Schwule und Wissenschaft

Redaktion Von Redaktion

Wie oft haben wir sie schon gelesen? Diese Überschriften, man hätte endlich das "Schwulen-Gen" identifiziert? Und jedes Mal zog aufs Neue eine beeindruckende Protestwelle durch die schwule Welt. Aber warum? Weswegen wehren sich so viele Schwule gegen die Erkenntnis zu den Gründen unseres "Andersseins"?

Ob es nun typisch feminine Spielzeuge sind, das Fehlen einer Vaterfigur oder die vielgerühmten genetischen Gründe: Jedes Mal, wenn Psychlogen, Biologen oder Mediziner glauben, die Ursache für die Homosexualität gefunden zu haben, hört man empörte Rufe aus allen Ecken der schwulen Welt. Man wehrt sich vehement dagegen. Man stammt ja selbst aus einer intakten Familie und hat als Kind nur mit Lego® und dem Märklin®-Baukasten gespielt und trotzdem ist man schwul.

Kann also nichts dran sein an den Argumenten der Wissenschaftler! Man ist ja selbst der lebende Beweis.
Aber steht hinter dem Ergebnis nicht eine Studie mit deutlich mehr als einer Person? Ist das Forscher-Team nur Hirngespinsten erlegen? Oder wollen wir es einfach nur nicht wahrhaben?

Schwulsein als Mysterium

Irgendwie ist es ja ein Mysterium, unser Schwulsein. Es ist da einfach so. Ohne dass wir etwas dafür können. Auch wenn es von außen betrachtet erstmal eine Menge Nachteile mit sich bringt, stehen wir auf Jungs - und viele genießen das auch noch. Aber warum dem so ist, das weiß keiner. Das macht es einfach, unangenehmen Fragen auszuweichen. Argumentativ ist dem Schwulsein nicht beizukommen, man kann es nicht wegdiskutieren. Und das ist eine bequeme Position. Wenn niemand weiß, wo es herkommt, kann man das Schwulsein schlechter in Frage stellen.
Schließlich und endlich ist es ja auch etwas Besonderes schwul zu sein. Man ist nicht wie alle anderen. Für viele ein willkommenes Mittel, um sich abzugrenzen, sich selbst eine persönliche Note zu verleihen. Jedenfalls fällt es vielen Schwulen leichter individuell zu sein. Die sexuelle Orientierung verschafft so einigen die nötige Portion Extravaganz, die sie sich sonst irgendwo anders suchen müssten. Ob das nun nachvollziehbar ist - oder nicht.

Was wäre wenn?

Würden wir den Grund unseres Schwulseins kennen, würde etwas von diesem Mysterium verloren gehen. Es wäre plötzlich einfach zu ergründen:

"Guck mal, das ist die Puppe, die mir meine Tante zur Taufe geschenkt hat wegen der bin ich heute schwul."

Das wäre irgendwie banal. Und gefährlich für den Nachwuchs. Schließlich würde jeder darauf achten, sein Kind möglichst von "Gefahrenquellen" fernzuhalten. Wahrscheinlich ist unser Protest gegen jede Erklärung für die Homosexualität insbesondere darin begründet: Wer dem Geheimnis der Homosexualität auf die Spur kommt, wird nämlich die Möglichkeit haben, sie zu verhindern. Und das ist es, was uns Angst macht und uns versuchen lässt, alle Theorien, die in diese Richtung entwickelt werden, möglichst haltlos und unglaubwürdig erscheinen zu lassen.

Bleibt nur die Frage, ob wir dadurch nicht selber unglaubwürdig werden.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Bilder: photocase.com