Schwule Geschichte auf dem Stundenplan

Redaktion Von Redaktion

Von Regenbogenfamilien und der LGBTIQ*-Bewegung in den USA bis zum schwulen Politiker Harvey Milk: Das alles und mehr wird künftig Thema für Schüler in Kalifornien. Konservative Gegenstimmen konnten sich nicht dagegen wehren.

Ein historischer Schritt an der Westküste: Das Board of Education in Kalifornien hat sich einstimmig dafür entschieden, die Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung in den Unterricht aufzunehmen. Das soll maßgeblich dazu beitragen, dass sich LGBTIQ*-Schüler akzeptiert fühlen.

Ab der zweiten Klasse reden Lehrer  künftig mit ihren Schülern über Regenbogenfamilien. In der vierten Klasse steht dann etwa Harvey Milk auf dem Stundenplan, der erste offen schwul lebende Politiker in den USA, der sich für die Rechte von Schwulen- und Lesben einsetzte.

Auch kontroverse Themen stehen an

In höheren Stufen ist unter anderem die Eheöffnung ein Thema, die der Supreme Court am 26. Juni 2015 beschloss. Doch nicht nur das, auch ganz aktuelle und kontroverse Themen sollen die Schüler behandeln:So steht die Debatte rund um die Nutzung öffentlicher Toiletten für Transgender im Lehrplan.

Im US-Bundesstaat North Carolina gibt es nämlich ein Gesetz, das Trans*menschen vorschreibt, die Toilette zu nutzen, die zu dem Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde passt.

Die Inklusion dieser Themen an kalifornischen Schulen ist Teil einer grundlegenden Überarbeitung der Lehrinhalte. Die queere Community ist dabei zur Sprache gekommen, weil ein Gesetz von 2012 LGBTIQ*-Amerikaner zu einer wichtigen sozialen Gruppe erklärte, die künftig an Schulen besprochen werden muss. Das bedeutet auch, dass sie in Schulbüchern auftauchen werden und Inhalte, die LGBTIQ* benachteiligen, nicht im Unterricht vorkommen dürfen.

In Deutschland: Vor allem Aufklärungsarbeit statt Inhalte

Einige konservative Gruppen haben auf diesen Wandel bereits besorgt reagiert. Sie sagen, dass Eltern selber entscheiden sollten, wann sie mit ihren Kindern über sexuelle Vielfalt sprechen. Die Bemühungen dieser Gruppen, das Gesetz zu verhindern, blieben aber erfolglos.

Auf dem Stundenplan steht auch Harvey Milk, der erste offen schwule Politiker der USA. Der Bürgermeister von San Francisco wurde erschossen.

Auf dem Stundenplan steht auch Harvey Milk, der erste offen schwule Politiker der USA. Der Bürgermeister von San Francisco wurde erschossen.

An deutschen Schulen gibt es noch kaum Inhalte über Schwule, Lesben und Transgender. Viele Lehrer schrecken davor zurück, entweder weil sie keine passenden Unterrichtsmaterialien haben oder weil es nicht zu ihren Fachkenntnissen passt. Im Fokus steht aktuell zunächst Aufklärungsarbeit.

Conny Kempe-Schälicke ist Teil der Initiative "Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" (ISV), die an Berliner Schulen für mehr Akzeptanz sorgen will. Dasselbe Ziel hat auch das ehrenamtliche Projekt SchLAu (mehr dazu hier).

Bayern: Vielfalt der Lebensformen auf dem Stundenplan

Kempe-Schälicke  erzählte dem Tagesspiegel, dass Worte wie "schwul" und "lesbisch" immer noch gebräuchliche Schimpfworte seien und es dringenden Nachholbedarf an Schulen gäbe. Lehrer hätten allerdings die Möglichkeit, Hilfe zu finden. So setzt sich der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) dafür ein, dass Schüler mit LGBTIQ* in Kontakt kommen und dadurch Toleranz lernen. Auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sind Unterrichtsmaterialien erhältlich, die Homosexualität ansprechen.

Bislang konzentrieren sie sich jedoch darauf, Mobbing zu verhindern und Akzeptanz zu vermitteln. Einige Bundesländer haben zuletzt ihre Richtlinien zur Sexualaufklärung überarbeitet. So steht in Bayern zukünftig die Vielfalt der Lebensformen im Lehrplan. Konkrete Inhalte in einem Fach wie Geschichte wie ab sofort in Kalifornien haben damit jedoch nichts zu tun.

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