Queer durch Ludwigshafen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Queer durch Ludwigshafen
Stadtmuseum Ludwigshafen

Ludwigshafen ist nicht gerade als Schwulenmetropole bekannt. Trotzdem widmet sich eine neue Ausstellung im Stadtmuseum der LGBTIQ*-Geschichte der Stadt. Es geht vor allem um historische Entwicklungen und Einblicke in die aktuelle Situation. Dazu gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Ludwigshafen am Rhein ist eine junge Stadt. Erst seit 1859 hat der größte Ort der Pfalz überhaupt Stadtrechte. Und doch stecken die knapp 150 Jahre voller LGBTIQ*-Geschichte. Die präsentiert das Stadtmuseum Ludwigshafen seit dem 7. November in seiner Ausstellung "Vom anderen Ufer?".

Das Projekt ist für die Region einmalig. Gezeigt werden nicht nur historische Entwicklungen seit der Kaiserzeit, sondern auch aktuelle Einblicke in die Szene: Von Verfolgung und Diskriminierung bis hin zu wachsender Selbstbestimmung, Emanzipation und Lebenslust.

Teil der Stadtgeschichte: Verurteilungen wegen Homosexualität

Ein bekannter Ludwigshafener, dessen Leben in der Ausstellung gezeigt wird, ist Heinrich Eugen Habitz, besser bekannt als Liddy Bacroff. 1908 in Ludwigshafen geboren, merkt er schnell, dass er mit seiner mädchenhaften Art aus der Rolle fällt. 

Seine kaufmännische Ausbildung brach er ab. Schon mit 16 Jahren wurde er wegen Vergehens "wider die Sittlichkeit" zu sechs Wochen Haft verurteilt. Da der Junge als "sittlich verdorben" und "schwer erziehbar" eingestuft wurde, kam er 1925 als Zögling in eine Fürsorgeanstalt. Danach war er vorübergehend als Bürodiener und Laufbursche tätig. 1929 verhängte das Amtsgericht Mannheim eine erneute zweimonatige Gefängnisstrafe wegen "widernatürlicher Unzucht" nach Paragraph 175, dem "Schwulen-Paragraphen".

Amtliches Foto der Kriminalbiologischen Sammelstelle Hamburg
Liddy Bacroff im Jahr 1933.

Liddy Bacroff im Jahr 1933.

Heinrich Eugen Habitz: Tod im Konzentrationslager

Mit 21 ging er nach Hamburg, wo er sich den Namen Liddy Bacroff gab. Dort wollte er als Transvestit und Prostituierte durchschlagen. Das folgende Leben war geprägt von der Suche nach einer eigenen Identität, Liebe und Geborgenheit und nach Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Verurteilungen und Inhaftierungen aufgrund von Homosexualität, Prostitution und weiterer Delikte bestimmten die Jahre von 1930-1937.

Nach der Haftentlassung 1938 versuchte Liddy, sich mit gefälschten Papieren der polizeilichen Überwachung zu entziehen. Sie wurde verraten und erneut verhaftet. Bei den folgenden Verhören stieß sie mit ihren ehrlichen Aussagen auf keinerlei Verständnis. Im Gegenteil: Im August 1938 wurde sie vom Landgericht Hamburg wegen "gewerbsmäßiger widernatürlicher Unzucht" als "gefährlicher Gewohnheitsverbrecher" zu drei Jahren Zuchthaus mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. 1942 wurde Liddy Bacroff in das KZ Mauthausen verbracht, wo sie 1943 ermordet wurde.

Rahmenprogramm für jedes Alter

Während der Gefängnisaufenthalte 1930/1931 verfasste Liddy Bacroff eigene Texte, in denen sie ihre Gefühle, Gedanken und Erlebnisse als Transvestit in eindringlicher Weise beschreibt. Sie tragen folgende Titel: "Freiheit! Die Tragödie einer homosexuellen Liebe." sowie "Ein Erlebnis als Transvestit. Das Abenteuer einer Nacht in der Transvestitenbar Adlon!".

Edition Salzgeber
Szene aus "Der heimliche Freund": Die schwule Flüchtlings-Liebesgeschichte ist Teil des Rahmenprogramms in Zusammenarbeit mit dem CinemaxX Mannheim.

Szene aus "Der heimliche Freund": Die schwule Flüchtlings-Liebesgeschichte ist Teil des Rahmenprogramms in Zusammenarbeit mit dem CinemaxX Mannheim.

Zur Ausstellung gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm. Dazu gehört ein Informationsabend über das rheinland-pfälzische Bildungsprojekt SchLAu, ein Gastspiel des Theaters Oliv sowie ein Lese- und Bastelworkshop für Kinder im Grundschulalter. Das Museum denkt an jedes Alter und will das Thema für viele Zielgruppen zugänglich machen.

Ausstellung bis Ende Mai

Auch das CinemaxX Mannheim beteilit sich mit der L- & Gay-Filmnacht am Ausstellungsthema. Gezeigt werden die Filme "The Duke of Burgundy", "Der heimliche Freund", die mit Spannung erwartete Liebesgeschichte "Carol" mit Cate Blanchett in der Hauptrolle sowie "Darker than Midnight".

Das Stadtmuseum Ludwigshafen hat donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung "Vom anderen Ufer?" ist noch bis Ende Mai zu sehen. Alle Informationen, auch zum Rahmenprogramm, finden sich auf der Homepage des Museums.  

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Weitere Quellen: Stadtmuseum Ludwigshafen, Kriminalbiologische Sammelstelle Hamburg, Edition Salzgeber