So sieht Schulaufklärung wirklich aus

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
So sieht Schulaufklärung wirklich aus
Wikimedia/CEphoto, Uwe Aranas

Frühsexualisierung, Homo-Lobby, Genderismus: Kampfbegriffe, mit denen "besorgte Eltern" und die AfD gegen Aufklärungsunterricht wettern. Doch die Realität sieht anders aus.

In Bayern steht die Vielfalt der Lebensformen jetzt neu im Lehrplan, wurde letzte Woche bekannt. Die Meldung war noch nicht sehr alt, da hat sich die AfD-Familienpolitikerin Katrin Ebner-Steiner in einem YouTube-Video an die Nation gewandt.

"Unsere Kleinen müssen sich nicht nur über alle Varianten des sexuellen Zusammenlebens zwangsunterrichten lassen, sie werden Details über Homo-, Bi- und Transsexualität erfahren", warnt sie.

"Findet euch selbst, macht, was ihr wollt, und respektiert einander"

"Zwangsunterricht! Das klingt doch richtig böse und einschränkend und bevormundend", antwortet YouTuber und dbna-Kolumnist Andre Teilzeit. "Genau das richtige Wort für AfD-Propaganda." In seinem Video nimmt er die Aussagen von Ebner-Steiner auseinander. Statt sich über die rechtspopulistische Partei lustig zu machen, tritt er ihnen mit klaren Worten, Argumenten und Verstand entgegen. Der richtige Weg, sich gegen die AfD zu wehren.

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Dann erklärt Andre, worum es bei Schulaufklärung eigentlich geht: "Alles, was sie lernen, ist: Es gibt Heterosexuelle, aber es gibt genauso auch Homo-, Bi- Transsexuelle und noch vieles weitere. Findet euch selbst, macht, was ihr wollt, und respektiert einander. Punkt. Das wars."

SchLAu: Mit LGBTIQ*-Menschen reden statt über sie

Wie Schulaufklärung aussehen kann, zeigt zum Beispiel SchLAu: Das Projekt besteht seit über 15 Jahren und klärt Schüler in Nordrhein-Westfalen über Homo-, Bi- und Transsexualität auf. Dafür besuchen ehrenamtliche Teams Schulklassen. Wie so eine Projektstunde aussieht, zeigt das Arte-Jugendmagazin Yourope, das bei einem Workshop in einer 7. Klasse dabei war.

Keine Spur von Dildos, Sexstellungen oder Pornos. Stattdessen geht es um Fragen nach Geschlechtsidentität oder dem Unterschied zwischen biologischem Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender). Um Diskriminierungsfragen und Coming-out. Schließlich haben die Schüler Gelegenheit, den Teamern Fragen zu stellen. Die Devise lautet: Mit LGBTIQ*-Menschen reden statt über sie.

Wikimedia/CEphoto, Uwe Aranas

SchLAu sucht ehrenamtliche Helfer

Als ehrenamtliches Projekt sucht SchLAu immer nach Freiwilligen. Wer sich engagieren möchte, sollte mindestens 18 Jahre alt sein. "Das ist aber nur eine Richtlinie. Wichtig ist, dass man mit seiner Coming-out-Geschichte im Reinen ist und genug zeitlichen Abstand zur Zielgruppe hat", erklärt Melanie Wohlgemuth, Projektkoordinatorin von SchLAu Düsseldorf.

Wer sich vorstellen kann, bei SchLAu mitzumachen, wird nicht ins kalte Wasser geschmissen. Zweimal im Jahr finden Schulungen statt, bei denen die Basics vermittelt werden. Erst dann beginnt die Hospitationsphase, in der man an den Workshops teilnimmt, aber selbst bestimmt, inwieweit man involviert ist.

SchLAu Düsseldorf
Das Team von SchLAu Düsseldorf freut sich über neue ehrenamtliche Helfer.

Das Team von SchLAu Düsseldorf freut sich über neue ehrenamtliche Helfer.

Interesse? Einfach eine Mail schreiben

Doch es geht nicht nur um Fakten, die vermittelt werden. "Teamer sollten Spaß an der Arbeit mit Jugendlichen ab 14 Jahren haben, gut vor einer Gruppe sprechen können und bereit sein, über die eigenen Erfahrungen bezüglich Coming-out, Diskriminierungen, Liebe und Partnerschaft zu sprechen", ergänzt Melanie.

Wer Interesse hat, der meldet sich am besten direkt bei Melanie unter melanie.wohlgemuth@schlau-duesseldorf.comMehr Infos gibt's auch bei Facebook.

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