Das XCP-Verfahren sollte das Kopieren von Musik-CDs erschweren undwurde daher von Sony BMG auf Alben von 52 Künstlern eingesetzt. Etwa4,7 Millionen CDs erhielten den neuen Kopierschutz, 2,1 Millionen davonwurden verkauft. Wer eine Musik-CD mit dem XCP-Schutz auf einemWindows-PC abspielen will, muss zwingend eine mitgelieferte Softwareinstallieren, die die Wiedergabe ermöglicht.

Doch das ist nicht die einzige Funktion der Software: zufälligentdeckte Mark Russinovich auf einer CD von Van Zandt die Spyware, dennXCP läuft weiter im Hintergrund und verursacht eine Sicherheitslückeauf Windows-PCs, die den Rechner für Hacker-Angriffe nach außen hinöffnet. Ein anderer Kopierschutz von Sony BMG - die Software MediaMaxvon SunComm - sammelt sogar selbsttätig Informationen über dasHörverhalten und sendet diese an SunComm, selbst wenn der Nutzer dieInstallation der Software abbricht.

Nun hat die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaates Texas Klage gegenSony BMG eingereicht, da diese Praxis gegen das texanischeVerbraucherschutzgesetz verstoße. Als Strafe werden 100.000 Dollar jeVerstoß gefordert. "Konsumenten, die eine Sony-CD gekauft haben, dachten, sie hätten Musik gekauft", so der texanische Justizminister Greg Abbott. "Stattdessenhaben sie Spionagesoftware bekommen, die den Computer beschädigen kann,ihn für Viren anfällig macht und den Benutzer möglichen Verbrechenaussetzt."

Wegen der Software MediaMax hat parallel die Electronic FrontierFoundation (EFF) Sammelklagen von betroffenen Verbrauchern gegen SonyBMG eingereicht. Die Organisation ist der Ansicht, dass das Musik-Labelfür die entstandenen Schäden bei Privatpersonen aufkommen müsse - eineUmtauschaktion sei nicht ausreichend. Insgesamt wurden rund 20Millionen Musikträger mit der Software MediaMax verkauft.

Nach einer Mitteilung von Sony BMG plant der Konzern vollständig mitder Staatsanwaltschaft zu kooperieren. Das Unternehmen hat darüberhinaus angekündigt, alle CDs mit dem Kopierschutz XCP aus dem Handel zunehmen und bereits in der vergangenen Woche ein Umtauschprogrammeingeleitet. Die betroffenen Musik-CDs waren nur für den Vertrieb inden USA bestimmt.

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Weitere Quellen: SPIEGEL Online