Vereinbar?

Redaktion Von Redaktion

"Homosexuelle Beziehungen verstoßen gegen das Sittengesetz", steht es in einem kürzlich veröffentlichten Dokument der Katholischen Kirche bezüglich der Anerkennung der "Homo-Ehe". Kann man "schwul" und "katholisch" überhaupt miteinander verbinden?

"Homosexuelle Beziehungen verstoßen gegen das Sittengesetz". Das steht in einer der jüngsten Veröffentlichungen der katholischen Kirche, den "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen". Dieses Schriftstück, das die in vielen Ländern entstehenden Regelungen zur Eintragung für homosexuelle Paare kritisiert, hat für viel Wirbel gesorgt. Für die, die sich mit der Haltung der katholischen Kirche zu Homosexualität aber schon auseinandergesetzt haben, dürfte die Verlautbarung allerdings keine große Überraschung gewesen sein.

Laut der katholischen Kirche ist Homosexualität zwar eine Veranlagung, allerdings sind homosexuelle Beziehungen oder Sex "schlimme Abirrungen [en]", die "in keinem Fall zu billigen" sind. Wer schwul oder lesbisch ist, soll keusch leben. Seine/Ihre Sexualität stellt für ihn/sie "eine Prüfung dar", die Mitmenschen sollen Homosexuellen "mit Achtung, Mitgefühlt und Takt" begegnen. So der Katechismus der katholischen Kirche (KKK), dem Buch mit den offiziellen Verhaltensregeln für KatholikInnen. Diese Meinung wird zumeist zweifach begründet: mit Bibelzitaten, und dem Argument, dass bei homosexuellem Sex keine Weitergabe von Leben möglich ist. Deshalb ist schwuler oder lesbischer Sex - genauso wie auch Anal- oder Oralverkehr zwischen einem verheirateten (heterosexuellen) Paar, Verhütung oder Selbstbefriedigung - eine Sünde. Nur Sex innerhalb einer Ehe zur Zeugung von Kindern ist in Ordnung.

Das ist im Übrigen auch der Grund, wieso die katholische Kirche so stark gegen die "Homoehe" wettert. Die Ehe muss nach Meinung der Kirche immer auf Kinder ausgelegt sein, es müssen also Kinder entstehen können. Dass trotzdem auch heterosexuelle 70jährige und unfruchtbare heiraten dürfen, sei mal so dahingestellt. Eine homosexuelle Ehe durch Adoption eines Kindes zur Familie zu machen, ist allerdings auch keine Lösung - "das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch eine Vergewaltigung dieser Kinder in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwerwiegend unsittlich [...]". (Auszug aus den "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen").

 Die im KKK zur Begründung angeführten Bibelstellen sind Gen 19,1-29; Röm 1,24-27; 1Kor 6,10 und 1Tim 1-10. Gen 19,1-29 - übrigens die selbe Stelle, die auch Islamfundamentalisten als Begründung für ihre Homophobie verwenden - erzählt, wie zwei Engel zu Lot kommen, und die Bürger Sodoms sich vor Lots Haus scharen, um mit den Engeln zu "verkehren". Von gleichgeschlechtlicher Liebe im heutigen Sinn ist da nichts zu finden - wohl eher von Vergewaltigung oder einer Verletzung des Gastrechts. Die Stellen aus den Briefen an die Korinther und an Timotheus sind beides eine Sache der Übersetzung - in der ursprünglichen Version dürften sie aber eher auf die Verführung von Jugendlichen und Kindern bezogen gewesen sein - auch das hat mit Homosexualität nichts zu tun (auch, wenn es heute noch Leute gibt, die glauben, Homosexuelle seien das selbe wie Pädophile). Und in der Stelle aus dem Brief an die Römer schließlich werden homosexuelle Begierden als Strafe für Gotteslästerung und Hochmut genannt - also etwas anderes als angeborenes Schwul- oder Lesbischsein. Dass Homosexualität eine Veranlagung ist, gibt die katholische Kirche im KKK ja selbst zu.

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Weitere Quellen: huk.org