Schwuler Politiker oder Schwulen-Politiker?

Redaktion Von Redaktion

Klaus Wowereit ist regierender Bürgermeister von Berlin. Und er ist einer der wenigen "Großen" in der Politik, die offen mit ihrer Homosexualität umgehen. Seit seinem spektakulären Coming-Out ist das Medieninteresse auf ihn gerichtet. Klaus Wowereit stand uns für die Beantwortung einiger Fragen zur Verfügung.

Klaus Wowereit ist regierender Bürgermeister von Berlin. Und er ist einer der wenigen "Großen" in der Politik, die offen mit ihrer Homosexualität umgehen. Seit seinem spektakulären Coming-Out ist das Medieninteresse auf ihn gerichtet. Klaus Wowereit stand uns für die Beantwortung einiger Fragen zur Verfügung.

Boomer: Herr Wowereit, herzlichen Dank erst einmal, dass Sie sich die Mühe machen, mir einige Fragen zu beantworten. Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr Terminkalender mehr als gefüllt ist. Bevor Sie regierender Bürgermeister von Berlin wurden, haben Sie sich sicher einige Gedanken gemacht, was dieser "Job" mit sich bringt. Haben Sie es sich schlimmer vorgestellt?

Klaus Wowereit: So ungefähr weiß man, worauf man sich einlässt. Es zu erleben, ist dann noch ein Weiteres. Vor allem belastend ist, dass ein Privatleben kaum noch möglich ist. Die zeitliche Belastung ist enorm und die Fremdbestimmung durch den Kalender hoch. Aber insgesamt ist es so, wie ich es ahnte. Und: Ich nehme mein Amt gerne wahr .

Boomer: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so." Dieser Satz ist zu einem geflügelten Wort geworden. Wieso haben Sie Ihre Homosexualität öffentlich gemacht?

Klaus Wowereit: Eigentlich wollte ich es nicht öffentlich machen, aber da es Anzeichen dafür gab, dass die Zeitungen darüber berichten würden - vor allem ganz bestimmte - da habe ich mich entschieden, von mir aus in die Offensive zu gehen.

Es war in keinem Fall, wie manche unterstellen, eine geplante PR-Aktion.

Boomer: Sollten mehr Politiker und Politikerinnen Ihrem Beispiel folgen und offener mit Schwul- oder Lesbischsein umgehen?

Klaus Wowereit: Ich will da keine Regel aufstellen. Das muss jeder ganz persönlich für sich entscheiden.

Boomer: Was hat sich nach dem öffentlichen Outing getan? Gab es Leute, die plötzlich den Kontakt zu Ihnen gemieden haben?

Klaus Wowereit: Nein, es war ja in Berlin bei vielen Leuten schon bekannt, es stand eben nur nicht in den Zeitungen. Insofern habe ich es auch nicht verheimlicht. Aber insgesamt war die Reaktion positiv. Dennoch gibt es natürlich immer wieder Leute, die das aggressiv gegen mich wenden.

Boomer: Was können Sie ganz persönlich tun, um für mehr Toleranz und Akzeptanz für homosexuelle Menschen zu sorgen?

Klaus Wowereit: Ich wollte eigentlich nach dem öffentlichen Bekenntnis nicht als "Vorzeige"- Politiker herum gereicht werden, sondern wie bisher meine politische Arbeit weiter machen, eben als schwuler Politiker, aber nicht als Schwulen-Politiker. Aber dann habe ich doch gemerkt, dass ich für viele eine wichtige Rolle habe. Ich kann Mut machen, kann meine öffentliche Rolle nutzen, um gegen Diskriminierung und Intoleranz vorzugehen. Das tue ich auch mehr und mehr bewusst.

Boomer: Welche Verantwortung kommt der Politik in dieser Hinsicht zu?

Klaus Wowereit: Politik kann nicht alles, aber viel. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass Toleranz und Demokratie Schwestern sind.

Boomer: Inwieweit sind Sie selbst schon einmal Opfer von Diskriminierung geworden?

Klaus Wowereit: Ich bin jetzt durch meine Rolle sogar geschützt, aber es gibt dann auch gelegentlich deswegen Provokationen. So wollte mir jemand bei der Trauerfeier für Hildegard Knef die öffentliche Rede in einer Kirche untersagen. Das war aber für denjenigen kontraproduktiv. Denn danach gab es viel Post mit Unterstützung.

Boomer: Nach Ihrem Outing gab es einen mächtigen Medienrummel. Hatten Sie diesen Schritt mit Ihrer Familie und Ihrem Partner abgesprochen, waren Sie darauf vorbereitet?

Klaus Wowereit: Es ging damals alles ganz schnell, ich musste rasch entscheiden, aber die nötigen Absprachen habe ich dann schon getroffen.

Boomer: Der nächste Termin in Ihrem Kalender, nehmen Sie den als SPD-Politiker oder als Homosexueller wahr?

Klaus Wowereit: Den nehme ich als Regierender Bürgermeister von Berlin wahr.

Boomer: Herr Wowereit, vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Mühe.


Unterschrift Klaus Wowereit

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Weitere Quellen: Bilder mit freundlicher Genehmigung