Kulturell und international gemischt, offen und unkonventionell sollte die Atmosphäre einer Metropole nach Ansicht des amerikanischen Wissenschaftlers Richard Florida sein. Und dazu gehöre auch eine ausgeprägte und lebendige schwullesbische Szene. Nur so könnten Großstädte auch eine kreative Elite anziehen, die entscheidend für die Stadt als Wirtschaftsstandort ist.

Dies hätten nach Meinung von Michael P. Hartleben, Mitglied des Vorstandes des Schwul-Lesbischen Wirtschaftsverbandes in Hamburg, die meisten deutschen Großstädte inzwischen erkannt. Metropolen wie Berlin, München oder Köln hätten ein beispielsweise längst schwullesbische Städtetourpakete in ihr Angebot aufgenommen und seien bemüht, attraktiv für diese wirtschaftlich relevante Zielgruppe zu sein.

Hamburg hinkt nach Ansicht von Hartleben in dieser Hinsicht hinter anderen Städten nach: "Hamburgs Ruf in der Schwulenszene ist angekratzt". So hätte die "rückwärtsgewandte Haltung" der Stadt in den vergangenen Jahren die Anziehungskraft der Hamburger Szene beeinträchtigt. Anscheinend hätte man in Hamburg das Potential der homosexuellen Zielgruppe noch nicht erkannt - und das trotz der sehr schwulenfreundlichen Vergangenheit der Großstadt. Mit Einführung der "Hamburger Ehe" im Jahr 1999 war Hamburg das erste Bundesland, das homosexuellen Paaren die Eintragung ihrer Partnerschaft erlaubte - und gab damit auch den Anstoß zur Einführung des jetzigen LPartG.

Doch die Sprecherin der Hamburg Tourismus GmbH, Ine Bösche, betont, dass man nicht blind auf diesem Auge sei: "Wir sind uns bewußt, daß dieser Zielgruppe eine besondere Schlüsselrolle zufällt. [...] Nur weil man etwas nicht anbietet, heißt das nicht, daß man dagegen ist." Sie räumt jedoch ein, daß Hamburg hier Nachholbedarf habe und ein Konzept hierfür bereits in Arbeit sei.

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