Man fühlt sich von einer Person verfolgt. Bedroht, belästigt undausspioniert. Ein Gefühl, mit dem sich nicht leicht leben lässt. Nichtnur Prominente, sondern auch Privatleute sind von Stalking betroffen.In Zeiten des Internets sogar immer häufiger.

15 Uhr nachmittags in irgendeinem Kölner Café. "M.", 24 aus der Nähevon Köln wartet auf sein Date, welches er über ein Internetportalverabredet hat. Schon mit gemischten Gefühlen saß er in der Bahn eswäre schließlich bei weitem nicht das erste Mal, dass er sich fürnichts und wieder nichts in die Kölner City begeben würde. Undtatsächlich: Nach einer knappen Stunde Warten macht er sich ein Malmehr verärgert auf den nach-Hause-Weg.

Die Grundzüge des Stalkings
M. ist Opfer eines Stalkers, wenn auch im diesem Fallglücklicherweise nur auf einem noch relativ harmlosen Level. Als"Stalking" bezeichnet man das permanente Belästigen, Bedrohen oderIrreführen, das Überwachen oder Ausspionieren einer Person über einenlängeren Zeitraum hinweg. M. wird über das Internetportal immer wiedervon vermeintlich süßen Jungs angeschrieben, die sich mit ihm treffenwollen. Schon etliche Male wurde er von immer dem selben Kerl mitFakeprofilen in die Irre gefühlt, der offensichtlich einenbeträchtlichen Teil seiner Freizeit damit verbringt, M. ständiganzuchatten und zu irgendwelchen Treffpunkten zu beordern. SeineMotive? Unbekannt. Verschmähte Liebe? Rache für ein Ereignis in derVergangenheit? Oder macht er sich schlichtweg einen Spaß daraus, dieKontrolle über die Gefühle eines anderen Menschen zu besitzen? M. istjedenfalls frustriert, enttäuscht und weiß nicht, wem er über dasInternetportal überhaupt noch trauen soll. "Ich verstehe einfach nicht,wie ein Mensch sich auf einen anderen Menschen so fixieren kann. Wasbringt es dem Kerl, mich mit immer wieder neuen Accounts nach Strichund Faden zu verarschen? Meistens antworte ich schon gar nicht mehrdarauf, wenn ein Kerl nicht mindestens drei verschiedene Fotos vonunterschiedlichen Orten und mit unterschiedlicher Kleidung im Profilhat und nicht mindestens fünf Mal als von anderen als persönlichbekannt markiert ist."

Es geht noch weiter
Stalking bewegt sich oft noch in ganz anderen Dimensionen. Die Opfererhalten permanent Telefonanrufe oder SMS. Es klingelt an der Tür undniemand steht davor, es hagelt Drohungen per Post, der Hund liegt aufeinmal tot im Garten oder man findet in der Zeitung plötzlich seineeigene Todesanzeige. Man wird ständig von einem Auto verfolgt Tag undNacht. Die Fahrradreifen werden zerstochen, das Blumenbeet verwüstetoder es trudeln immer wieder neue Zeitschriftenabos Zuhause ein, ohnedass man je welche bestellt hätte. Oft wird sogar der ganze Freundes-und Verwandtenkreis bedroht. Klar, dass Stalking-Opfer sehr baldpsychische Probleme bekommen können, unter Verfolgungsangst leiden,sich nicht mehr alleine aus dem Haus trauen oder aus ihrer Verzweiflungheraus sogar umziehen. "G.", 24 aus Köln: "Es hat harmlos mit einigenAnrufen auf dem Handy begonnen, wo sich niemand am anderen Ende derLeitung gemeldet hatte. Nicht mehr lustig war dann allerdings, dass ichirgendwann auch noch indirekt Morddrohungen erhalten habe."

Offiziellen Statistiken der LKABremen zufolge sind die meisten Stalker zwischen 31 und 40 Jahren alt,rund 83% davon sind Männer, die Opfer meist weiblich. 32% sindverlassene Partner, die den Trennungsschmerz nicht ertragen können odersich rächen wollen, weitere 32%  suchen aus welchen Gründen auchimmer Nähe zum Opfer. 14% der Stalker verfolgen eine flüchtigeBekanntschaft, 15% wollen sich aus vermeintlichem Unrecht herausrächen, 5% der Stalker betreiben ihre Handlungen nur aus der Intentionheraus, irgendwann eine Straftat am Opfer, oft Mord, zu begehen. ProJahr gibt es in Deutschland schätzungsweise 500.000 bis 600.000Stalking-Fälle, die meist zwischen einem und zwei Jahren andauern. Vorallem Promis sind oft Opfer von Stalkern. Ob nun z.B. SabineChristiansen, Harald Schmidt, Guido Westerwelle, Claudia Schiffer,Stephen Spielberg, Thomas Gottschalk oder Steffi Graf  - allehatten sie schon mehr oder weniger mit durchgeknallten Fans zu kämpfen.Sabine Christiansen zu ihrem Stalking-Fall: "Es ist wirklich schwer,jemandem klar zu machen: Ich werde von einem Verrückten verfolgt, dersich einbildet, mit mir irgendwie verbunden zu sein."

Die rechtliche Seite
Rechtlich ist Stalking eine recht heikle Angelegenheit. WirklicheGesetzesgrundlagen, um  wirklich effektiv dagegen vorzugehen, gibtes bislang in Deutschland leider nicht. Und da die Beweislastgrundsätzlich beim Opfer liegt, macht das die Sache für Stalking-Opferalles andere als leicht. Meist beantragen die Opfer erstmal eineeinstweilige Verfügung vor Gericht, auf deren Grundlage dann weitererechtliche Schritte eingeleitet werden können. Polizei und Justiz inDeutschland kann im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes indirekt gegen dieStalker vorgehen, indem eine Unterlassungsverfügung ausgesprochen wird.Verstößt der Stalker dagegen, missachtet er die gerichtliche Anordnungund kann dadurch belangt werden. So wird eigentlich nicht Stalking ansich bestraft, sondern der Verstoß gegen die Unterlassungsverfügung.Zwar gibt es seit einer Weile auch einen eigenen Strafbestand fürStalking, allerdings ist es sehr schwer zu beurteilen, was imindividuellen Fall nun darunter fällt und was nicht. Im August wurdevon der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ein neuerGesetzesentwurf zu Stalking vorgelegt, der inzwischen aber abgelehntwurde.

Wie du dich schützen kannst
Gehbehutsam mit deinen persönlichen Daten um! Gib deine Handynummer nichtallzu schnell heraus, ohne dass du deinen Gegenüber ob nun in realoder im Netz wirklich kennst. Vertrauen ist eine Sache, die über dieZeit hinweg wachsen muss, also begeh nicht den Fehler, vorschnell allzuintime Details über dich preiszugeben. Stalking-Opfern wird empfohlen,dem Täter ein Mal, und möglichst nicht noch ein weiteres Mal, klipp undklar zu sagen, dass man keinen Kontakt zu ihm wünscht. Auf weitereEntschuldigungen oder Annäherungsversuche sollte nicht eingegangenwerden. Betrachtet man die rechtliche Seite, ist es vorteilhaft, dabeieinen Zeugen an seiner Seite zu haben und auch sämtlicheBeweismaterialien zu sammeln. Das macht es später einfacher,polizeilich gegen den Stalker vorzugehen. Bereits bei ersten Anzeichenvon Stalking sollte zur Polizei gegangen und eine Anzeige erstattetwerden, notfalls gegen "Unbekannt", denn je länger ein Stalker sein"Spiel" fortsetzt, desto mehr spielt sich sein Verhalten ein und destoextremer werden die Taten oft. Wird das Stalking allzu belastend,sollte man sich nicht davor scheuen, falls möglich den Weg zu einemAnwalt zu gehen. Bei der Telekom kann bei Telefonterror zudem eineFangschaltung beantragt werden. Bei all dem muss im Hinterkopf behaltenwerden, dass die meisten Stalker das Unrecht ihrer Aktionen selbstnicht nachvollziehen können und in ihre Schranken verwiesen werdenmüssen.

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Weitere Quellen: wikipedia.de, pechstaedt.de; Bilder: PhotoCase