"Und was ist mit der Bundeskanzlerin?"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Und was ist mit der Bundeskanzlerin?"
Wikimedia/Olaf Kosinsky

Staatsminister Michael Roth (SPD) sorgte mit einem Zwischenruf während einer Aktuellen Stunde für Aufsehen. Er spielte auf die Kinderlosigkeit von Angela Merkel an. "Eine Unverschämtheit", heißt es aus der CDU.

Am Donnerstag beriet der Bundestag einmal mehr über die Ehe für alle. Auf Antrag der Linken-Fraktion stand das Thema auf der Agenda einer Aktuellen Stunde. Dabei kam es zu einem kleinen Eklat.

Der CDU-Abgeordnete Helmut Brandt kritisierte die Forderung nach der Eheöffnung stark. "Es gibt eben diesen Unterschied", sagte er. Er betonte, "dass die klassische Ehe zwischen Mann und Frau doch dazu führt, wenn auch nicht immer leider, dass man sich fortpflanzt".

Steinmeiers Vertreter spricht Merkels Kinderlosigkeit an

Da konnte sich sich Staatsminister Michael Roth (SPD) nicht zurückhalten: "Und was ist mit der Bundeskanzlerin?", rief er dazwischen. Denn Angela Merkel, zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend, ist zwar verheiratet, hat aber keine Kinder. Der Redner Brandt war empört: "Wer hat das gerufen?", sagte er. "Diese Aussage halte ich für eine Unverschämtheit." Er will prüfen lassen, ob Roth dafür gerügt werden kann.

Michael Roth ist Staatsminister für Europa und damit politischer Stellvertreter von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). In dieser Funktion saß er am Donnerstag auf der Regierungsbank. "Ich bedaure den Rahmen meines Zwischenrufs. Ich hätte die Bemerkung als einfacher Abgeordneter machen dürfen, nicht aber als Vertreter der Bundesregierung auf der Regierungsbank", sagte er Spiegel Online. Inhaltlich stehe er aber zu seinem Kommentar, betonte er.

"Debatte wird mit merkwürdigen Arguemten geführt"

"Die Ehe dient nicht in erster Linie der Reproduktion, sondern ist das Bekenntnis zweier Menschen, dass sie lebenslang füreinander einstehen wollen. Es gibt zudem viele kinderlose Ehen, wie auch die der Bundeskanzlerin. Die Gründe dafür gehen den Staat allesamt nichts an. Die Debatte um die gleichgeschlechtliche Ehe wird mit merkwürdigen Argumenten geführt. Das wollte ich zum Ausdruck bringen", sagte der SPD-Politiker.

Roth lebt seit 2012 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Der 44-Jährige ist seit 1998 Mitglied des Bundestages und seit Dezember 2013 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt.

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