SchLAue Aufklärung

Redaktion Von Redaktion

Schwul-Lesbische Aufklärungsarbeit (SchLAu) ist wichtig. Deshalb gehen die zahlreichen Mitglieder der rund 20 SchLAuen Aufklärungsgruppen in NRW in Schulen, um dort offen mit den Schülern über Homosexualität zu sprechen. So sieht ihre Arbeit aus.

"Können Homosexuelle denn wirklich einen Orgasmus kriegen, wenn sie miteinander schlafen?" "In meinem Heimatland gibt es keine Schwulen oder Lesben!" Auch wenn früher gängige Klischeevorstellungen von Lesben ("dumm, fett, häßlich, Holzfällerhemden tragend") und Schwulen ("rosa dauernotgeile, unglückliche Tunten") weitestgehend abgebaut sind, beweisen ähnliche Aussagen und Fragen von Jugendlichen immer wieder, wie wichtig engagierte Schwul-Lesbische Aufklärungsarbeit (SchLAu) ist. Ein Teilziel von rund 20 SchLAuen Aufklärungsgruppen in NRW ist, Vorurteile und Klischeevorstellungen über Homosexuelle abzubauen. Die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter gehen in Schulen und sprechen offen mit Schülern aller Schulformen über Homosexualität, über ihr eigenes "Schwulsein" oder "Lesbischsein", versuchen Fragen zu beantworten, sowie authentische Eindrücke von Schwulen und Lesben zu vermitteln. Über ihre SchLAue Arbeit sprach ich mit Eva Maria Jäschke (J), Lambda-Vorstandsmitglied für LesBiSchwule Aufklärung, Martin Enders (E) vom Münsteraner Schulprojekt "andersrum aufgeklärt", Judith Reisert (R), Gruppenleiterin von "Aufgeklemmt" (SchLAue Gruppe des Anyways in Köln), sowie Stefan Timmermanns (T), Hannes Jork (Jo) und Andreas Of (O) von SchLAu Bonn.

Warum engagiert Ihr euch für SchLAu?
Jo: "Ich halte unser Projekt für sehr wichtig. Homosexuelle sind zwar in unserer heutigen Gesellschaft viel präsenter und selbstbewusster geworden, aber die Klischeevorstellungen von Schwulen und Lesben geistern immer noch in den Köpfen vieler Menschen herum und werden durch die einseitige Darstellung Homosexueller in den Medien oft noch gefestigt."
E: "Stimmt. Oft sind die Schüler sehr überrascht, dass da jetzt keine Marsmenschen kommen, sondern ganz normale Leute, denen sie ihre Homosexualität nur sehr bedingt, oder gar nicht ansehen können.
R: "Das Interesse an Homosexualität seitens der Schüler ist sehr groß. Wenn das Eis gebrochen ist, fragen diese einen oft Löcher in den Bauch. Wir wollen zu einer Einstellungsänderung bezüglich Homosexualität anregen."
J: "Viele Jugendliche kennen nicht einmal den Unterschied zwischen Hetero- und Homosexualität. SchLAu ist in vieler Hinsicht pädagogisch wertvoll. Wie vermitteln sexuelle Selbstbestimmtheit, sensibilisieren für Diskriminierung und bauen Berührungsängste ab. Wir wollen Assoziationen schaffen, zum Selberdenken über Homosexualität anregen. Wir sind für die Schüler authentisch. Wir sind älter und haben Autorität. Wir können denen Lebensentwürfe und ein profundes Wissen vermitteln. Es geht nicht nur um Homosexualität, sondern vielmehr darum Vielfalt zu skizzieren. Wir zeigen, dass es um Liebe geht."

Wie geht ihr bei Euren Klassenbesuchen vor?
J: " Erster Ablaufspunkt ist eine kurze Begrüßung und Vorstellungsrunde. Danach starten wir eine kurze Erwartungsrunde der Teilnehmen, evtl. auch mit einer Einstiegsübung. Daraufhin klären wir die Begrifflichkeiten, dass es z.B. während der Veranstaltung keine Noten gibt, dass alles Gesagte im Raum bleibt. Es folgen Einstiegsübungen und Auflockerungsspiele, manchmal auch Rollenspiele, die das vermeintliche Wissen und Vorurteile der Schüler bezüglich Homosexualität prüfen sollen. Schließlich wird die Klasse geschlechtsspezifisch getrennt. Nach der Trennung setzen wir unseren Themenschwerpunkt und haben ein offenes Ohr für alle Fragen. Auf den gemeinsamen Abschluss und die Zusammenfassung folgt ein kurzes Feedback aller Teilnehmenden. Die ganze Veranstaltung dauert etwa drei Stunden."
R: "In der Regel besuchen vier Aufklärer, am besten zwei Frauen und zwei Männer, eine Schulklasse. Trotz einer sehr spärlichen jährlichen Grundförderung arbeiten wir mit einer fortwährend aktualisierten SchLAuen Kiste. In ihr sind u.a. Info-Broschüren, Regeln, Meinungskarten, Fragebögen, Fragekarten, Rollenspiele, Bildersammlungen, ein Grabbelsack, Filme und Bücher enthalten."

Gibt es Schulen die nicht offen gegenüber SchLAuer Aufklärungsarbeit sind?
T:"Viele Lehrer haben Vorbehalte Schwule und Lesben in den Unterricht einzuladen und befürchten, dass "Werbung" für Homosexualität gemacht werden soll oder dass sich Eltern bei der Schulleitung beschweren.
Dabei hat sich die sexuelle Orientierung schon längst im Kindesalter festgelegt und muss in der Pubertät (oder manchmal auch später) von jedem Menschen selber herausgefunden werden. Niemand kann einem Homosexualität schmackhaft machen, wenn dafür nicht bereits eine Veranlagung vorhanden ist."
J: "Die Zusammenarbeit mit konfessionellen Schulen erweist sich oft als äußerst schwierig. Ich wollte mit SchLAu meine alten Schule, die katholische Liebfrauenschule vom Erzbistum Köln besuchen. Die Rektorin Rapp lehnte dies mit den Worten "Sie könne das nicht verantworten. Die Eltern würden da sehr stark darauf reagieren." elegant aber klar ab."
E:"Deftige Stellungnahmen von Eltern gegenüber Homosexualität findet man zudem auf der Homepage des Elternvereins NRW, unter www.elternverein-nrw.de Auch der Lehrerverband NRW www.nrw.de spricht sich gegen eine Gleichbehandlung schwuler und lesbischer Partnerschaften aus."

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