Plasberg und der schwule Fußball

Redaktion Von Redaktion
Plasberg und der schwule Fußball
AllzweckJack / photocase.com

Hart aber fair. Eine Sendung, deren Titel spannende Diskussionen verspricht. Diesmal widmete sich Moderator Frank Plasberg einem Thema, das sich nicht in diesen Slogan unterbringen lässt: "Elf Freunde sollt ihr sein – aber bitte ohne anfassen". Debattiert werden sollte über das Tabuthema Homosexualität im Fußball. Alexander stellt sich dabei die Frage: Ist das wirklich ein Tabuthema?

Hart aber fair. Eine Sendung, deren Titel spannende Diskussionen verspricht. Frank Plasberg, selbsternannter Inlandskorrespondent, der seine Sendung gerne mit dem Slogan "Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft" präsentiert, widmete sich diesmal einem Thema, das sich nicht in diesen Slogan unterbringen lässt: "Elf Freunde sollt ihr sein aber bitte ohne anfassen".

Debattiert werden sollte über das Tabuthema Homosexualität im Fußball. Mir stellt sich dabei  die Frage: Ist das wirklich ein Tabuthema? Früher selbst aktiv Fußball gespielt, heute Mitglied eines schwulen Fußballfanclubs und somit mit dem Thema vertraut, freute ich mich auf eine interessante Diskussion. Doch daraus wurde nichts.

WDR
Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen

Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen

Erstes Manko: schlecht ausgewählte Gäste

Suspekt war mir schon die Gästeliste: Erwartet hatte ich Gäste wie einen DFB-Funktionär, Exmanager Rudi Assauer (der zuletzt mit dem Statement auffiel, dass schwule Fußballer  sich doch einen anderen Job hätten suchen sollen, dbna berichtete), Corny Littmann (der offen schwule Präsident des FC St.Pauli) oder einen Vertreter der zahlreichen schwulen Fußballfanclubs.

Doch die einzigen, die Ansatzweise etwas mit aktuellem Fußball zu tun haben, waren der Moderator und Sportreporter Johannes B. Kerner, der ehemalige Spieler Marcus Urban, der auf Grund seiner Homosexualität auf eine Profikarriere verzichtete sowie Peter Neururer, Trainer ohne Job. Dazu gesellten sich Claude-Oliver Rudolph, Schauspieler, Kampfsportler und Möchtegern-Macho sowie Volker Beck, schwuler Spitzenpolitiker der Grünen. Bis auf Rudolph, der den harten Mann verkörpern sollte, vertraten alle die Ansicht, nichts gegen Homosexuelle im Fußball zu haben. Allen voran der Musterschwule Volker Beck.

Beck ist der Ansicht, dass eher eine Frau Bundestrainerin werden würde, als sich ein Profi outen, so schlimm würden seiner Meinung nach die Reaktionen sein. Doch das war es dann mit der Diskussion. Fazit: Es hat sich noch immer kein deutscher Fußballprofi als schwul geoutet, aber es wäre doch toll, wenn es einer täte. Also schaffen wir doch das Klima dafür. Super. Wie allerdings das Klima dafür geschaffen werden könne, darauf wusste keiner eine Antwort. Frank Plasberg fragte aber auch nicht nach.

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Claude-Oliver Rudolph, Volker Beck und Johannes B. Kerner

Claude-Oliver Rudolph, Volker Beck und Johannes B. Kerner

Spannung und Neuigkeiten? Leider Fehlanzeige

Hätten die Kollegen genauer recherchiert, wären sie darauf gestoßen, dass es definitiv einige schwule Profis in der Bundesliga gibt. Aufgedeckt hatten dies bereits mehrere Fußballmagazine sowie die DSF-Dokumentation "Tabubruch Homosexualität und Fußball". Darauf hätte man aufbauen können, unter Journalisten soll schließlich bekannt sein, wer diese Spieler sind. Sie hätten aufzeigen können, unter welchen Umständen sie leben und weshalb. Sie hätten auch beliebige Spieler befragen können, wie Homosexualität in ihrer Mannschaft gesehen wird. Oder die schwulen Fußballfanclubs, auf die einzig Kerner Bezug nahm, in dem er herausstellte, dass diese inmitten anderer Ultras ihre Mannschaft unterstützen.

Genauso ist es auch, so meine eigene Erfahrung. Keine Anfeindungen, sondern Akzeptanz. Sicher, hier und da kann mal ein frecher Kommentar kommen, aber den muss man mit Humor nehmen. Wo also das Problem? Exspieler Urban hatte ein Problem damit, sich aus Angst vor Mannschaftskameraden und Fans verstellen zu  müssen, wodurch er zunehmend unter Druck geriet. Druck, den er auf einmal nicht mehr aushielt und es für sinnvoller befand, seine Karriere zu beenden. Eine schöne Story für Frau Maischberger, aber nicht für eine Show, die von Konfrontationen lebt. Frage: In welchem Berufsfeld versteckt Mann seine Homosexualität eigentlich nicht? Oder andersherum: Warum sollte man sich outen? Geht doch schließlich keinen was an, ob man auf Frauen steht oder auf Männer.

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Marcus Urban - ehemalige Fußballer

Marcus Urban - ehemalige Fußballer

Outings in anderen Sportarten

Eine Facette, die neben vielen anderen auch zu kurz kam: der Blick auf die Jugend. Wer meint, dass es in den nächsten Jahren besser werden könnte, der erliegt einem Irrglauben. Gerade in jungen Fußballmannschaften steigt die Homophobie wieder.

Homophobie allerdings als Problem des Fußballs hochzustilisieren, halte ich für falsch. Ist doch eher ein gesellschaftliches Problem, was vor allem einen Grund hat: Mangelnde Aufklärung. Doch der Deutsche Fußballbund (DFB) tut das, was Volker Beck sagte: "Homophobie kann durch Aufklärung geheilt werden". Es gibt Aktionsabende, Flyeraktionen, der DFB finanziert sogar seit 2 Jahren einen Wagen auf dem ColognePride.

Auf mich macht es den Eindruck, dass Homosexualität im Profisport nicht mehr so verschmäht ist, wie noch vor einigen Jahren. Beispiele: Rugby-Spieler Thomas Gareth outete sich Ende des letzten Jahres. Auch im Frauenfußball und im Radsport sind lesbische Akteurinnen nichts Neues. So wird auch eines Tages der Männerfußball folgen. Verstecken müssen sich Schwule jedenfalls nicht mehr. Aber auch nicht aufdrängen. Obwohl, vielleicht würde das dazu beitragen, der Gesellschaft zu zeigen, dass Schwule weder verweichlicht oder dergleichen sind, sondern normale Menschen. Wie Fußballer eben auch.

Fazit: öde

Neue Erkenntnisse brachte "Hart aber fair" leider nicht. Ebenso wenig konnte die Sendung ihrem Titel gerecht werden, zu einseitig die Gäste, zu plätschernd  die Diskussion. Dafür wurde viel zu sehr im Konsens rumgeeiert. Moderator Plasberg hatte ohnehin nicht seinen besten Tag, was nicht zuletzt durch die mehr oder minder peinliche Schlussrunde deutlich wurde: Er fragte, wer mit wem am liebsten in ein Doppelzimmer wollen würde. Warum auch immer.

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Weitere Quellen: WDR, Titelfoto: AllzweckJack / photocase.com