Sag’s mit einem Lächeln!

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Wenn du bei dbna Nachrichten verschickst, dann hast du die große Auswahl: Vom lachenden Smiley über Mr. Green bis hin zum traurig dreinblickenden Mondgesicht lässt sich dein Text mit so manchem Gesichtsausdruck ergänzen. Doch ist das überflüssige Spielerei oder eine sinnvolle Anwendung?

Die virtuelle Welt hat eine Menge Vorteile: Der Geografie zum Trotz lässt sich über weite Strecken hinweg miteinander kommunizieren - und das meist mit hoher Geschwindigkeit. Doch einen Mangel hat die digitale Kommunikation allemal: Die Gesprächspartner befinden sich bei Chat, E-Mail oder SMS nicht am gleichen Ort. Und das kann für mächtig Verwirrung und Missverständnisse sorgen.

Der Grund hierfür liegt darin, wie wir eine Nachricht verstehen. Prinzipiell hat jede Nachricht vier Seiten, wie einer der populärsten Kommunikationswissen-schaftler, Friedemann Schulz von Thun, einmal formuliert hat: Beziehungs-, Inhalts-, Selbstoffenbarungs- und Appellseite. Auf jede Seite können wir beim Zuhören ein größeres oder geringeres Gewicht legen. Den Satz "Das T-Shirt ist schön." kann man als Appell verstehen ("Bitte schenk mir auch so eins!"), aber genau so auch als Inhaltsaussage ("Mir gefallen Farbe und Schnitt des Shirts.") und so weiter. Auf welche Seite wir beim Hören besonders achten, liegt nicht nur an uns selbst, sondern vor allem auch darin, welche Signale unser Gesprächspartner mitsendet. Gemeint sind die nicht-sprachlichen Mittel wie Mimik, Gestik und Stimme, die uns helfen, eine Nachricht richtig zu verstehen.

Stumm und unsichtbar
In der virtuellen Welt gehen diese Mittel verloren. Wenn wir allein vor unserem Rechner sitzen und die E-Mail eines anderen lesen, dann fehlen uns seine nicht-sprachlichen Signale. Wir wissen nicht, wie freundlich oder bösartig der Absender beim Schreiben einer E-Mail geschaut hat. Genauso fehlt die Gestik. Eine Menge Missverständnisse sind vorprogrammiert. So kann eine Nachricht, die eigentlich nur als sachliche Aussage gemeint war, schnell als Angriff oder Beleidigung aufgefasst werden. Auch Ironie sorgt gern für Ärger, weil sie nicht als solche verstanden wird. Aber auch alle anderen Nachrichten bergen die Gefahr, falsch verstanden zu werden.

Am Anfang stand der Smiley
Dieses Problem erkannten Anfang der 80er Jahre auch einige Informatiker an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh. Als die Vernetzung der Welt noch utopisch erschien, verfügten sie bereits über ein Forum im Uni-Netzwerk. In diesem machten sich die Informatiker über ein Physik-Experiment lustig: Eine brennende Kerze ist an einer Fahrstuhl-Wand befestigt. Darunter befindet sich ein Tropfen Quecksilber. Die absurde Frage dazu: Das Fahrstuhlseil reißt, was passiert mit dem Quecksilber? Was als Witz gemeint war, wurde angeblich von einigen Wissenschaftlern ernst genommen. Zwischen den Informatikern begann eine Diskussion über Humor in der Welt von Bits und Bytes. In ihrem Kern stand die Frage, wie man eine Aussage als witzig gemeint kennzeichnen kann. Die Lösung dafür präsentierte am 19. September 1982 Scott Fahlman mit dem ersten seitwärts geschrieben Smiley: :-).

Grundemotionen als Zeichen
Seit damals ist der Smiley, der vor allem in den 90ern populäre wurde, nicht mehr wegzudenken. Auch sind etliche andere Gesichtsausdrücke hinzugekommen, die man als Emoticons bezeichnet. Zu unterscheiden sind vor allem westliche Emoticons, die an den Smiley angelehnt sind, und der japanische Stil, dem z.B. dieses Zeichen entstammt: ^^. Eines haben aber beide Typen gemeinsam: Sie bilden die Grundemotionen ab, die von allen Menschen weltweit verstanden werden: Glück/Freude, Erstaunen, Furcht, Traurigkeit, Wut, Ekel und Verachtung.

Theoretisch müssten Emoticons damit unseren Gesichtsausdruck ersetzen können und uns die Kommunikation erleichtern. Aber in der Praxis sieht es dann doch anders aus. In Experimenten haben Wissenschaftler untersucht, wie Menschen eine Nachricht interpretieren, wenn ein entsprechendes Emoticon eingefügt ist. Dabei fanden sie heraus, dass die Wirkung der Emoticons beschränkt ist. Sie verstärken vor allem die Grundaussage des Textes. Durchzieht den Text etwa ein freundlicher Grundton, so wirkt er noch positiver, sobald ein Smiley erscheint. Beim Anti-Smiley, einem traurigen Gesicht, ist das nur seltener der Fall. Auch stellte es sich als unwahrscheinlich heraus, dass ein positiver Text durch ein Anti-Smiley negativ wirkt. Sein Einfluss ist gering im Gegensatz zum echten Smiley. Das stellte sich als am wirkungsvollsten heraus, gefolgt vom Zwinkern/zugekniffenen Auge.

Emoticons sind kein Ersatz
Fest steht damit: Mit Emoticons werden virtuelle Nachrichten wie E-Mails auf jeden Fall richtiger interpretiert als ohne diese. Die verloren gegangene Mimik können aber auch die Emoticons nicht ersetzen. Aber ihr Einfluss könnte wachsen. Denn ähnlich wie wir die Bedeutung eines Verkehrsschildes verinnerlichen, kann sich unser Verstehen auch in Richtung Emoticons entwickeln. Bisher gilt aber: Virtuelle Kommunikation mag zwar schnell und raumlos sein, aber mit einem echten Gespräch von Angesicht zu Angesicht kann sie noch lange nicht mithalten. Dennoch kann ein Chat oder eine E-Mail ein Grundstein für diese sein.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: istockphoto.com/Franck Boston; istockphoto.com/Giorgio Fochesato; istockphoto.com/Ekaterina Monakhova