"Schwuchtel" an der Tagesordnung

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Schwuchtel" an der Tagesordnung
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Profisport gilt als schwulenfeindliches Umfeld. Ob das auch für Amateure gilt, wollte die erste internationale Umfrage zu Homophobie im Sport wissen. Die Ergebnisse sind so eindeutig wie erschreckend.

Während es in der Popkultur und sogar in der Politik immer mehr Coming-outs von LGBTIQ*-Menschen gibt, bleiben Schwule und Lesben in einem gesellschaftlichen Bereich fast unsichtbar: Im Profisport.

Jedes Coming-out wird zum Medienereignis. Ob es Thomas Hitzlsperger ist, der Skifahrer Gus Kenworthy oder Turmspringer Tom Daley. Wann immer ein Athlet öffentlich bekanntgibt, dass er auf Männer steht, füllt er die Schlagzeilen. Warum? Weil es einfach so wenige gibt. Warum? Weil der Profisport als homophobes Umfeld gilt.

Erste internationale Umfrage

Australische Forscher wollten herausfinden, ob der Amateursport genauso schwulenfeindlich ist. Deshalb haben sie mit Unterstützung der australischen Regierung die bisher erste internationale Umfrage zu diesem Thema gestartet.

Bei "Out On The Fields" haben fast 10.000 Menschen mitgemacht, vor allem aus Australien, den USA, Großbritannien, Kanada, Irland und Neuseeland. Die meisten von ihnen sind schwul, aber auch Lesben, Bisexuelle und Heteros sind vertreten.

Die meisten jungen Sportler outen sich nicht

Das Ergebnis ist so eindeutig wie erschreckend. So haben 80 Prozent der Befragten angegeben, dass sie Zeuge oder selbst Opfer von Homophobie im Sport wurden. Die meisten davon haben Beschimpfungen wie "Schwuchtel" gehört, aber fast jeder Fünfte hat körperliche Gewalt erlebt.

Die Umfrage hat auch gezeigt, dass jüngere Sportler nicht weniger homophob sind. Im Gegenteil: Schwule Sportler unter 22 wurden öfter Opfer von Diskriminierung als ältere. 80 Prozent der unter 22-Jährigen waren in der Mannschaft komplett ungeoutet oder nur teilweise geoutet.

pixabay/Symbolfoto
Mannschaftssportarten werden von den Befragten als schwulenfeindlicher empfunden als Einzelsportarten.

Mannschaftssportarten werden von den Befragten als schwulenfeindlicher empfunden als Einzelsportarten.

Ergebnisse gelten wohl auch für andere Länder

Interessant sind auch die Gründe, warum Jugendliche keinen Teamsport spielen. Klar, ein Teil hat einfach kein Interesse daran. Aber ganze 31 Prozent sagen, dass sie Angst haben, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in der Mannschaft nicht akzeptiert zu werden. Und 44 Prozent geben an, dass ihnen der Schulsport die Lust auf Sport in der Freizeit verdorben hat.

An der Umfrage haben vor allem Menschen aus englischsprachigen Ländern teilgenommen. Der Autor der Studie, Erik Denison, glaubt dennoch, dass die Ergebnisse auch für andere Länder gelten. Denn fast 400 Teilnehmer kamen aus anderen Ländern. Deren Angaben waren nicht anders als die der anderen.

Eine Lösung: Mehr Profi-Coming-outs

"Aus diesem Grund glauben wir, dass es unwahrscheinlich ist, dass Länder wie Frankreich, Deutschland oder auch Südafrika besser abgeschnitten hätten. Die Erfahrungen homosexueller Sportler in den Industrienationen erscheinen uns sehr konsistent, unabhängig davon in welchem der Land genau sie leben", sagte er dem Stern.

Die 10.000 Teilnehmer wurden auch gefragt, wie man Homophobie bekämpfen könnte. Die meisten gaben an, die Schwulenfeindlichkeit im Sport müsse erst einmal ernst genommen werden. Außerdem sollten Sportverbände klare Anti-Homophobie-Regeln aufstellen. Schließlich fanden die Befragten es auch wichtig, dass sich mehr lesbische, schwule und bisexuelle Sportler outen. Nur so können sie ein Beispiel für andere sein.

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