Die Einstellung des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zu seinen westlichen Nachbarn ist nicht gerade von Herzlichkeit geprägt, doch das beruht zum Teil auch auf Gegenseitigkeit. Dass manche Entscheidungen des konservativen Politikers in der Vergangenheit auch in Deutschland auf wenig Zustimmung gestoßen sind, musste Kaczynski nun während eines Besuchs der Humboldt-Universität in Berlin erfahren:

Als der polnische Präsident seine Rede zum Thema "Europa" im Auditorium beginnen wollte, drangen Demonstranten in das Audi-Max ein und versuchten, den Präsidenten an seiner Rede zu hindern. Einer der Demonstranten bezeichnete den Politiker als "Anti- Demokraten" und forderte: "Dieser Mann darf hier nicht reden." Transparente mit Aufschriften wie "Freunde. Keine Handbreit dem Schwulenhass" machten den Grund für den Unmut der Demonstranten deutlich: Kaczynski hatte als Bürgermeister Warschaus in den Jahren 2004 und 2005 die "Parada Rownosci" - den Warschauer CSD - unter fadenscheinigen Gründen verboten. Auf die Frage, warum er die Veranstaltung verboten habe, antwortet Kaczynski direkt: 

Er habe nach polnischen Recht gehandelt. Außerdem sei er nicht für die Verfolgung der Homosexuellen oder für ihre berufliche Behinderung. Aber es gebe auch keinen Grund, die homosexuelle Kultur der heterosexuellen gleichzustellen, sie gar zu fördern. "Wenn sie Oberhand gewinnen würde, dann müsste die Menschheit aussterben", sagt er.

Die Schlussworte des Direktor des Walter-Hallstein-Instituts, Ingolf Pernice - der die Räumung des Saals verhindert hatte, um allen Gehör zu schenken - lässt dann noch viel Raum zur Spekulation. Er sichert darin dem Gast zu, dass weder er, noch Herr Biedenkopf diese Demonstration organisiert hätten, macht aber auch deutlich, dass man ein offenes Haus bleiben wolle, in dem die Meinung der geladenen Gäste wie des Staatspräsidenten und der anderen gehört werden, "aber immer Nacheinander, das ist immer besser".

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Weitere Quellen: Quelle: Stern Online, Spiegel ONLINE Bildmaterial: © lechkaczynski.pl