Vergewaltigungs-Droge

Patrick Fina Von Patrick Fina

Kleine, unscheinbare Tropfen halten weitgehenst unbemerkt nun auch in Europa einmarsch. Die Rede ist von GHB, einer Vergewaltigungs-Droge, die in Cocktails gemischt wird. Auch in Deutschland werden nun Partygäste zu potentiellen Opfern.  

Tobias ist gemeinsam mit einigen Freunden auf einer großen Veranstaltung. Es ist schon spät, die Stimmung kocht beinahe über und die Musik lädt zum Tanzen ein. Gerade jetzt, wo sein Lieblingslied durch die Halle dröhnt, drängt sich Tobias bis auf die Tanzfläche vor und bewegt sich im Rhythmus. Seinen Cocktail hat er am Tisch stehen gelassen. Er würde beim Tanzen schließlich nur stören. Eigentlich nachvollziehbar. Es stehen ja auch noch andere Leute am Tisch die werden schon darauf aufpassen, dass dem Cocktail nichts passiert. So tanzt Tobias also vor sich hin, ganz ohne Sorgen, und weil ihm das folgende Lied auch gut gefällt, bleibt er vorerst auf der Tanzfläche. Zeitgleich steht Tobias Cocktail unbeaufsichtigt auf einem Tisch. Zwei Freunde von Tobias unterhalten sich interessiert, und bemerken auch nicht, dass ein wildfremder Mann gerade ein kleines Fläschchen hervor holt und unbemerkt einige Tropfen Flüssigkeit in Tobias Cocktail mixt. Keine fünf Minuten später kommt Tobias verschwitzt von der Tanzfläche zurück. Durch das Tanzen durstig geworden, hebt er seinen Cocktail hoch, stößt ein weiteres Mal mit seinen beiden Freunden an, führt den Strohhalm zu seinem Mund und nimmt genüsslich einen großen Schluck. Dann will er schnell zur Toilette gehen. Aber dort kommt er nie an zumindest kann er sich nicht dran erinnern, dort angekommen zu sein. Vielmehr steht er eine Stunde später draußen vor der Disco. Wie er dort hingekommen ist weiß er nicht. Aber er hat Schmerzen, große Schmerzen. Später bei der Polizei wird sein Verdacht bestätigt: Tobias wurde vergewaltigt!

Diese Geschichte ist nur erfunden, in Amerika und Frankreich aber keine Seltenheit. Offensichtlich hat Tobias GHB (Gamma-HydroxyButyrat) in seinen Cocktail gemixt bekommen. Ein Stoff, der in den USA als "Date rape drug", also Vergewaltigungs-Droge, schon sehr gut bekannt ist. GHB wird schon nach wenigen Stunden im menschlichen Körper abgebaut und ist somit nur sehr schwer nachzuweisen. Außerdem klagen die Opfer weder über Kopfschmerzen, noch über sonstige Nebenwirkungen. Es ist also sehr schwer, den Stoff durch einen Drogentest nachzuweisen. Das ist ein bedeutender Unterschied zu anderen KO-Tropfen! Das Mittel ist geruch- und farblos, und fällt höchstens über seinen leicht salzigen Geschmack auf. Nimmt man nur geringe Mengen des Stoffes zu sich, setzt schon sehr bald ein Blackout ein, womit die perfekte Gelegenheit für eine Vergewaltigung gegeben wäre. Denn auch in einer kleinen Dosierung trübt die Droge das Bewusstsein und lässt die Erinnerung verschwimmen. Dabei kennen die Vergewaltiger keine Skrupel: Schon bei einer Einnahme von nur vier Gramm besteht für den Konsumenten Lebensgefahr. Das ist gerade deshalb so gefährlich, da sich GHB nicht exakt dosieren lässt und eine Vermischung des Stoffs mit Alkohol schwere Krämpfe und Atemnot ausläsen kann.     

GHB ist in der deutschen Partyszene auch nicht gänzlich unbekannt. Offiziell sind zwar noch keine sexuellen Übergriffe unter Einfluss der Droge bekannt. Die Tatsache, dass GHB so schnell vom Körper abgebaut wird, macht den Nachweis allerdings sehr schwer. Trotzdem weiß man, dass GHB schon in den neunziger Jahren im Eigenkonsum genutzt wurde, um sich durch geringe Dosen sexuell zu stimulieren. Für diese Zwecke war es damals recht weit verbreitet. Experten glauben sogar, dass es mittlerweile in der Szene so weit verbreitet wie LSD ist. Aber die Dimension, die durch die bewusstseinshemmende Nutzung als Vergewaltigungs-Droge immer häufiger erreicht wird, gibt großen Anlass zur Sorge. Experten raten deshalb Getränke in Discos niemals (!) alleine zu lassen. Das Risiko, dass jemand GHB in das Getränk hineinmischt ist sehr groß, auch wenn es klein zu sein scheint.

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Weitere Quellen: spiegel.de