The Day After Ex

Redaktion Von Redaktion

Mit welch einer Penetranz die Sonnegerade in mein Gesicht scheint! Samstag Morgen, und eigentlich würdeich noch schlafen. Aber der Weckruf war erbarmungslos. Das wäre garnicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht eine Nacht mit meinem Exfreundverbracht hätte.

Es ist schon himmelschreiend, mit welch einer Penetranz die Sonnegerade in mein Gesicht scheint. Es ist Samstag, und eigentlich würdeich so gerne noch schlafen. Aber der Weckruf war erbarmungslos. Halbneun! Dabei wäre das gar nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht einefurchtbare Nacht mit meinem Exfreund verbracht hätte.

Freitagnachmittag:In meiner kleinen Wohnung klingelt es. Ich weiß ja, dass Patrickvorbeikommen wollte, wir sind seit Wochen verabredet. Leider bin ichaber mit putzen noch nicht fertig, weil mal wieder alles andersgelaufen ist als gedacht. Vor allem die Handwerker haben eine gewaltigeMenge Dreck aufgewirbelt, damit mein Balkon endlich fertig wird. Jetztstehe ich vor Patrick, er hat einen Rucksack in der Hand, ich einenWischmopp. Unwillkürlich frage ich mich, wie peinlich mir daseigentlich jetzt sein muss, noch die Hausarbeit zu Ende zu führen,während er auf der Couch sitzt. Aber da er selbst den Haushalt nichtsauber halten muss, ist mir das eigentlich ziemlich egal. Unterscheidetsich an so was eigentlich die Selbstständigkeit eines Menschen? Oderbin ich etwa rückständiger als er, weil ich mir noch immer keineHaushaltshilfe von meinem Minijob leisten kann? Mit einem innerlichenSeufzer lege ich noch einen Zahn zu.

Der Abend im Kino ist dann auch recht nett. Der Film über den schwulenRuderclub und seine Auswirkungen auf das Leben einer oberbayrischenKlemmschwester hat sich doch sehr gelohnt! Nur ärgert es mich, dass dieKlemmschwester, die neben mir sitzt, natürlich während der dunklenFilmvorführung meine Hand und mein Bein streicheln möchte. Denn als dasLicht angeht, merkt man von körperlicher Nähe nichts mehr. Warum dochgleich hatte ich mich von ihm getrennt? Hatte das nicht auch irgendwasdamit zu tun, dass ich diese Heimlichtuerei nicht leiden kann? Und warnicht gerade das Thema des Films gewesen, wie unbefriedigend ein Lebenhinter einer Lüge ist?

Den restlichen Abend will ich dennoch gemütlich auf der Couchverbringen. Wir öffnen also eine Flasche Weißwein, ziemlich edles Zeug.Den hatte er noch irgendwo rum liegen, und so trinken wir auf unserWohl. Dann gibt es die neuesten Geschichten aus dem lieben Liebesleben.Wie er mit seinem neuen Freund in der Sauna war, um dort getrenntvoneinander auf Männerjagd zu gehen. Wieso ich mal wieder Single bin.Warum er eine offene Beziehung leben kann und will. Natürlich gehen mirdabei wieder all die Fragen nach Treue und meinem Verständnis einerfunktionierenden Beziehung durch den Kopf. Ich erzähle ihm dann, dassich zur Zeit keine One Night Stands habe: Ich bin verknallt und habedeshalb einfach keine Lust auf andere. Seltsamerweise hält ihn dasnicht ab, keine zehn Minuten später den Versuch einer erotischenMassage zu starten. Als er anfängt, mich zu küssen, begehe ich einendummen Fehler: Es ist etwas missverständlich, wenn man in so einerSituation vorschlägt, doch besser ins Bett zu gehen!

Aber auch das geht noch irgendwie wieder gut. Dennoch: Die Nacht wirdfurchtbar! Trotz eines breiten Bettes habe ich maximal 40 cm Platz,weil mein lieber Ex die ganze Zeit meint, mir engstmöglich auf diePelle rücken zu können. Meine verzweifelten Bemühungen, zu irgendeinerZeit keinen Körperkontakt zu ihm zu haben, scheitern. Bei jederBewegung wache ich wieder auf, weil ich entweder gegen ihn pralle oderfast über die Bettkante falle. Das mache ich viel zu viele Stunden mit.Erst als ich ihn im Morgengrauen irgendwann energisch von mir wegstoße(getarnt als Schlafmanöver), bekomme ich endlich etwas Raum. Dennochklingelt um halb neun der Wecker erbarmungslos. Warum nur hab ich mirdas angetan? Und warum klammert er sich so an mich? Ist ihm seineeigene Beziehung nicht genug? Und vor allem: Kann ich ihm denn wirklichdie Abwesenheit seines Freundes ersetzen?

Auf seine Frage nach meiner Nacht antworte ich ehrlich, dass ichschlecht geschlafen habe. Den Grund nenne ich ihm aber nicht, weil ichdenke, dass das zu spät wäre. Dass ich wegen ihm so früh aufstehenmusste, lasse ich auch mal unter den Tisch fallen, zumal Patrick mirjetzt auch noch vorjammert, wie anstrengend sein Wochenende wird. Fragter sich gar nicht, ob ich vielleicht auch Arbeit vor mir habe? Undwahrscheinlich mehr als er?

Als sich endlich meine Wohnungstür hinter ihm schließt, bin icherleichtert. Gestern Abend war schön. Gestern Nacht und heute morgenwaren zuviel. Und langsam wird mir deutlich, was das Dilemma eigentlichist: Obwohl wir seit zwei Jahren getrennte Wege gehen, liebt er michoffensichtlich noch immer. All die kleinen Gesten und Andeutungensprechen Bände! Ist es denn wirklich nicht möglich, eine normaleFreundschaft mit dem Exfreund zu haben? Geht es mir andersrum auch so war ich mal mit jemandem zusammen, an dem ich heute noch klammere? DieAntwort ist wohl "ja", aber eigentlich ist die Erinnerung an dieseBeziehung  auch noch zu frisch, um das miteinander zu vergleichen.Aber warum war mir das bisher nicht aufgefallen? War ich zuviel mit mirselbst beschäftigt? Oder war ich zu wenig mit dem Gedanken an einenanderen beschäftigt? Ich sehe Patrick nicht gerade oft. Vielleichtliegt es auch daran?

Ich bin zu müde, um eine Antwort auf die vielen Fragen zu finden, diedie letzten Stunden aufgeworfen haben. Ich gehe jetzt zurück ins Bett.Allein! Allein kann so schön sein!

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