Reibekuchen aus der Flasche

Redaktion Von Redaktion

Studienstress, Reibekuchen aus der Plastikflasche, ein großes GlasApfelmus, Kellog's Frosties, Joghurt und wenig Zeit.  Christophist wieder voll im Studenten-Alltag angelangt. Gut, dass er schonweiss, was er mit seiner Zukunft anstellen will. Ganz im Gegensatz zuMatthias!

Lieber Matthias,

Danke dir für deine schnelle Antwort. Und jetzt will ich mich dann auchmal daran machen, dir zu antworten. Die Tür nach draußen steht wiederoffen. Und an der allgemeinen Wetterlage hat sich seit meinem letztenBrief eigentlich nicht viel getan. Nach wie vor kann man denvereinzelten Sonnenstrahlen nicht über den Weg trauen. Ich lese zurZeit eine Coming-Out-Geschichte. Es geht um einen Jungen in Schweden,der erkennt, dass er sich zu Jungs hingezogen fühlt. Nahezu alleMädchen in seiner Klasse schwärmen für ihn, er hingegen träumt sichNacht für Nacht in die Arme von Alexander dem Großen. Habe ich letzteWoche von einem Freund bekommen, das Buch. Und es gefällt mir echt gut.Erinnert mich an mich selbst vor einigen Jahren.

 Ja, du stehst jetzt vor einer wegweisenden Entscheidung, mein Lieber.Da stand ich vor etwa zwei Jahren auch. Das Abitur hatte ich in derTasche, auch der Zivildienst war vorüber - und die große weite Welt lagmir zu Füßen. Pustekuchen. Ich denke ja, man sollte gar nicht zu weitin die Zukunft planen, denn es kommt ja doch alles anders. Das bedeutetnatürlich nicht, dass du dir keine Gedanken darüber machen sollst, wasdu gerne tun möchtest.

 Ernährung und ich, nun ja, das war schon immer ein heiklesThema.Während der Schulzeit habe ich mein Frühstück meist erst gegen 9 Uhr30, also in der großen Pause, gegessen. Vorher bekam ich einfach keinenBissen herunter. Das ging auch so lange gut, bis ich dann irgendwann inder ersten oder zweiten Stunde Sportunterricht hatte. Da hat dannplötzlich mein Kreislauf nicht mehr mitgemacht. Folglich habe ich alsomit Mühe und Not auch schon vor der Schule etwas zu mir genommen. HeuteMittag hatte ich Reibekuchen. Da gibt es so ein Zeug - und ich weiß,dass du die Augen verdrehen und diesen Mitleidsblick aufsetzen wirst,wenn ich das jetzt erzähle -, das ist in einer Plastikflasche. Du gibstWasser hinzu und schüttelst die ganze Pampe. Und dann einfachportionsweise ab damit in die Pfanne. Meine Oma kann zwar bessereReibekuchen, aber besser als nichts. Mit Apfelmus sind die echtgenießbar. Ansonsten werde ich mich heute wohl von Frosties mit Milchund von Joghurt ernähren.

Heute früh durfte ich nun endlich nach Terminverschiebungen um dreiWochen mein Referat halten. Es war furchtbar. Der Dozent ist bekanntdafür, dass er den Referenten alle zwei Minuten unterbricht, um dannfünf Minuten lang seinen eigenen Senf zum Thema beizusteuern.Demzufolge habe ich - kollegial wie ich bin, denn es wollen ja auchnoch andere ihr Referat zum Besten bringen - meinen Vortragzusammengestutzt. Und was fällt dem Herrn Dozenten ein? Gerade einmalzwei Anmerkungen bringt er vor. Und ich bin nach 10 Minuten fertig,sitze bedröppelt da und sage: "Hmm, ja, das wars dann irgendwie auchschon." Bravo.

Das leere Glas Apfelmus steht noch hier auf dem Schreibtisch. Und aufdem Bett liegt die grüne Kermit-der-Frosch-Puppe, die ich letztens aufder Münchner U27 gewonnen habe. Die macht echt was her. Wie der Zufalles will, wäre gleich schon wieder Star-Trek-Zeit. Unendliche Weiten.Momentan bin ich echt ziemlich geschlaucht. Aufstehen, duschen, essen,studieren, fernsehen, schlafen. Unsere Verabredung für nächste Wochesteht doch, oder? Halt mich mal auf dem Laufenden, was deineZukunftsplanung angeht. Aber ich bin ja schon mal beruhigt, dass du -wie du gestern am Telefon gesagt hast - in München wohnen bleibst. Injedem Fall, ich freue mich auf unser Treffen. Hoffentlich habe ich bisdahin schon wieder eine Antwort auf diesen Brief. Ich wünsche dir allesLiebe und Gute.

Liebe Grüße,



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