Seine Vorlieben: "Sport und Schwulsein!"

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Seine Vorlieben: "Sport und Schwulsein!"
FGG/ Will Chiung

Ende Juli starten in Köln die Gay Games 2010. Prominenter Unterstützer ist der offen schwule Turmspringer Matthew Mitcham. Bei den Olympischen Spielen in Peking holte er überraschend Gold. Wie es sich als schwuler Sportler anfühlt, verrät er im dbna-Interview.

Am 31. Juli starten die Gay Games 2010 in Köln. Zu diesen werden schwule Sportler aus aller Welt erwartet. Unterstützer des Events ist auch der Australier Matthew Mitcham. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking holte er überraschend den Weltrekord im Turmspringen. Für Aufmerksamkeit sorgte er aber vor allem dadurch, dass er zu den nur 11 offen schwulen und lesbischen Sportlern unter insgesamt 11000 Olympiateilnehmern gehörte. Kurz vor den Olympischen Spielen hatte er sich gegenüber der australischen Tageszeitung "Sydney Morning Herald" geoutet. Das Besondere dabei:  Er erzählte über sein Schwulsein so beiläufig als wäre es wie der Gang zum Supermarkt.

Das überrascht vor allem mit Rückblick auf Matthews Vergangenheit.  Als Teenager litt er unter einem körperlichen und emotionalen Burn-Out. Sein  Schwulsein konnte er sich nur schwer eingestehen. Noch mit 20 Jahren, und damit nur neun Monate vor seinem Olympiasieg, hatte er eine  Depression.  Mittlerweile ist er aber out and proud. Er unterstützt lesbischwule Veranstaltungen, wie etwa den Gay Pride in Sydney oder die Gay Games in Köln. Im Interview spricht er über sein öffentliches Coming Out und warum lesbischwule Sportveranstaltungen eine Chance sind.

Matthew, geht es dir auf die Nerven, vor allem als der schwule Gewinner der Olympischen Spiele wahrgenommen zu werden?
In Australien werde ich mehr als der Gold- Medallienträger gesehen, der den Rekord geholt hat. Aber vielleicht ist es leichter für Menschen aus dem Ausland, mich als den schwulen Gold-Medallisten zu sehen. Egal was man denkt - ich freue mich wahrgenommen zu werden.

Es gab Menschen, die dir geraten haben, dich nicht vor der Öffentlichkeit zu outen. Warum hast du es trotzdem getan?
Ich wollte, dass jeder Australier weiß, wen er unterstützt. Deshalb habe ich es vorgezogen, mich vor den Olympischen Spielen zu outen als danach.

Hast du es je bereut?
Nein, es war definitive genau das Richtige. Ich denke, viele Australier und vielleicht auch Ausländer schätzen genau diese ehrliche Art.

Gab es eigentlich jemals negative Reaktionen auf dein Schwulsein?
Nein, von meinen Fans kamen niemals homophobe Reaktionen. Australien ist ein ziemlich tolerantes Land.  Und selbst die heterosexuellen Deutschen die ich kenne, unter anderem einige Athleten, scheinen Schwule auch zu akzeptieren.

FGG/ Will Chiung
"Sport ist wie mein Nebenjob", sagt Matthew. Wenn er nicht trainiert, dann geht er zur Uni.

"Sport ist wie mein Nebenjob", sagt Matthew. Wenn er nicht trainiert, dann geht er zur Uni.

Du nimmst vielen Wettbewerben in der ganzen Welt teil. Ist es ein Problem offen schwul zu sein, wenn man ein Land bereist, in dem Homosexualität verboten ist?
Im letzten Jahr war ich im Emirat Katar. Und dort ist Homosexualität in der Tat verboten.  Deshalb hatte ich Vorfeld einige Sorgen. Aber in Katar selbst war ich ja, um am Wettbewerb teilzunehmen. Ich bin in keine Bars gegangen oder habe andere schwule Dinge gemacht.  Ich war einfach nur ein weiterer Athlet wie die anderen auch.

Du unterstützt die Gay Games. Warum? Die Gay Games sind einfach die Mischung aus meinen liebsten Dingen: Sport und Schwulsein!

Aber haben schwule Sportevents nicht auch was mit einer Ghettoisierung zu tun?
Vielleicht, aber wäre das schlimm? Es ermutigt doch Schwule und Lesben an etwas teilzunehmen, was sie normalerweise nicht machen. Außerdem können solche Spiele auch ein Plattform sein, um Leute zur Teilnahme an normalen Sport-Wettbewerben zu bestärken.

Die Motivation könntest auch du sein. Immerhin bist du für junge Schwule und Lesben ein Vorbild. Was war eigentlich dein Idol, als du mit deiner Sexualität gekämpft hast? Ich hatte kein Idol. Deshalb habe ich mehr mit meiner Sexualität gerungen als das eigentlich irgendjemand tun sollte. Ich bin deswegen umso glücklicher ein Vorbild für junge Leute zu sein.

Du bist ja selber noch sehr jung. Wie unterscheidet sich eigentlich dein Leben anderer 22-jähriger? Ich gehe wie andere auch zur Uni. Und der Sport ist wie mein Nebenjob, den ich allerdings mag. Am Wochenende gehe ich auch mal weg. Aber im Moment kommt das eher selten vor, weil ich einfach zu müde bin!

Wie geht es bei dir weiter? Du hast gesagt, dass du nicht dein ganzes Leben dasselbe machen willst. Ich werde wohl meine Abschluss an der Uni machen, hart arbeiten, viel Geld verdienen und viel Spaß bis zum Ende meines Lebens haben.

Viel Erfolg dabei! 

        Die Fragen stellte Falk Steinborn.

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Weitere Quellen: Federation of Gay Games