Strafe für Madonna?

Redaktion Von Redaktion
Strafe für Madonna?
Universal/Guy Oseary

"Homo-Propaganda" lautet der Vorwurf von Organisationen aus St. Petersburg. Diese wollen sich nun mit einer Klage gegen die US-Musikerin an die russische Justiz wenden. Madonna soll am vergangenen Donnerstag während eines Konzerts in der russischen Metropole das städtische Verbot der Propaganda von Homosexualität unter Minderjährigen verletzt haben.

Madonna (53) habe das Publikum zur Toleranz gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen aufgerufen, ließ Vitali Milonow mitteilen. Milonow ist Urheber des Vebots von "Homo-Propaganda" und auch Abgeordneter in St. Petersburgs Gesetzgebenden Versammlung. Seit dem 30. März ist das Gesetz über das Verbot der Propaganda von Homosexualität und Pädophilie unter Minderjährigen in Kraft. Verstösse dagegen werden mit Geldstrafe zwischen 5.000 und 500.000 Rubel belegt (1 Euro entspricht ca. 39,5 Rubel).

Videoaufzeichnungen und Zeugenaussagen als Beweis

Weiter sagte Milonow: "Wir haben Zeugen und Aufnahmen, die bestätigen, dass auch 12-jährige Kinder unter den Zuschauern waren Wir planen eine Klage an die Justizorgane, damit entweder sie selbst oder die Veranstalter als Verletzter des Gesetzes anerkannt werden." Zur Einhaltung der moralischen Normen seien nach seinen Auskünften Vertreter von Gesellschaftsorganisationen präsent gewesen. Der Abgeordnete hatte schon vor dem Konzert mitgeteilt, er würde das Konzert, das schließlich von 25.000 Menschen besucht wurde, aufzeichnen lassen. Auch Zeugenaussagen wurden aufgeschrieben.

Noch vor ihrem zweiten Russland-Konzert hatte sich Madonna kämpferisch gegeben. Sie war bereits im Vorfeld von russischen Politikern und Vertretern der orthodoxen Kirche kritisiert worden, unter anderem als "ideologische Waffe des Westens". Zudem verbrannten Christen vor der Moskauer Erlöserkathedrale ein Bild von Madonna, in St. Petersburg zerrissen auf offener Straße andere Gläubige ein Foto "der Sünderin".

Auch die höchsten russischen Politiker hielten sich nicht zurück. Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin meinte am Freitag im Netz: "Der Teufel soll sie holen". Seine Kritik entzündete sich daran, dass die alternde Madonna sich als Moralapostel gegenüber den Russen aufführe. "Leg das Kreuz ab oder zieh Dir einen Schlüpfer an!", schrieb er bereits einen Tag zuvor.

Rosarote Armbänder und Regenbogenflaggen

Verbot hin oder her, ihre Solidarität gelte den Schwulen und Lesben, ließ die Künstlerin dagegen verlautbaren. Unter anderem sollten deswegen auch rosarote Armbänder während des Konzerts verteilt werden, wie auf ihrem Netzauftritt angekündigt wurde. Dies wurde auch umgesetzt, wie man erkennen konnte, als Tausende Fan-Hände zu Madonnas Ausruf "Die Homosexuellen hier und überall auf der Welt haben die gleichen Rechte!" in die Höhe gingen, um ihre Zustimmung auszudrücken. Es wird geschätzt, dass gut ein Drittel des Publikums die Arme hob.

Für die Gegner der Sängerin war es auch eine Provokation, dass Madonna eine Regenbogenfahne mit der Aussage "No Fear" (zu Deutsch: Keine Angst) präsentierte. Von dieser Flagge aus Pappe waren zuvor von der Homo-Gruppe "Coming out" 330 Stück verteilt worden.

Einer der Konzertbesucher schrieb auf dem Blog "antidogma", dass es für ihn ein tolles Gefühl gewesen sei, als er die Regenbogenflagge hielt und dabei von der Kamera live auf die Konzertleinwand gezeigt wurde.

Mehrheit der Aktivisten für Madonna-Auftritt

Allerdings äußerten auch Aktivisten von GayRussia im Vorfeld Kritik an der Künstlerin. "Wenn sie wirklich Haltung habe zeigen wollen, hätte sie sich mit dem Bürgermeister treffen oder das Konzert absagen sollen", erklärte beispielsweise Juri Gawrikow, ein Unterstützer GayRussias, für den Madonna rein aus Promotiongründen solche Positionen beziehe und damit die Menschenrechte verrate statt sie zu vertreten. Vor dem Auftritt verkleidete er sich als Madonna und demonstrierte so öffentlich gegen den Auftritt der Künstlerin.

Eine ähnliche Position vertritt auch Nikolai Aleksejew. Aus dessen Sicht wäre ein Absage des Konzerts besser gewesen, denn nur wirtschaftliche Konsequenzen würden die Verantwortlichen in Bewegung setzen.

Damit sind aber beide in der Minderheit, denn die wenigstens Aktivsten unterstützten ihre Haltung. Nach dem Konzert sind die meisten sogar glücklich. "Die Unterstützung durch Madonna war zutiefst bewegend", äußerte sich Polina Sawschenko von "Coming out". Und sie ergänzt: "Die meisten der überwiegend heterosexuellen Besucher reagierten sehr positiv."

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Weitere Quellen: berlinderumschau.com, welt.de, stern.de, queer.de