Schwule sollen sich nicht "homosexuell" anziehen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Schwule sollen sich nicht "homosexuell" anziehen
Jan Schroeder - Wikimedia Commons - CC BY-SA 3.0

Der italienische Star-Designer Giorgio Armani findet, dass sich Schwule nicht "homosexuell" kleiden sollen. Das sagte der 80-jährige, der selbst schwul ist, in einem Interview mit dem britischen Sunday Times Magazine.

Giorgio Armani gilt als einer der einflussreichsten Modeschöpfer der Welt. Der 80-Jährige hat am Wochenende kritisiert, dass sich Schwule zu "homosexuell" kleiden. Im Interview mit dem britischen Sunday Times Magazine sagte er: "Ein homosexueller Mann ist zu 100 Prozent ein Mann. Er braucht sich nicht homosexuell zu kleiden." 

Weiter sagte der Designer: "Wenn Homosexualität extrem zur Schau gestellt wird - zu sagen, 'Ah, weißt du, ich bin homosexuell', - dann hat das nichts mit mir zu tun. Ein Mann muss ein Mann sein." 

Was sind "schwule" Klamotten?

Was genau der Multi-Milliardär mit "homosexuellem" Kleidungsstil meint, verrät er zwar nicht. Er selbst trägt jedoch meist schlichte dunkelblaue Kaschmirpullover oder T-Shirts. Doch die Mode, die unter seinem Namen für Männer entworfen wird, ist durchaus schriller. Rosafarbene Sakkos, Pullover, die nur die Hälfte des Körpers bedecken, oder bunte Pluderhosen: Das alles sind Kleidungsstücke, die Männer eher selten tragen und die am ehesten das Prädikat "homosexuell" verdienen würden.

Aber: Wie können Kleidungsstücke oder ein Stil überhaupt "homosexuell" sein? Und vor allem: Wieso benutzt Armani, selbst schwul, den Begriff abwertend? Ist es nicht eine Errungenschaft unserer Zeit, dass wir tragen können, wonach uns ist?

YouTube/Armani
Ein Pullover aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2013 von Emporio Armani.

Ein Pullover aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2013 von Emporio Armani.

"Ich mag keine Muskelprotze"

Erst kürzlich hat sich bereits sein Designerkolleg Domenico Dolce kritisch zur Adoption von Schwulen und Lesben geäußert: "Ich bin schwul, ich kann keine Kinder haben. Ich denke, man kann nicht alles im Leben haben. Das Leben hat einen natürlichen Lauf, es gibt Dinge, die nicht geändert werden. Und eines davon ist die Familie." Nun ist es also Giorgio Armani, der in sozialen Netzwerken kritisiert wird. Unter dem Hashtag #boycottarmani wird - wie bei Dolce und Gabbana - dazu aufgerufen, keine Kleidung des italienischen Designers mehr zu tragen.

Darüber hinaus äußerte sich Armani auch über seinen Männergeschmack. "Ich mag keine Muskelprotze, die nur ins Fitnessstudio rennen", sagte er. "Ich mag Männer, die gesund aussehen, jemand, der sich um seinen Körper kümmert, ohne dabei zu viele Muskeln aufzubauen."

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Weitere Quellen: Jan Schroeder - Wikimedia Commons - CC BY-SA 3.0 / YouTube/Armani