Schwul mit Handicap

Redaktion Von Redaktion

Manuel ist leicht geh- und sehbehindert. Mit seinen 20 Jahren meistert er gerade die Behinderten-Schule und möchte anschließend ein annäherndes normales Leben führen. Armin hat sich mit Manuel unterhalten.

Ich bin wieder einmal neugierig und habe mich gefragt, wie wohl homosexuelle Gehörlose, Taubstumme oder blinde Menschen von der Gesellschaft, also von uns akzeptiert werden? Habt ihr Scheu mit ihnen zu sprechen bzw. eine normale Freundschaft aufzubauen?

Zuerst wollte ich das Wort "Behinderung" näher erläutert haben und schlug in einem Lexikon für Wissenswertes über Erwachsenenkunde nach, in dem folgende Erklärung steht:

 Behinderung
... ist ein allgemeiner und komplexer Begriff. Eine scharfe Trennung zur Nicht-Behinderung ist nicht möglich. Er wird im Bereich der Rehabilitation als eine näher zu bestimmende Einschränkung von Funktionen und Entwicklungsmöglichkeiten verstanden, sodass eine Reduzierung der Lebensqualität droht und Hilfe erforderlich wird. Behinderungen prägen sich je nach der zu Grunde liegenden (organischen) Schädigung (z.B. des Sehens oder der intellektuellen Fähigkeiten), den sozialen Bedingungen (Bildung) und der eigenen Persönlichkeit (Selbst) verschieden aus. Sie können unterschiedliche Schweregrade erreichen, dauerhaft oder nur kurzzeitig wirksam sein und sind durch äußere, z.B. erzieherische oder ärztliche, Einwirkungen beeinflussbar. (Entwicklungsbeeinträchtigung).

So habe ich mich trotz meiner Erkältung in die Stadt gewagt. Dick eingepackt in Pullover und Jacke habe ich mich mit Manuel getroffen. Wir sind ein wenig spazieren gelaufen, er erzählte mir von seinem großen Traum. Der Traum von seinen Mitmenschen so akzeptiert zu werden, wie er ist.

Manuel ist leicht geh- und sehbehindert. Mit seinen 20 Jahren meistert er gerade die Behinderten-Schule und möchte anschließend ein annäherndes normales Leben führen. An einem netten Cafe angekommen haben wir uns über seine Zukunftspläne und das Verhalten ihm gegenüber unterhalten:

Armin: Manuel, wie gehen deine Mitmenschen im Alltag mit deiner Seh- und Beinschwäche um?

Manuel: Viele wenden mir eiskalt ihren Rücken zu. Warum, das weiß ich nicht. Wenn ich sie frage, bekomme ich meist keine Antwort, oder ich werde schlichtweg ausgelacht.

Armin: Wenn sich jemand von dir so abwendet, dann kann das doch nicht daran liegen, das du mit dem Sehen Probleme hast, oder? Die Leute müssen ein anderes Problem mit dir haben. Allergie gegen Brillen oder so etwas in der Art. Wie reagierst du in solchen Fällen?

Manuel: Nun ich schaue weg und bin innerlich angeschlagen. Oftmals ist mir einfach danach los zu weinen, um alle Sorgen und den Alltagstrott zu vergessen. Wie würdest du denn an meiner Stelle handeln?

Armin: Ich kann es dir nicht genau beschreiben. Es fällt mir schwer die passenden Worte zu finden. Für mich haben diese Leute einfach eine charakterliche Behinderung. Aber zerbrich dir darüber nicht den Kopf. Es gibt genügend Leute, die sich darüber nicht einmal Gedanken machen - glaube mir. Wurde dir schon einmal gesagt, weshalb der oder diejenige keinen Kontakt zu dir möchte?

Manuel: Viele sagen im ersten Moment sowieso nicht weshalb und warum! Doch ich musste schon oft miterleben, als diejenigen  dann bemerkt haben,  dass eine Behinderung wirklich zur Last werden kann, sie dann den Kopf eingezogen haben. Armin, verstehst du - Durch lügen dann sich versuchen herauszureden, nur um der Person (also mir) nicht wehtun zu müssen, ist schrecklich und schmerzt unheimlich - Was hast du? Du schaust so nachdenklich.

Armin: Entschuldige bitte, du bewegst Emotionen in mir. Wie würdest du denn aus deiner Sicht die Akzeptanz von homosexuellen Behinderten innerhalb der Gesellschaft beschreiben?

Manuel: Schön wäre, wenn es alle so sehen würden. Aber Behinderte haben schon einen sehr schweren und besonderen Stand bei uns in Deutschland

Armin: sicherlich nicht nur in Deutschland, Manuel.

Manuel: Entweder haben die Leute Angst, falsches Mitleid, oder sonst etwas. Akzeptanz ist jedoch eher die Ausnahme.

Armin: Das die Akzeptanz immer mehr zur Ausnahme wird ist ärgerlich und traurig. Ich möchte mich bei dir bedanken, dafür, dass du dir diese Zeit genommen hast über dieses ernste Thema zu sprechen. Zugegebenermaßen hatte ich, bis wir ein paar Worte wechselten ein klein wenig Kontaktschwierigkeiten mit dir, könnte aber jetzt noch stundenlang weiterreden...

Manuel: ... Ich finde es nicht schlimm, dass du nicht gleich den Draht zu mir gefunden hast. Vielmehr freut es mich, dass mich endlich jemand aus meinen 4 Wänden - raus an die frische Luft gebracht hatte.

Armin: Danke dir. Wollen wir dann allmählich aufbrechen? Deine Betreuer warten bestimmt schon auf dich.

Manuel: Die können warten, jetzt bin ich einmal unter Leute!

Manuel, ein Mensch mit Charakterstärke. Ich durfte sogar feststellen, dass wir den ein und denselben Musikgeschmack haben. Nach zwei Tassen heißer Schokolade (es waren immerhin nur noch knappe 20 °C hier) begleitete ich ihn zum Bahnhof.

Bevor er in die S-Bahn stieg bat er mich, ihn in meine Arme zu nehmen und flüsterte mir ins Ohr: "Ich weiß, es ist eine komische Frage, aber mir passiert es oft, dass Leute nicht mehr mit mir reden wenn ich ihnen sage, dass ich ziemlich schlecht sehe und leicht gehbehindert bin. Aber werden wir uns wieder sehen?"

Ja, ich werde Manuel wieder sehen und dies möglichst bald. Ich gebe offen und ehrlich zu: ich hatte anfangs eine gewisse Scheu mich näher auf ihn einzulassen, weil es einfach etwas Neues, Ungewohntes war mit dem man nicht jeden Tag konfrontiert wird. Ich bereue es keineswegs einen solch lieben Menschen kennen gelernt zu haben, auch wenn er "behindert" ist.

Jeder lebt sein Leben auf eine andere Art und Weise. Ebenso behinderte Menschen, welche nichts für ihr Schicksal können, sowie auch alle Anderen. Halte die Augen offen und geh mit ihnen um, wie du letztendlich auch mit deinen Mitmenschen umgehst, denn sie sind auch deine Mitmenschen.

Es gibt 2 Arten von Mut - den Mut zu leben und den Mut zur Feigheit - Manuel hat den Mut zu leben und wie mutig bis Du?

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