Schwule Flüchtlinge erniedrigt

Redaktion Von Redaktion
Schwule Flüchtlinge erniedrigt
table / photocase.com

Tschechien hat bei Asylbewerbern "Penis-Kontrollen" durchgeführt. So sollte die sexuelle Orientierung nachweisbar sein. Dies wurde durch eine Entscheidung eines deutschen Gerichts bekannt.

Tschechien hat bei Asylbewerbern "Penis-Kontrollen" durchgeführt. So sollte die sexuelle Orientierung nachweisbar sein. Dies wurde durch eine Entscheidung eines deutschen Gerichts bekannt.

Den Flüchtlingen wurden heterosexuelle Pornofilme gezeigt. Gleichzeitig war ein Messgerät am Penis befestigt. Mit diesem sogenannten "phallometrischen Test" wurde die Härte und Anschwellung des männlichen Geschlechtsorgans gemessen. Die tschechischen Einwanderungsbehörden wollten so feststellen, ob die Asylsuchenden wirklich homosexuell sind. Sie vermuteten nämlich, dass einige Flüchtlinge nur angeben, sie wären schwul, um einfacher Asyl zu erhalten.

Als ein Gericht in Schleswig-Holstein sich weigerte, einen Iraner nachTschechien zurück zu führen, da er sich dort "phallometrischen Tests"unterziehen müsste, wurde diese Praxis öffentlich. Nun hat auch dieEU-Grundrechteagentur den Test kritisiert, der entwürdigend sei undgegen die Grundrechte des Menschen verstoße.

Eine Verstärkung des Traumas

Dastschechische Innenministerium versucht nun den Schaden zu begrenzen.Laut dessen Sprecher wurden diese Tests bislang "in weniger als zehnFällen" und nur, wenn Zweifel an der Glaubwürdigkeit vorlagen,angewandt. Zusätzlich hätte immer eine schriftliche Zustimmung desFlüchtlings vorgelegen. Doch die EU-Agentur befürchtet, dass eineAblehnung des Tests negative Auswirkungen auf den Asylantrag gehabthätte.

Nach offiziellen Angaben werden die Untersuchungen seitAnfang dieses Jahres nicht mehr durchgeführt. Doch die Reaktion desInnenministers Radek John im tschechischen Rundfunk war hart: "Dannsoll [der Betroffene] doch in ein Land gehen, wo diese Tests nichtdurchgeführt werden und dort Asyl beantragen."

Neben Eingriff indie Intimsphäre stellt sich auch das Problem der Auswirkungen auf dieAsylbewerber. Diese haben meistens in ihrem Herkunftsland bereitsMisshandlungen über sich ergehen lassen müssen. Ihr Trauma würde dannmit den erniedrigenden "phallometrischen Tests" weiter verstärkt.Ebenfalls würde der Test bei Bisexuellen falsche Ergebnisse liefern.

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