Schwul = Sünde

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Der schwule Videokünstler Matthew Brown wehrt sich mit einem kleinen Film gegen die Anti-Homo-Diskussion in den USA. dbna sprach mit ihm über sein Video "Gay=Sin" (Schwul = Sünde).

Matthew Brown ist ein junger Videokünstler aus den USA. Er lebt in Seatlle und ist schwul. Filme dreht er bereits seit seinem sechsten Lebensjahr. Der Auslöser dafür war ein Erdbeben, dass er als Kind in San Francisco miterlebte. Im März veröffentlichte er nun sein Video "GAY = SIN" (Schwul = Sünde). Darin konfrontiert er schwulenfeindliche Hassreden mit seiner Sicht auf die schwule Welt. dbna hat mit Matthew über das Video gesprochen.
 



Matthew, dein Video zeigt einen Ausflug in die Natur. Was war zuerst geplant: Der Ausflug oder der Film?
Der Ausflug. Ich hätte nicht gedacht, dass daraus ein solch moralisches Statement wird. Immerhin war es nur der erste Camping-Trip der Saison. Ich und acht weitere Freunde wollten sich die erwachende Natur und die Frühjahrsstürme in den Bergen bei fröstelnden Temperaturen anschauen. Ich habe genau das alles mit der Kamera festgehalten. Aber als ich dann wieder nach Hause kam und die Nachrichten einschaltete, sah ich diese Anti-Homo-Diskussion.

Was für eine Diskussion war das?
Es ging um die Homo-Ehe und Perez Hiltons Äußerungen dagegen sowie um die schwulenfreundlichen Statements von Sean Penn und die Reaktionen darauf. Es schien, als würden schwulenfeindliche Soldaten das Fernsehen überfluten. Für die meisten wäre das nur ein weiterer Grund gewesen, um mit den Augen zu rollen. Aber ich fühlte eine Abscheu, wie ich sie noch nie zuvor gefühlt habe. Gleichzeitig sah ich, wie wunderschön der Ausflug war, sah die lächelnden und zufriedenen Gesichter. Im Fernsehen sagte man mir hingegen, wie unmoralisch und krankhaft Schwule seien. Das war für mich der größte Widerspruch.

Und das war dann die Inspiration für deinen Film?
Ja, ich dachte, ich muss diese beiden Wirklichkeiten zusammenschmettern lassen. Beides sollte eins werden. Ich wusste, dass das den Leuten helfen würde, die Realität zu erkennen. Einerseits das Bild, andererseits die Wahrheiten aus der Bibel, die zu hören sind. Das ist wie in einem Boxring. Einem von beidem wird ins Gesicht geschlagen.

Den Boxkampf gewinnt in meinen Augen das Bild, dass die diese wunderschöne Natur und die Freunde zeigt. Das erinnert so ein bisschen an Brokeback Mountain, wo die Berge ja auch der friedliche Zufluchtsort waren.
Ich weiß nicht, o es da eine starke Parallele gibt. Aber es ist gut anzusehen, dass die Freunde in der Natur Freiheit ohne Diskriminierung erleben. Mutter Natur diskriminiert niemanden. Gott würde auch niemanden benachteiligen. Das Video zeigt deshalb auch keine Diskriminierung. Man hört sie nur.

Hast du denn lange gebraucht, um all diese homophoben Hassreden zusammenzutragen?
Es gab so so so so viele davon im Internet, dass es schwer war, nicht auf sie zu stoßen. Die Auswahl war groß. Besonders erschreckend ist für mich dabei, dass all diese hasserfüllten Reden aus einem einzigen Land kommen: den Vereinigten Staaten von Amerika.

Aber du zeigst ja ein anderes Bild von Amerika.
Ja, je mehr Hass im Video ausgesprochen wird, desto glücklicher werden die Freunde im Bild. Es wirkt als würden sie stärker. Am Ende stehen sie sogar zusammen und die letzten hasserfüllten Reden werden gepredigt. Mir haben Leute geschrieben, dass sie den Ton ausmachen mussten, weil sie das Gesagte nicht ertragen konnten. Keine sagte, dass er den Bildschirm ausmachen musste um nur den Ton zu hören.

Das ist eine ziemlich deutliche Reaktion. Was willst du mit dem Video bezwecken?
Mein Ziel ist es nicht, die Hassprediger direkt anzugreifen. Stattdessen biete ich den Leuten eher einen Realitäts-Check, indem ich diese beiden Gegensätze kombiniere. Ich will zeigen, dass Schwule genauso liebenswürdig und harmlos sind wie der Rest der Gesellschaft und natürlich harmloser als diese Leute mit ihren Vorurteilen.

Du versöhnst also die Gesellschaft mit den Schwulen. Dein Film ist quasi eine Umkehr des Coming-Out: Nicht du gestehst etwas, sondern die Gesellschaft muss etwas eingestehen nämlich die Vorurteile über Schwule. Hast du diese Erfahrung auch selbst gemacht?
Ja. Ich komme aus einer konservativen Familie.  Deshalb habe ich mein Schwulsein auch lange verheimlicht. Meiner Familie habe ich es erst letzten Herbst gesagt. Mein Bruder hat daraufhin den Kontakt mit mir abgebrochen. Er war sehr getroffen und hat viel verletzende Dinge über meine Sexualtität gesagt. Nachdem er dann aber "GAY=SIN" gesehen hatte, entschuldigte er sich sofort bei mir. Meine Familie akzeptiert mich nun, weil ich nichts anderes von ihnen akzeptieren würde.

Vielen Dank für das Interview.

Das Gespräch führte Falk Steinborn.

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