Rosa Sternchen

Redaktion Von Redaktion

Will jemand von euch prominent werden? Das Promi-Dasein ist mit Vorsicht zu genießen, das hat uns "Barnabas" Schill deutlich gezeigt. Manch einer hat vielleicht gedacht, dass der biblische Name "Judas" besser zu dem ehemaligen Hamburger Senator passen würde.

Will jemand von euch prominent werden? Das Promi-Dasein ist mit Vorsicht zu genießen, das hat uns "Barnabas" Schill deutlich gezeigt. Manch einer hat vielleicht gedacht, dass der biblische Name "Judas" besser zu dem ehemaligen Hamburger Senator passen würde.

Was also tun, wenn man gleich zwei Randgruppen zugehörig ist? Prominent und homosexuell. Ein Outing in aller Öffentlichkeit wie damals bei Klaus Wowereit? Oder doch lieber still halten und hoffen, dass die Presse keinen Wind davon bekommt, dass man sich dem eigenen Geschlecht sehr verbunden fühlt?

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn es eigentlich jedem egal wäre, ob der oder die nun den oder die liebt, aber so weit ist es mit dieser unseren Gesellschaft nun mal noch nicht. Die Menschen wollen wissen, ob ihr Bürgermeister nun mit Frauen oder Männern durch die Betten tobt. Haben sie das Recht, das zu wissen? Sagt die sexuelle Orientierung etwas über den Charakter eines Menschen aus? Wenn ja, dann sollten die Wähler und Wählerinnen doch wissen, wen sie da in ein bestimmtes Amt hieven. Und selbst wenn nicht, wie sieht es dann aus, sobald ein Politiker über "homosexuelle" Themen abstimmt? Es macht doch wohl einen Unterschied, ob ein homo- oder ein heterosexueller seine Stimme zu Fragen wie "gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft" abgibt. Oder?

Klaus Wowereit hat sich mit einem Paukenschlag geoutet. Weil die Presse wohl kurz davor war, sein Sexualleben öffentlich zu machen. Er war offensiv, er hat sich der Masse gestellt und hat sich zu seiner Homosexualität bekannt. Und siehe da, er ist regierender Bürgermeister in Berlin. Sein Gegenkandidat Frank Steffel hatte seinerzeit keine Chancen mehr nach diesem medienwirksamen Coming-Out. Die Sympathien waren verteilt.

Aber sollte ein Mensch gegen seinen Willen geoutet werden? Ob er nun Ole von Beust heißt oder anders, das ist ja egal. Hat er das Recht, sein Privatleben geheim zu halten? Oder hat die Öffentlichkeit ein Recht zu wissen, ob er so rum oder anders rum ist?

Wir können uns eine Gesellschaft ausdenken, in der die Sexualität nicht ausschlaggebend ist, in der ein Politiker nicht dadurch sympathisch oder unsympathisch wird, dass er sich als schwul outet. Aber solch eine Gesellschaft ist in den heutigen Tagen leider noch eine Utopie. Taschentücher raus.

Schwulsein im Entertainment-Bereich ist eigentlich kein Makel mehr. Überall tummeln sich Schwule und Lesben. Einer moderiert Comedy-Sendungen, eine führt eine Talk-Show, eine andere singt für die schwule "Hochzeit", wieder ein anderer mimt den Schwulen aus der Lindenstraßen und noch einer verdient sein Geld mit Stand-Up-Comedy.

Sind sie erfolgreich, obwohl sie homosexuell sind? Oder weil sie es sind? Oder sind sie unabhängig davon erfolgreich? Keiner weiß es so genau. Und ist Volker Beck vielleicht deswegen so medienpräsent, weil er der "Vorzeige-Schwule" der Grünen ist? Aber warum gibt es keinen Schwulen im deutschen Fußball? Die Welt ist verrückt.

Man meint, im Showbusiness könnte es gar nicht genügend Schwule geben, "die sind ja so nett und so lustig und so unterhaltsam". Aber auf deutschem Kunstrasen wollen wir sie dann doch nicht sehen. Fußball ist schließlich Männersache. Und Schwule sind ja keine Männer. Oder nur halbe. Oder irgendwie. Tjaja.

Ich jedenfalls möchte nicht gemocht werden, obwohl ich schwul bin - und auch nicht, weil ich schwul bin. Ich möchte einfach nur gemocht werden. Und wenn die Gesellschaft ihre Sympathien mal nicht mehr aus Gründen von Homophobie oder Homophilie verteilen würde, dann wären wir einen großen Schritt weiter.

Dann müsste kein Politiker mehr mit seiner Homosexualität hinter dem Berg halten, aus Angst, er könne Wählerstimmen verlieren. Er könnte frei leben. Und es würde niemanden interessieren. Die Stimme würde nach den guten, alten Grundsätzen vergeben: Ist er ein guter oder ist er ein schlechter Politiker.

Und Abgang.

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