Pro&Contra: Valentinstag

Patrick Fina Von Patrick Fina

Der Valentinstag spaltet die Gemüter. Anlass genug, ihn mal von zwei Seiten kritisch unter die Lupe zu nehmen. Unsere Autoren jedenfalls werden sich nicht einig. Ist der Valentinstag nun romantisch oder nicht?

Unser Autor Dan Schmit argumentiert für den Valentinstag und freut sich auf einen Tag, der zwar Tradition ist, aber deshalb lange noch nicht unromantisch.

Unser Autor Patrick Kremers hingegen stört sich an der geheuchelten Liebhaberei und stößt darauf mit Shakespeare an.


PRO: Nützlich für viele, warum also abschaffen?

 
Für alles gibt es einen internationalen Tag: die Nieren, das Wetter, deutsches Bier. Warum denn nicht auch für die Liebe? Nur weil ein paar Kritiker meinen, dass der Valentinstag nichts wert sei, sollten wir nicht auf diesen besonderen Tag der Liebenden verzichten. Natürlich soll man sich 365 bzw. 366 Tage im Jahr lieben, aber ein besonderer Tag für die Liebe hat unverkennbar positive Seiten. So können die Gefühle für einander intensiver werden, man erkennt wirklich, was der Partner einem bedeutet und Streit kann überwunden werden.
 
Oft hört man, dass der Valentinstag seine Bedeutung verloren hat, weil er zu einem gefühllosen Ritual geworden ist. Stimmt, Tradition hat der Valentinstag, aber gefühllos ist er sicher nicht. Traditionen und Rituale gehören einfach zur menschlichen Natur, der innere Wunsch lautet: "the same procedure as every year". Eine gewisse Regelmäßigkeit ist in unserer hektischen Gesellschaft einfach wichtig. Deshalb sollte man Rituale auch nicht einfach verurteilen, vor allem einen Tag wie den Valentinstag, an dem man sich mit seinem Liebsten zurückziehen kann. So ein Moment des Nachdenkens erinnert uns auch wieder daran, dass wir nicht allein sind.
 
Ein Ritual ist der 14. Februar auch für die Geschäftsleute. Kritiker weisen immer wieder darauf hin, dass der Valentinstag von der Wirtschaft ausgenutzt werde. Blumenhändler und Schokoladenproduzenten können ihre Freude beim Gedanken an volle Kassen nicht mehr zurückhalten. Der Valentinstag wird also zum Opfer der Kommerzialisierung. Diese Kritik ist durchaus berechtigt, aber ich weiß nicht, was daran schlecht sein soll. Dank Weihnachten, dem Valentinstag oder Ostern bekommen viele Firmen einen großen Teil ihrer Aufträge, wodurch wiederum Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Liebenden profitieren von dem großen Angebot, aber hauptsächlich geht es ihnen doch um die Liebe. Also sind alle glücklich: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und vor allem die Paare.
 
Nur Singles haben an diesem Tag kein leichtes Dasein. Überall fröhliche Verliebte, Herzen und Blumen, es ist zum Verzweifeln. Am liebsten möchte man den Tag im Bett verbringen. Aber dafür können sich die bisher Alleingebliebenen schon einen Tag früher freuen, denn am 13. Februar ist seit 2001 Europäischer Singletag. Also hat der Valentinstag auch indirekt Singles beglückt. Und vielleicht hat man im kommenden Jahr schon jemanden, mit dem man dann den Valentinstag begehen kann.
 
Warum soll man einen Tag kritisieren, der fast für jeden einen positiven Aspekt hat? Deshalb lasst uns den 14. Februar genießen und den Menschen, die wir lieben, unsere Gefühle zeigen!
Dan Schmit


CONTRA: "Und paaren jetzt sich diese vögel erst?"

Ach, schau an. Da hat wieder ein Mensch einen anderen Menschen gefunden (endlich, verdammt!), sie liegen sich schluchzend in den Armen und begehen ganz romantisch den Valentinstag. Dazu gehören: Blumen. Klar, ohne Blumen gäbe es keinen Valentinstag. Während selbst die verkapptesten Romantiker auf Befehl ihres Über-Ichs in die Blumenläden strömen und billige Rosen aus Übersee kaufen, onanieren weltweit die Blumenindustrie-Manager aufgrund explosionsartig wachsender Verkaufszahlen und freuen sich auf ihren neuen Porsche.

Als das Wirtschaftswunder Nachkriegsdeutschland entzückte und endlich mal ein paar Reichsmark zu viel auf dem Konto waren, hatte die Blumenindustrie leichtes Spiel. Sie "erfand" den Valentinstag, heftig beworben entwickelte sich die Blumenschenkerei am 14. Februar allzu schnell zu einer Tradition.

Was die Blumenindustrie im Delirium ihrer "Nice-Scheiß-Geschäfte" (vielen Dank an Klaus Thiele-Dohrmann für diesen biestig-geilen Begriff) gerne verschweigt: Den Valentinstag gab es schon lange, bevor es organisierten globalen Blumenhandel gab.

Schlaue Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Wurzeln des Valentinstags in der kirchlichen Liturgie liegen. Als himmlischer Bräutigam kam Jesus (Gott hab ihn selig!) zur Himmlischen Hochzeit und feierte ein rauschendes Fest. Dem gedachte man am 14. Februar. Geoffrey Chaucer, ein britischer Literat, schnappte dieses drollige Motiv auf und manifestierte es in seinem viel zu langen Gedicht "Parlament der Vögel". Da feierten die Vögel nämlich am 14. Februar Hochzeit und ließen den Tag mit einem schweinisch-geilen Fest ausklingen.

Was im Einzelnen passierte nach eben dieser Vogelhochzeit, ist nicht überliefert. Ein deutsches Handbuch aus dem Mittelalter mag Auskunft geben. Da steht nämlich, dass der 14. Februar der Tag sei "an dem die geschlechtslust in allen creaturen wieder erwacht". Von Blumen ist da keine Rede. Den "creaturen" heutzutage ist das schnuppe. Die feiern den Valentinstag, als gäbe es kein Morgen, stürzen sich in Unkosten und vergessen über all die romantische Heuchelei, wie unromantisch so ein Valentinstag eigentlich ist. Braucht es tatsächlich einen eigenen Tag, um seinem Menschen (yeah!) zu zeigen, dass man ihn gern hat?

An dieser Stelle schlage ich mich auf die Seite von William Shakespeare. Der schrieb einmal sehr pragmatisch in einem ebenfalls viel zu langen Gedicht namens "Ein Sommernachtstraum":

"St. Velten ist vorbei
und paaren jetzt sich diese vögel erst?"
Patrick Kremers

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Weitere Quellen: istockphoto.com