Streit um "Sexualisierung" von Kindern

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Streit um "Sexualisierung" von Kindern
YouTube/Schwarzkopf Verlag

Das Gleichstellungsministerium in Sachsen-Anhalt verschickt Lesetipps an Kitas. In den Büchern kommt nicht-heterosexuelle Liebe vor. Außerdem sollen Erzieher "wertschätzend" über Homosexuelle sprechen. Die AfD wittert "linkspolitische Experimente".

29 Kinderbücher empfiehlt das Gleichstellungsministerium in Sachsen-Anhalt. Alle Lesetipps behandeln nicht-heterosexuelle Beziehungen und Lebensweisen, damit schon die Kleinsten von Anfang an lernen können, dass es mehr gibt als nur Mutter, Vater, Kind. Mit dabei: Die bekannte Kinderbuchautorin Cornelia Funke oder Dragqueen Olivia Jones. (Hier geht's zur Rezension ihres Buches "Keine Angst in Andersrum".)

2000 Broschüren hat das Ministerium von Anne-Marie Keding (CDU) bereits verschickt, eine Neuauflage ist geplant. "Die Lesetipps sollen zeigen, dass die Welt doch bunter ist, als sie mancher wahrhaben will", erklärt Ministeriumssprecher Detlef Thiel der "Magdeburger Volksstimme".

Material ist ein Angebot, keine Pflicht

Damit könnte er etwa die AfD meinen. Denn die Partei, die im März mit über 24 Prozent zweitstärkste Kraft im Landtag wurde, kämpft für die "traditionelle Familie". Landeschef André Poggenburg spricht auf Facebook von einem "Missbrauch unserer Kinder für linkspolitische Experimente". Er sehe das Kindeswohl gefährdet.

Nächstes Jahr wird das Ministerium noch einen Kita-Koffer vorstellen, der weitere Bücher und Lehrmaterial zum Thema enthält. Den Kitas stehe jedoch frei, das Material anzuwenden. Das Gleichstellungsministerium möchte lediglich ein Angebot machen.

Kritik von der "Demo für alle"-Organisatorin

Die Broschüre und der Kita-Koffer sind Teileil eines Aktionsplans, der zu mehr Akzeptanz gegenüber LGBTIQ* führen soll. Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen hatte sich dieses Ziel gegeben.

Kritik kommt auch von der erzkonservativen Hedwig von Beverfoerde, die die "Demo für alle" in Stuttgart organisiert (dbna berichtete). "Es ist eine Schande, dass sich das CDU-geführte Justizministerium dazu hergibt, kleine Kinder, die von ihren Eltern Kindertagesstätten anvertraut werden, gezielt mit sexuellen Themen und der unwissenschaftlichen Gender-Ideologie zu indoktrinieren."

Kirchen wollen Broschüre auch haben

Ganz anders sehen das ausgerechnet die Kirchen. Die betreiben in Sachsen-Anhalt rund 200 Kindertagesstätten. Sie haben das Material nicht erhalten, weil es bislang nur an kommunale Kitas geschickt wurde.

"Aus unserem christlichen Menschenbild stellen wir uns gegen jede Form von Diskriminierung", betont Marita Magnucki von der katholischen Caritas. Die evangelische Diakonie möchte die Broschüren sogar beim Ministerium anfragen, wie Kita-Referentin Nancy Wellenreich der Zeitung sagte. Die AfD, die christliche Werte verteidigen möchte, wird das nicht gerne lesen.

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