Schwul in Pakistan

Redaktion Von Redaktion

In diesem zweiten Artikel über Homosexualität in anderen Kulturen und Ländern wollen wir euch näher über die islamische Welt informieren. Besonders dort ist Homosexualität ja schwer unter Strafe gestellt - das dürften uns auch nicht zuletzt die Meldungen aus Ägypten ins Gedächtnis gerufen haben.

In diesem zweiten Artikel über Homosexualität in anderen Kulturen und Ländern wollen wir euch näher über die islamische Welt informieren. Besonders dort ist Homosexualität ja schwer unter Strafe gestellt (siehe Karte) - das dürften uns auch nicht zuletzt die Meldungen aus Ägypten ins Gedächtnis gerufen haben.

In dem neuesten Bericht von amnesty international zur Lage von Lesben, Schwulen und Transgendern weltweit werden mindestens 57 Länder aufgezählt, in denen Homosexualität ausdrücklich verboten ist - 22 dieser Länder sind muslimisch. Die Karten in diesem Artikel zeigen farblich gekennzeichnet die Handhabung in den einzelnen Ländern: je dunkler das rot, desto härter die Strafen. Grün markierte Länder tolerieren oder akzeptieren Homosexuelle. So werden zum Beispiel in Tschetschenien nach erstmaligem homosexuellen Kontakt Peitschenhiebe fällig beim dritten Verstoß gegen das Gesetz droht die Todesstrafe. Im Iran besagt das Gesetz, dass auf Homosexualität in der Form des Verkehrs zwischen zwei Männern die Todesstrafe steht, wenn die Täter mündig und geistig gesund sind. 74 Peitschenhiebe ist die Bestrafung für unmündige Homosexuelle, und 100 für Lesben. Mit der Todesstrafe müssen Schwule und Lesben in Afghanistan, Saudi Arabien, Mauretanien, Sudan, Tschetschenien, im Iran und im Jemen rechnen. Die Bestrafung von Homosexualität wird von konservativen Moslems unter Berufung auf den Koran begründet. Sie verweisen auf die Sure VII (Araf), Verse 80-81 des Koran: "Wir schickten also Lot: er sagte zu seinem Volk: 'Habt ihr unmoralische Handlungen begangen, wie sie nie zuvor in der Schöpfung begangen wurden? Denn ihr lebt eure Gelüste bei Männern aus, die ihr den Frauen vorzieht.'"

Wortwörtliche Verbote oder Strafen gibt es im Koran, im Gegensatz zur Bibel, allerdings nicht, es ist immer eine Sache der Interpretation der Sure. Dementsprechend gibt es auch liberalere Moslems, die diese Sure auf Gastfreundschaft und die Aufrechterhaltung von Moral beziehen.
Koranschüler

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie es ist, in einem islamisch orientierten Land als Schwuler zu leben, und wie es dort überhaupt zugeht, haben wir (per E-Mail) ein Interview mit einem pakistanischen Schwulen gemacht.

Könntest du dich selbst vorstellen?

Ich bin Danial, das ist mein wirklicher Name. Ich bin 22 Jahre alt und lebe in Karachi [Karatschi], der größten Stadt in Pakistan. In unserem Teil der Welt wird Homosexualität als Sünde betrachtet, also wenn man schwul oder lesbisch ist, kann man nicht dazugehören. Aber während der letzten paar Jahre wurde das Internet zur Kontaktmöglichkeit Nummer 1 in der schwulen Community. Zuerst gab es den IRC channel #gaypakistani, dann fing ich mit einer Community bei MSN an, und dann mit einem Internetmagazin für die Community. Ich versuche mit der Hilfe meiner Freunde ein Forum für die pakistanische schwulesbische Community zu schaffen, damit sie die Unterdrückung loswerden und sich selbst ausdrücken können.

Gibt es so etwas wie eine homosexuelle Szene in Pakistan? Schwule Clubs, Gruppen, Bars, oder sogar einen CSD?

Es gibt keine schwulen Clubs, Gruppen, Bars, etc. Karachi ist die liberalste und modernste Stadt Pakistans. Wir haben einen Park hier, da kann man Sonntags zwischen 21 und 23 Uhr hingehen und andere Typen treffen. Meistens muss man seiner "schwulen Intuition" folgen, ansonsten zeigen die Leute hier nichts von ihrer sexuellen Orientierung. Man kann ein paar Online-Communities für schwule Pakistani finden. Ansonsten veranstalten reiche Leute Partys, aber die sind für einen begrenzten Kreis und man muss Beziehungen haben, um eine Einladung zu bekommen.

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