Probieren geht über Studieren

Redaktion Von Redaktion

Studenten sind so eine Art Rock-Stars. So in etwa zumindest stellt man sich das als gemeiner, von Lehrern und Eltern gegängelter und drangsalierter Gymnasiast vor. Was passiert, wenn Vorstellung und bittere Realität aufeinander treffen, das erfährst du hier.

Studium. Studieren. Studierende. Studieninteressierte. Die Wörter werden eindrucksvoller, je länger sie werden. Sie umweht der Hauch der Geschichte. Studieren: das ist Spaß und Ausgelassenheit auf der einen Seite sowie harte Arbeit und Nachtschicht auf der anderen.. Bewundert ob ihrer vermeintlichen intellektuellen Überlegenheit, verachtet wegen ihrer katastrophalen Lebenseinstellung. Studenten sind so eine Art Rock-Stars. So in etwa zumindest stellt man sich das als gemeiner, von Lehrern und Eltern gegängelter und drangsalierter Gymnasiast vor. Er kann es gar nicht erwarten, in die große weite Welt zu ziehen. Kann ja auch nicht so schwer sein, von der Schule auf ne Uni zu kommen, oder? Was passiert, wenn Vorstellung und bittere Realität aufeinander treffen, das erfährst du hier.

Was studieren?

Diese Frage quält einen zu allererst. Und fast jeder muss sich mit ihr herumschlagen. Sei es, weil man merkt, dass ein Abiturdurchschnitt von 2,8 nicht so ganz reicht, um in Humanmedizin so richtig durchzustarten. Oder weil man mit seiner Umschreibung "Ich möchte mal was mit Menschen machen" nicht wirklich bei der Entscheidungsfindung vorankommt.

Der durchschnittliche Schüler interessiert sich eben nicht für die Zukunft, die über die Frage "Was mache ich nächsten Sommer?" hinausgeht und steht deshalb meist ratlos vor der riesigen Liste an Fächern, die man in Deutschland studieren kann. Romanische Philologie? Oder doch lieber französische Kunstgeschichte? Meeresbiologie klingt doch auch ganz interessant. Neben dieser reichhaltigen Palette an möglichen Irrwegen stellt sich dem Studieninteressierten bald ein ganzer Heertross von Beratern an die Seite, der dem naiven Jüngling den einen oder anderen fatalen Fehler ausreden muss. Dummerweise hat meist jeder - ob Onkel, Freund des besten Freundes, Nachbar oder Postbote - eine andere Meinung. Letzten Endes heißt es dann oft doch nur: "Mach das, was dir am meisten Spaß macht!"

Früher oder später wird dann doch irgendwie eine Wahl getroffen, nötigenfalls nach dem Zufallsprinzip. Langsam keimt der Same des Ehrgeizes im Inneren des Abiturienten, erste Ansätze eines Plans lassen sich erkennen. Falls sich der Student in spe aber für eines der vielen Studienfächer entschieden haben sollte, für die es landläufig mehr Bewerber als verfügbare Plätze gibt, fängt der Spaß erst richtig an.

Bewerbung auf die Erteilung eines Zulassungsbescheides

Der Anfang allen Werdens und Seins in Deutschland ist ein Formular, so will es der Brauch. Ob man nun eine Gartenlaube bauen, den Kriegsdienst verweigern oder eben einfach nur studieren möchte: Ohne Papier geht nichts. Nun sind die deutschen Unis, aufgeschreckt durch diese bösartige Studie, die den Namen einer italienischen Stadt trägt, mit einen wahren Hechtsprung ins 3. Jahrtausend gestartet. Sie haben sich überlegt, wie nett, flott, modern und fesch es denn aussehen würde, wenn sich die zukünftigen Studiengebührenzahler über das Internet bewerben könnten, so ganz ohne blödes Papier. Das würde einen echten coolen, krassen und megafetten Eindruck bei den jungen Leuten hinterlassen. Yo, Mann!

Das hört das schreibfaule Internetkid doch gern und klickt, schwupps, die Seite der ersten Uni an. Beim Anblick der Seite verfällt der gewiefte Netzjunkie zunächst in eine depressive Paralyse. So viel Text! So viele Links! Und: Webdesign ist offenbar kein Fach, was man hier studieren kann. Der durchschnittlich begabte Nutzer braucht dann auch nur geschätze 30 Minuten, um zur Onlinebewerbung vorzudringen. Auf den Weg hierhin konnte man die Uni schon ein wenig kennenlernen. Man weiß nun, wie man einen Bibliotheksausweis bekommt, wie der Dekan mit Vornamen heißt, wie viele Nobelpreisträger die Uni hervorgebracht hat und dass es Mittwochs in der Mensa Seelachs geben wird. Was für eine erheiternde Schnitzeljagd!

Und nun kann es endlich losgehen: Name, Vorname, Geburtsdatum, tralalalalala. Moment mal: Bachelor, Diplom oder Master of Education? Ach, wird schon richtig sein. "Sie haben kein Nebenfach ausgewählt." Hä? Nochmal von vorne. Und nach weiteren 30 Minuten ist man auch schon fertig und erhält stolz seine erste Auszeichnung: eine Bewerbernummer! Jetzt nur noch die Bestätigung ausdrucken, einen Lebenslauf, das per Hand ausgefüllte Zusatzformular, die Dienstzeitbescheinigung in behördlich beglaubigter Kopie sowie zwei Kopien der Hochschulzugangsberechtigung (natürlich auch beglaubigt) beifügen und den ganzen Schmonz an das Studiensekretariat schicken. Mit Porto und Kosten für die Beglaubigungen zahlt man da nur schlappe 10 Euro. Pro Bewerbung. Und das alles so ganz ohne Bürokratie und Aufwand. Einfach herrlich, was heutzutage durch die moderne Technik alles möglich gemacht wird!

Wenn man sehr viel Glück hat, trifft dann irgendwann eine Reihe von Briefen ein, in denen dann entweder Zulassungsbescheide oder Ablehnungsbescheide enthalten sind. Bei ersterem kann man sich gratulieren: Man hat den ersten Schritt zum Studentenleben geschafft. Arbeit gab es schon, vielleicht stellen sich dann auch irgendwann der Spaß und der hedonistische Lebensstil ein.

Der zweite Schritt besteht nun aus Immatrikulation und Wohnungssuche und wird nächsten Monat vorgestellt. Bis dahin: nicht unterkriegen lassen!

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com