Schwule und Kondommarketing

Redaktion Von Redaktion

Analverkehr mit Kondom – klar. Und weil Männer nicht gerade für sexuelle Enthaltsamkeit bekannt sind, spielen Kondome für uns eine wichtige Rolle. Aber wie sehr achten Kondomhersteller in ihren Konzepten auf Schwule? dbna hat nachgefragt.

Die Firma MAPA in Zeven, nördlich von Bremen, ist der marktführende Kondomhersteller in Deutschland. Hier werden Kondome der Marken Billy Boy®, Blausiegel® und Fromms® hergestellt und natürlich auch vermarktet. Aber wie funktioniert Kondom-Marketing? Marco Gehlken ist Marketingleiter von MAPA. dbna hat mit ihm und einer seiner Mitarbeiterinnen, Tanja Klein, gesprochen.

Drei Ansprüche drei Marken

2003 hat MAPA eine große Kundenbefragung durchgeführt und festgestellt, dass je nach Benutzer drei verschiedene Ansprüche an Kondome gestellt werden. Die erste Gruppe von Kondombenutzern bezeichnet Marco Gehlken als "klassisch." Damit ist der Wunsch nach "einfachen, normalen" Kondomen gemeint glatt und durchsichtig. Andere Benutzer sind spaßorientiert und wünschen sich farbige, genoppte oder aromatisierte Kondome. Die letzte Gruppe hat hohe Ansprüche, so Gehlken. Für diese Kunden sollten Kondome zum Beispiel eine größere Wandstärke oder eine "konturierte" Form haben. Konturierte Kondome sind an der Spitze etwas breiter, so dass die Eichel mehr Platz darin hat. Für die Ansprüche aller drei Gruppen gibt es von MAPA jeweils eine Kondommarke: Fromms® für die "klassischen", Billy Boy® für die spaßorientierten und Blausiegel® für die anspruchsvollen Kunden.

Schwule Kondome?

Auch wenn in schwulen Medien für die starkwandigen Blausiegel®-Kondome geworben wird, vermeidet MAPA ein rein "schwules Image" für die Marke. Das hat Marco Gehlken zufolge verschiedene Gründe. Primär werden gerade die dickwandigen Kondome auch gern von heterosexuellen Paaren verwendet und des weiteren passiert das auch mit Rücksicht auf Schwule: Man möchte vermeiden, dass man sich durch den Kauf eines "schwulen Kondoms" an der Ladenkasse outen muss.
Unverantwortlich werden von MAPA Barebacker eingestuft, denn Schutz für sich selbst und für den Partner sollte an erster Stelle stehen. "Das ist doch als würde ich nackt und ohne Helm mit dem Motorrad auf eine Wand zufahren" vergleicht Marco Gehlken.

Schwule Kunden

Es lassen sich leider per Marktforschung kaum Zahlen über schwule Kunden erheben. Schwule sind MAPA jedoch sehr wichtig, denn die Werbeabteilung hat eine eigene Mitarbeiterin für den Kontakt zu schwulen Organisationen. Tanja Klein ist in Zeven zuständig für Schwulengruppen, die AIDS-Hilfen und für Vereine wie dem "Orden der perpetuellen Indulgenz." Und ihr macht die Arbeit Spaß, auch wenn sie sich zuerst ein wenig an die freizügige Wortwahl ihrer Klientel gewöhnen musste.
Berührungsängste gegenüber Schwulen waren ihr und Marco Gehlken immer fremd, schließlich ist "schwule Kommunikation" schon seit Jahren ein fester Bestandteil der jährlichen MAPA Aktivitäten.

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Weitere Quellen: MAPA GmbH; Bilder: MAPA GmbH