"Schwule Fußballer werden vorher ausgesiebt"

Redaktion Von Redaktion
"Schwule Fußballer werden vorher ausgesiebt"
***jojo / photocase.com

Das anonyme Interview mit einem schwulen Fußballer im Magazin Fluter schlug in den letzten Wochen hohe Wellen. Doch ein Experte glaubt nicht daran, dass es schwule Fußballer bis in die Bundesliga schaffen.

Jan Feddersen, Redakteur der taz und Vorstand der Organisation Queer Nations, glaubt in einem Interview mit der Zeitung "tz", dass es schwule Fußballer in der Profiliga gar nicht gibt.

Die Aussortierung der potenziell schwulen Spieler fände schon lange vor dem Profibereich statt, so Feddersen. Jährlich wollen es Hunderttausende schaffen, aber nur wenigen gelänge dies. Man benötige noch mehr Fähigkeiten, als nur fußballerisch-technisches Vermögen.

Feddersen sagte weiter: "Es fängt bei den Kleinen in der Pampers-Liga an. Die Eltern hegen früh sehr starke heterosexuelle Erwartungen an den Filius.". Das nächste Problem sieht der Experte in der Pubertät auf den schwulen Fußballer zukommen: "Dann geht es nämlich nicht mehr nur um Flanken und Schießen, sondern 95 Prozent der Kabinengespräche drehen sich um Weiber und um das, was Jugendliche in diesem Alter eben interessiert."

Bei diesem "ganzen Gerede" würden fast immer die potenziell schwulen Spieler herausfallen, "weil sie merken, dass sie das nicht betrifft und dass sie sich dort nicht einklinken können. Besonders heikel wird es beim Übergang vom A-Jugend in den Profibereich."

Die Flucht in Asylbereiche

Homosexuelle Fußballer lösen sich nicht komplett vom Fußball, sondern flüchten in "Asylbereiche", wie zum Beispiel das Schiedsrichterwesen. "Viele der Unparteiischen haben doch früher selbst gespielt. Oder ich kenne auch viele Homosexuelle, die hohe Positionen in der medialen Fußballberichterstattung einnehmen." fuhr Feddersen fort.

Interview sorgte für großes Echo

Nach der Veröffentlichung des Interviews mit einem schwulen Bundesliga-Profi bezog auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Stellung (dbna berichtete) und will den ungeouteten Fußballern Mut machen: "Wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben."  Auch Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, sprang der Kanzlerin zur Seite: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein schwuler Spieler mit unseren Fans Probleme bekommt."

Aber auch die Echtheit des Interviews wurde in Frage gestellt. Philipp Köster, Chefredakteur des Fußball-Magazins 11Freunde, bezweifelt ganz offen, dass es das Interview überhaupt gegeben hat. Er hat reichlich Widersprüchliches rund um das Interview entdeckt.

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Weitere Quellen: TZ-Online