Patrick Diemling: "Ich möchte bewusst ein Zeichen setzen"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Patrick Diemling: "Ich möchte bewusst ein Zeichen setzen"
Martin Menke/Wikimedia

Der deutsche Schauspieler Patrick Diemling ist schwul. Der 32-Jährige, bekannt aus den ARD-Donna-Leon-Filmen, outete sich im Interview mit bunte.de. Auch wenn es eigentlich niemanden etwas angehe, wolle er so ein Zeichen setzen. Außerdem spricht er über seine Familie, die zunächst ablehnend reagierte.

Patrick Diemling ist vor allem bekannt aus den Verfilmungen der Donna-Leon-Krimis, in denen er seit 1999 Raffi, den Sohn von Commissario Brunetti, spielt. Der 32-jährige Schauspieler aus Berlin hat sich in bunte.de nun als schwul geoutet.

"Eigentlich könnte man meinen, dass die sexuelle Identität von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, im Jahr 2015 keinen Nachrichtenwert mehr haben sollte. Und ich will auch gar keinen Bohei um etwas machen, was eigentlich niemanden etwas angeht. Aber ich möchte bewusst ein Zeichen setzen", sagte er im Interview.

Es gibt viele andere, sogar bekannte Gesichter

Denn Patrick Diemling findet, dass unsere Gesellschaft zwar offiziell liberal und offen sei. An vielen Stellen, etwa wenn in Stuttgart dagegen protestiert wird, in Schulen über Homosexualität zu sprechen, sähe die Wirklichkeit anders aus. "Wenn gegen einzelne Stimmung gemacht wird, gerät damit auch die Freiheit aller in Gefahr. Ich glaube nicht, dass demokratische Errungenschaften für immer selbstverständlich sind", ergänzt er.

Außerdem möchte er eine Vorbildfunktion haben. Er werde immer wieder auf der Straße angesprochen. "Vielleicht ist es für diese Eltern oder Großeltern einfacher, ihren schwulen Sohn oder Enkel zu akzeptieren, wenn sie wissen, dass es noch so viele andere gibt, sogar einige bekannte Gesichter, die sie mögen", sagt er.

ARD Degeto/Nicolas Maack
Patrick Diemling (2. v.r.) spielt in den ARD-Filmen "Donna Leon" den "Raffi".

Patrick Diemling (2. v.r.) spielt in den ARD-Filmen "Donna Leon" den "Raffi".

"'Schwul' als Schimpfwort in der Schule

Denn in seiner eigenen Familie hat genau das gefehlt. Als er sich Mitte der 90er im Alter von 14 geoutet hat, reagierte seien Familie ablehnend. "Sie hatten viele Klischees, Ängste und blöde Stereotypen im Kopf, die es mir schwer gemacht haben. Ihnen hätte es geholfen, wenn sie andere Schwule gekannt hätten. Aber sie kannten einfach niemanden sonst, der schwul ist, weder privat, noch aus den Medien oder aus der Politik."

Sein Coming-out bei seinen Eltern hat ihn viel Überwindung gekostet. Ohne Internetzugang konnte er nicht sehen, dass viele andere den Schritt schon hinter sich haben. "Auch in der Schule hatte ich nicht das Gefühl, dass ich offen über meine Gefühle sprechen kann. Der Ton war eher rau und 'schwul' ein Schimpfwort."

Deshalb hatte er das Gefühl, etwas in ihm sei "zutiefst falsch". Auch seine damaligen Freunde hätten diese Einstellung unterstützt. "So hatte ich das Gefühl, ich sei nicht ok, wie ich bin und habe über zehn Jahre lang mit mir selbst gekämpft. Und weil ich dachte, ich muss mich nur zusammenreißen und als heterosexueller Mann leben, war ich auch mit Frauen zusammen", erzählt der Schauspieler. 

"Jetzt müssen sich noch mehr trauen"

Endgültig geoutet habe er sich dann erst 2010. "Ich habe mehr und mehr verstanden, dass ich bis dahin jemand sein wollte, der ich gar nicht bin", sagt der 32-Jährige. Dabei haben ihm auch Freunde unterstützt . Außerdem habe er andere Schwule kennengelernt, was ihm geholfen habe, sich selbst zu akzeptieren. Schließlich war auch seine Familie beim "zweiten Coming-out" weiter als noch zehn Jahre vorher.

Angst vor negativen Folgen dieses Schrittes hat er jedoch nicht: "Wenn jetzt fünf Personen weniger bei den Filmen einschalten, weil Raffi in echt schwul ist, dann ist das so", sagt er. Vielmehr wünscht er sich, jetzt auch einmal schwule Rollen angeboten zu bekommen. Auch über homosexuelle Kollegen spricht er: "Aber es wäre schon ein starkes Zeichen, wenn mehr von ihnen selbstbewusst nach vorne treten würden. So wie mein Kollege Clemens Schick, der sich letztes Jahr beiläufig und super souverän geoutet hat. Jetzt müssten sich halt einfach noch viel mehr trauen."

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Weitere Quellen: bunte.de, ARD Degeto/Nicolas Maack / Martin Menke/Wikimedia