Toleranz gesunken

Christian Brandl Von Christian Brandl

Gerade fünf Jahre ist es her, dass die Niederlande die Homo-Ehe erlaubten und der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen das erste lesbische und drei schwule Paare verheiratete. Seitdem hat sich die Anzahl der jährlich geschlossenen Homo-Ehen bei etwa 1.300 stabilisiert, doch die generelle Stimmung im Lande hat sich gewandelt.

"Seit den Morden an Pim Fortuyn und Theo van Gogh sind Sicherheit und Toleranz große Themen in den Niederlanden", so Anne van Voorthuizen von der Organisation für die Integration von Homosexuellen COC. Doch gebe es in den letzten Jahren eine Entwicklung zu einer stärkeren Beachtung der Regeln. "Das macht sich auch in der nachlassenden Toleranz gegenüber Homosexuellen bemerkbar", so van Voorthuizen.

Eine aktuelle Studie der Rotterdamer Universität bestätigt, dass eine neue Form der Unsicherheit unter Schwulen und Lesben in den Niederlanden entsteht. Rund 40 Prozent fühlen sich auf Grund ihrer sexuellen Gesinnung unsicherer und passen sich dadurch der neuen Situation an: "Ein Drittel der Homosexuellen verändert sogar das Verhalten in der Öffentlichkeit, um nicht aufzufallen. Zum Beispiel halten Sie nicht mehr Händchen oder küssen sich auch nicht mehr auf offener Straße [...] Dieses Unsicherheitsgefühl wird aber auch bestärkt durch die Medien, die vermehrt über Übergriffe auf Homosexuelle berichten."

Dieser aktuellen Entwicklung entgegen steht ein Projekt, dass die COC kürzlich gestartet hat: Homosexuelle Randgruppen versuchen im Gespräch mehr Toleranz zu erwirken. Besonders gefragt ist derzeit der homosexuelle Muslim Jamal Hajou - in viele der registrierten Übergriffe waren ausländische, muslimische Jugendliche verwickelt.

Auch die Regierung der Niederlande verfolgt mit ihrem Einbürgerungstest eine ähnliche Strategie: in einem Video, dass sich Einbürgerungswillige ansehen müssen, sind auch zwei sich küssende Männer zu sehen. Die Regierung will damit von vorneherein klarstellen, dass Einwanderer diese Lebensweise tolerieren müssen.

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