Jugendliche aus dem schwul-lesbischen Zentrum anyway in Köln haben ihr eigenes Theaterstück kreiert. Im Rahmen des Sommerblut-Festivals in Köln wird es aufgeführt - und zwar in einem Bus.

Im Mai fährt ein ganz besonderer Bus durch Köln. Er bringt seine Passanten in das Jahr 2099. Die Zeitreise gehört zum Theaterstück "Out Trips". Jugendliche aus dem Rheinland haben es entwickelt. Sie haben ihre eigenen Erlebnisse mit einfließen lassen, schauen in die schwule Geschichte und formulieren eine Vision: Am Ende dieses Jahrhunderts leben wir in einer multisexuellen Gesellschaft, in der die Begriffe schwul, lesbisch, bi und trans keine Rolle mehr spielen.

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Mit Leidenschaft dabei: Obwohl Heiko aus Rheinlandpfalz kommt, fuhr er jede Woche für die Proben den weiten Weg nach Köln.

Mit Leidenschaft dabei: Obwohl Heiko aus Rheinlandpfalz kommt, fuhr er jede Woche für die Proben den weiten Weg nach Köln.

Bei "Out Trips" stehen die Jugendlichen im Vordergrund. Einer von ihnen ist Heiko. Im Interview mit dbna spricht er über die intensive Probenzeit und auf was für schauspielerische Herausforderungen er gestoßen ist.

Heiko, in wenigen Tagen beginnt eure Aufführung. Wir groß ist die Aufregung?
Die Aufregung ist da. Aber das ist auch wichtig, dass man da nicht zu entspannt rangeht, sondern das Stück sehr ernst nimmt. So eine Theaterproduktion ist eine sehr große Herausforderung. Aber gleichzeitig muss man aufpassen, dass man nicht zu sehr in die Routine reinfällt.

Ihr habt seit letztem Jahr für euren großen Auftritt geprobt. Was ist denn dein größter Lernerfolg, du aus dem Projekt mitnimmst?
Da gibt es ganz viele Sachen, die mir im Kopf bleiben vor allem weil das Theaterprojekt mir persönlich so nahe steht. Eine wichtige Erfahrung ist es, in andere Rollen hineinzuschlüpfen. Ich habe gemerkt, dass mir einige näher stehen und mich mit diesen identifizieren kann. Andere wären mir schwer gefallen, z.B. die Rolle des Aufsehers in einem Konzentrationslager spielen. Sich da hineinzufühlen und zu verstehen, dass das auch Menschen waren, ist eine echte Herausforderung.

Wie habt ihr die gemeistert?
Man muss die Szene und die Personen befragen: Wie ist diese Person in die Situation hineingekommen? Wie fühlt diese Person? Was tut die Person da? Das sind immer Fragen, die man sich stellen sollte, ehe man eine Szene spielt. Ich z.B. spiele einen schwulen KZ-Insassen, der misshandelt wird, der Steine schleppen muss und zum Schluss auch erschossen wird. Diese Szene mussten wir sehr lange vorbereiten, damit man sich in diese Situation hineinversetzen konnte.

Wie ging das?
Wir haben erst einmal improvisiert. Die Jugendlichen, die die Aufseher spielen, haben uns probeweise ordentlich herumkommandiert. Dann sollten sich die in einer Reihe aufstellen und wurden einmal kräftig angeschnauzt. Das hört sich jetzt sehr extrem an. Aber uns war allen klar, dass wir uns in einem fiktiven Spiel befinden. Und danach wurde der Spieß einmal umgedreht und wir haben geschaut, wie fühlt sich die andere Rolle an?

Und wie fühlt sich das an, Häftling zu sein?
Man fühlt Hilflosigkeit wegen der Schikanen. Wir mussten uns zum Beispiel in einer Reihe aufstellen. Dabei mussten einige unbewusst anfangen zu grinsen, um ihre Verlegenheit zu überspielen. Da stellt man sich natürlich die Frage: Wie würde ich in dieser Situation selber reagieren?

Der Paragraph 175 und die Schwulenverfolgung sind nur ein kleiner Teil eures Theaterstückes. Es geht hauptsächlich um eine Zeitreise in das Jahr 2099 zur multisexuellen Gesellschaft. Wie soll die denn aussehen?
Es geht um eine Gesellschaft, eine Utopie, in der es keine Diskriminierung mehr gibt. Alle Menschen werden so akzeptiert, wie sie sind. Die ganzen sozialen Normen, in die man reingedrückt wird, existieren nicht mehr. Es spielt keine Rolle, ob man Mann, Frau oder Trans ist. Es ist vollkommen egal. Die Menschen aus 2099  sagen, dass sie sehr verwundert sind, dass in unserer Zeit bestimmte Gesten nur für Männer oder Frauen existieren. Aus historischer Sicht ist das für sie amüsant.

Ob das beim Zuschauer auch so ankommt, kann er dann selbst testen. Euer Stück läuft mehrmals im Mai. Ich wünsche dir und deinen Mitspielern viel Erfolg. Danke für das Gespräch.

Das Stück "Out Trips" wird am 13., 14., 15., 17., 28. und 29. Mai jeweils um 19:30 in Köln aufgeführt.

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Weitere Quellen: Sommerblut Kulturfestival e.V.