerikanische Schwulen- und Lesbenverbände bejubelten die Nominierungen für den bereits ausgezeichneten Film "Brokeback Mountain" als "Meilenstein" und erhofften sich davon mehr Akzeptanz in der Bevölkerung. Durch diesen und die anderen Filme erhielten "Millionen von Amerikanern ein ein größeres Verständnis darüber, wer wir sind".

Mit diesem Thema wird in den US-amerikanischen Medien noch längst nicht normal umgegangen, wie die Reaktionen bei Auftritten der beiden Hauptdarsteller Ledger und Gyllenhall in den vergangenen Wochen gezeigt haben. Sie wurden unentwegt befragt, wie sie sich dabei vorgekommen seien, einem anderen Mann vor der Kamera so nahe zu kommen. Genervt hatte Ledger in einem Interview geantwortet: "Wir haben bei den Liebesszenen Stunt-Doubles benutzt". Trotz dieses ironischen Umgangs des Schauspielers mit dem Thema wurde auch offensichtlich, dass beide Stars ein wenig Angst haben, weibliche Anhänger zu verlieren: mehrfach betonten sie, dass sie heterosexuell sind und wiesen auf ihre Partnerinnen hin.

Der Trubel um die Ablehnung des Films in den Kreisen der Akademy macht die Verleihung des begehrten Preises für den schwulen Film ein Stück unwahrscheinlicher. Expertenkreise diskutieren bereits, ob die Ehrung des Dramas "L.A. Crash" als Alternative gewählt werden könnte.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Quelle: Mitteldeutsche ZeitungBildmaterial: © Oscars.com / TOBIS Film