Spurensuche

Redaktion Von Redaktion

Gab es Homo- und Bisexualität schon immer oder handelt es sich dabei um eine Erscheinung der Gegenwart? Wie weit reicht die Geschichte der Schwulen und Lesben zurück? Ein Streifzug durch die Geschichte gibt Aufschluss.

Gab es Homo- und Bisexualität schon immer oder handelt es sich dabei um eine Erscheinung der Gegenwart? Wie weit reicht die Geschichte der Schwulen und Lesben zurück? Vielleicht hatten unsere Vorfahren in der Steinzeit bereits Sex mit gleichgeschlechtlichen Partner; die Höhlenmalereien geben uns darüber allerdings keine genaue Auskunft. Die sexuellen Motive der Höhlenmenschen können so oder so ausgelegt und gedeutet werden, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass sich diese nicht viele Gedanken darüber gemacht haben, mit wem und welche Art Sex sie hatten.

Antikes Griechenland

Fest steht allerdings, dass gleichgeschlechtliche Neigungen aus der Antike bekannt sind und man davon ausgehen kann, dass es gleichgeschlechtliche Liebe schon lange Zeit davor gab. In der griechischen Antike war Homosexualität oder Päderastie, wie man sie früher nannte, zwar nicht die vorherrschende Form von Liebe und Sexualität, aber sie war, zumindest unter Männern, gesellschaftlich voll anerkannt. Es herrschten sehr oft Lehrer-Schüler Verhältnisse, dass auch sexuelle Betätigung und Liebe einschloß. Der Ältere verstand sich als Freund, Partner, Lehrer und auch als Liebhaber des Jüngeren, der sich durch die Beziehung meist hoch geehrt fühlte. Es hieß sogar, dass beim Analverkehr der Lehrer sein Wissen durch sein Sperma auf den Schüler übertragen würde. In der griechischen Mythologie findet man zahlreiche Erzählungen über Liebe zwischen zwei Männern. Die bekannteste ist dabei wohl der Raub des Ganymed, ein Jüngling aus Troja, der von Zeus auf den Olymp entführt wurde und dort als der Lieblingsknabe des Zeus lebte.

Antikes Rom

Im alten Rom, war die Päderastie weniger stark verbreitet, wenngleich sie gesellschaftlich anerkannt war. Anders als bei den Griechen ging es allerdings weniger um Liebe, sondern um die Lust Liebe zu machen und um puren Sex. Die angesehen Herren der Aristokratie vergnügten sich z.B. gerne mit ihren "Lustsklaven". Infolge der christlichen Lehre und Ethik trat dann ein Umschwung in der sexuellen und liebenden Denkweise ein und gleichgeschlechtliche Handlungen wurden immer mehr verpönt. Als zu Beginn des 4. Jahrhunderts der römische Kaiser Konstantin das Christentum zur römischen Staatsreligion erklärte, begann für Homo- und Bisexuelle beider Geschlechter eine schlimme Zeit. Letztenendes gab es keinen Raum mehr für gleichgeschlechtliche Beziehungen, die Sexualität wurde auf die Erzeugung neuen Lebens beschränkt und sexuelle Lust galt als unmoralisch, schlecht und später sogar ketzerisch.

Mittelalter und Anfang der Neuzeit

Das Christentum sieht die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau als Wiederholung des göttlichen Schöpfungsaktes und dieser wird nur dann akzeptiert, wenn er in Ehe stattfindet und rein der Zeugung von Nachkommen dient. Homosexualität galt als widernatürlich, da man dabei ja kein Kind zeugen kann. Der Einfluss der Kirche war im Mittelalter so groß, dass sie die gesellschaftliche Meinung der damaligen Zeit bestimmte und somit maßgeblich an der "Kriminalisierung" der Homosexualität Schuld trug. So wurde gleichgeschlechtliche Liebe im Mittelalter mit Ketzerei, Teufelsbeschwörung, Hexerei und schwarzer Magie gleichgestellt; Schwule und Lesben wurden nur zu oft am Scheiterhaufen verbrannt oder auf andere Weise hingerichtet.

18. und 19 Jahrhundert

Erst mit der Aufklärung und etwa zur Zeit der Französischen Revolution begann allmählich ein Prozeß der Liberalisierung. Österreich machte im Jahre 1787 diesem barbarischen Vorgehen ein Ende und sprach fortan keine Todesurteile auf gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen mehr aus, während noch zur selben Zeit z.B. in Deutschland unzählige Schwule aufgrund ihrer Neigung ihr Leben lassen mußten. Die Renaissance brachte eine neue Geisteshaltung, was darauf zurückzuführen ist, dass der Einfluß der Kirche zurückging. Es entstand vor allem beim Bürgertum eine freizügigere Haltung gegenüber Homosexuellen, vielleicht deshalb weil viele bekannte Künstler schwule Neigungen hatten. Der Begriff Homosexualität entstand übrigens erst im 19. Jahrhundert, denn erst von dieser Zeit an begann man Sexualität überhaupt zu studieren.

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