Seit heute muss sich der Herausgeber der einzigen schwullesbischen Zeitung der Türkei vor Gericht verantworten: Umut Güner war im Juli verhaftet worden, nachdem die aktuelle Ausgabe der "Kaos-GL" nach einem Gerichtsbeschluss wegen Verstößen gegen die Moral vom Markt genommen und konfiziert worden war. Diese Beschlagnahmung wurde ironischerweise am 24. Juli vorgenommen, dem offiziellen türkischen Tag der Pressefreiheit und gleichzeitig dem 98. Jahrestag der Abschaffung der Zensur.

Bei der betroffenen Ausgabe handelte es sich um eine Sonderausgabe, die sich mit dem Thema Pornografie auseinandersetzen sollte. Sollte Güner wegen Verletzung der Moralgesetze verurteilt werden drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

Die Publikation wird bereits seit 1994 von dem schwullesbischen Verband Kaos-GL, der seinen Hauptsitz in Ankara hat, herausgegeben. "Es ist offensichtlich, dass das Kaos-GL Journal nichts mit den dutzenden von 'erotischen' oder 'pornografischen' Publikationen zu tun hat, die in unserem Lande veröffentlicht werden. Von Anfang an mussten wir als Kaos-GL gegen die öffentliche Meinung und die Verbindung von Homosexualität mit reinem Sex und gegen das Verständnis von Sexialität als Pornografie ankämpfen. Es ist offensichtlich dass die freie Meinungsäußerung der türkischen Schwulen und Lesben hier durch Verständnisse von 'Obszönität' und 'öffentlicher Moral' zerstört werden soll. Unser Kampf für die freie Meinungsäußerung ist gleichzeitig unser Kampf für eine homosexuelle Existenz", so die Kaos-GL in einer schriftlichen Stellungnahme zu dieser Anklage.

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Weitere Quellen: Quelle: 365gay.com / turkishdailynews.com.trBildmaterial: © stock.xchng