Schwerer Stand

Christian Brandl Von Christian Brandl

In einem so streng katholischen Land hat die "Homo-Ehe" keine Fürsprecher - das oder etwas ähnliches hätten viele vielleicht bis zum vergangenen Jahr über das streng katholische Spanien gesagt. Doch die liberale Regierung hat sich entgegen der Proteste der katholischen Kirche für eine absolute Gleichstellung der Homo-Ehe mit der klassischen Ehe entschieden. Ganz anders sieht es da im Nachbarland Portugal aus:

Die sozialistische Regierung Portugals unter José Socrates und der frisch gewählte konservative Präsident Aníbal Cavaco Silva sind einer Meinung, wenn es um den "Erhalt" alter Moralvorstellungen geht. Daher steht auch eine Homo-Ehe wie in Spanien derzeit für die portugiesischen Politiker der Sozialistischen Partei (PS) und der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) nicht zur Diskussion. Und das obwohl diese wieder stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist. Die Homo-Ehe drohe, die "portugiesische Gesellschaft zu spalten", behaupten beide Parteizentralen in der Debatte, die durch ein lesbisches Paar neu entfacht wurde, deren Antrag auf Eheschließung abgelehnt wurde.

Die portugiesische Verfassung sieht für die Eheschließung explizit "zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts" vor. Dies sei nach Auffassung der Frauen verfassungswidrig, da in Paragraf 13 der Verfassung eindeutig geschrieben steht, dass dass niemand wegen seiner sexuellen Neigung diskriminiert werden darf.

Neben den Schwulen- und Lesbenverbänden des Landes bekommen die Frauen, die gemeinsam zwei Mädchen aufziehen, nur vom Linksblock im Parlament. "Jeder hat das Recht darauf, eine Familie zu gründen und unter gleichen Bedingungen zu heiraten", verteidigt Fernando Rosas einen geplanten Gesetzesentwurf seiner Fraktion. Portugal hat zwar 2001 eine "faktische Lebensgemeinschaft" zwischen Schwulen und Lesben anerkannt, diese sichert jedoch keine Rechte und Pflichten vergleichbar mit der Ehe.

Hoffnung macht nun, dass auch aus den Jugendverbänden der sozialistischen Regierungsparteien Stimmen laut werden, die eine Reform der Rechte von Schwulen und Lesben fordern. Zur Abstimmung über eine solche Gesetzesinitiative wird es aber wohl vor 2007 nicht kommen.

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Weitere Quellen: Quelle: DerStandard.atBildmaterial: © stock.xchng