Rivalitäten in der Schwulenszene

Redaktion Von Redaktion

Schwule gelten, gerade weil sie eine Minderheit bilden, als ein sehr tolerantes Völkchen. Eigentlich dürfte ihnen das Wort "Diskriminierung" fremd sein. Aber nichts ist perfekt und so kämpfen die Schwulen gegeneinander an, anstatt miteinander zu leben.

Schwule gelten eigentlich, gerade weil sie eine Minderheit bilden, als ein sehr tolerantes Völkchen. Eigentlich dürfte in ihren Reihen das Wort "Diskriminierung" fremd sein. Jedoch, nichts ist vollkommen und so kämpfen die Schwulen gegen einander an, anstatt miteinander zu leben: Maskuline Schwule gegen feminine Schwule, Skater- Schwule gegen Transsexuelle und Transsexuelle wiederum gegen Drag Queens. Der Grund ist immer derselbe: Die einen machen die anderen schuldig, da diese das Image der Schwulen angeblich lächerlich machen und damit in den Dreck ziehen. So meinen die eher maskulinen Schwulen, dass sie Probleme in der Gesellschaft haben, da die anderen femininen Schwulen mit ihrem Verhalten die Menschen nur noch provozieren: Ein bisschen "töff töff" da, ein bisschen "töff töff" hier, Make-up ins Gesicht klatschen, Kajal um die Augen, sich benehmen wie Oberdiva Mariah Carey und geschädigt ist das Schwulenimage.

"Die Leute sehen nur noch diese halb Männer, halb Frauen und vergessen ganz, dass das Schwulsein auch ganz normal sein kann. Schwule können ganz normal aussehen und sich auch ganz normal benehmen. Wir müssen nicht unbedingt tuntig sein," meint Florian, 19, aus Stuttgart. Übrigens ein maskuliner Schwuler. Er regt sich schon seit längerer Zeit über diese Imageschädiger auf. Er meint auch, dass über homosexuelle Männer keine Witze gerissen werden würden, wenn die eher weiblichen Schwulen nicht da wären. Man kann meinen was man will, doch die andere Seite hat da natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Denn welcher feminine Homosexuelle will schon die Anschuldigung, dass er für die Intoleranz der Gesellschaft verantwortlich ist, auf sich sitzen lassen? Keiner! Und so fragte ich einen langjährigen Freund, ein sehr tuntiger Schwuler, Marco (17), was er dazu meint. Er sagte: "Ich will einfach so leben, wie es mir passt. Ok, ich habe schon manchmal Probleme, werde angepöbelt und so, aber das juckt mich wenig und ich schaue einfach drüber weg. Ich habe mich so entwickelt, wie ich es wollte, ich benehme mich, wie es mir passt und bin glücklich. Und wenn ich glücklich bin, dann gehts mir gut!"

Diese Einstellung haben alle feminine Schwule und vertreten sie auch standhaft. Doch die Anfeindungen gehen damit nicht zurück. Die Maskulinen pochen dennoch auf ihrer Theorie und lassen nicht locker. Aber liegt die Intoleranz wirklich daran, dass manche Schwule eher weiblicher sind und man sich deshalb über JEDEN Schwulen lustig macht? Kann man sagen, dass ein überzeugter transsexueller Mann nur Probleme in der Gesellschaft hat, weil Drag Queens ihm das Image versauen? Drag Queens gelten ja als schrille Partyvögel, die für jeden Spaß zu haben sind. Sie ziehen sich extrem auffällig an und schminken sich als wäre Karneval. Das heißt nicht, dass andere Transsexuelle genauso sind.

Wir sind doch alle verschieden und es ist doch eher so, dass die meisten Menschen nur das sehen, was sie sehen wollen. Schwule Männer die tuckig tun sind einfach interessanter. So müssen die Menschen erst einmal ihren Horizont erweitern, bevor man die Schuld in den eigenen Kreisen sucht.

Der aktuelle Stand ist so: Viele Menschen denken, alle Schwule sind sehr feminin. Unser Ziel ist es: Alle Menschen sollen feststellen, dass es feminine und maskuline Schwule gibt.
Es ist doch eine paradoxe Situation, dass sich in einer Minderheit wiederum viele kleine andere Minderheitsgruppen bilden und diese gegeneinander sind. Man sollte vielleicht erstmal in der Schwulenszene mit der Akzeptanz und Toleranz beginnen, sodass sich diese weiter ausbreiten kann. Feindschaften sind immer unnütz. Genauso wie Kriege und Vorurteile. Jeder Mensch ist ein Individuum und verdient Respekt. Jeder Mensch entwickelt sich anders. Jeder Mensch entwickelt sich in die Richtung, die ihn glücklich macht und es ist armselig ihn dabei abzuhalten. Denn wenn man andere dabei abhält sich zu entfalten, darf man das Gegenteil nie bei sich erwarten

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Weitere Quellen: sozialnetz-hessen.de