"Schwulencombo"

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"Schwulencombo"
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Michael Ballacks Berater Michael Becker wird im Nachrichtenmagazin mit homophoben Aussagen zitiert: "Schwulencombo", "halbschwul" und die Schwulenverschwörung in Jogi Löws Nationalmannschaft, die demnächst offenbart werden würde. Ballacks neuer Club, Bayer Leverkusen, als auch der DFB distanzieren sich - Becker dementiert.

Als hätte Michael Ballack weltbekannter millionenschwerer Mittelfeldspieler nicht genug Probleme (Streit um Kapitänsbinde, Rückennummer vergeben, fragliche Rückkehr in die DFB-Elf) so erschien jetzt in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazin Der Spiegel ein Essay des  preisgekrönten Journalisten und Schriftstellers Alexander Osang mit brisanten Äußerungen Ballacks Berater Michael Becker. Becker war an allen entscheidenden Schritten Ballacks Karriere maßgeblich beteiligt.

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"Die Schwulencombo hochgehen lassen"

Nun habe  Becker sich gegen über Osang bei einem Essen drei Monate vor der WM darüber ausgelassen, "welche deutschen Spieler angeblich schwul seien", so Osang. Geraume Zeit darauf kündigte Becker "inmitten einer Traube von Spielerberatern und Journalisten" am Rande des Abschiedsspiels von Bernd Schneider angeblich an, es gebe einen einstigen Nationalspieler, der "die Schwulencombo" demnächst "hochgehen lassen" würde. Nachfragen der anwesenden Reporter? Fehlanzeige. Nur Osang bohrte nach, ob ein Spieler, der auch "etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei". Beckers Reaktion: "Der ist halbschwul."

Der Fall ist deswegen brisant, da Homosexualität weiterhin als das große Tabu im deutschen Fußball gilt. Folge dessen: Ein Dementi Beckers und Verurteilung der Aussagen durch Ballacks neuen Club, Bayer Leverkusen.

"Auf so ein Niveau muss man sich nicht begeben."

So teilte Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, der Bild-Zeitung zum Fall Becker deutlich mit: "Dazu muss man nichts sagen. Da erübrigt sich jeder Kommentar. Auf so ein Niveau muss man sich nicht begeben." Und Bayer-Leverkusen-Pressesprecher Dirk Mesch meint gegenüber sueddeutsche.de, es handele sich um "persönliche Aussagen von Herrn Becker, die nicht mit Bayer Leverkusen in Verbindung zu bringen sind." Es gebe im Profifußball "unglaublich viele Berater, die in erster Linie die Interessen ihrer Spieler im Auge haben. Da fällt die eine oder andere Aussage, die man als Verein nicht kommentieren möchte."

Trotz dieser Distanzierungen bleibt es ein Faktum: "Schwulsein" gilt trotz aller DFB-Kampagnen in Deutschland und auch weltweit für einen Fußballer als Makel und bleibt daher ein Tabu.

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Weitere Quellen: sueddeutsche.de, Новикова Юлия/Wikipedia