"Verleitung" Jugendlicher

Redaktion Von Redaktion
"Verleitung" Jugendlicher
Franzi Walter

Kai Hähner, CDU-Politiker in Sachsen, hat in einer E-Mail den CSD Leipzig frontal angegriffen. Werbung für Homosexualität, die Kinder vom rechten Weg abbringe, lautet der Vorwurf, der in einer Klagedrohung mündet.

Kai Hähner, CDU-Ortsvorsteher in Chemnitz sowie Bezirksvorsitzender der parteieigenen "Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung" für Vertriebene und Aussiedler, attackiert die Organisatoren des CSD Leipzig in einer E-Mail frontal.

"Unerträgliche Unverschämtheit"

Speziell die Öffentlichkeitsarbeit ist Hähner ein Dorn im Auge. "Leben Sie, wie Sie wollen, im Privaten und lassen Sie andere mit Ihrer Abnormalität in Ruhe", so der sächsische Unionspolitiker in seinem Schreiben. Auslöser seines Wutausbruchs war ein Interview eines Organisatoren, das der Radiosendet MDR Info ausstrahlte. "Durch Ihre öffentlichen Auftritte und das Zuschaustellen Ihrer Lebensweise gilt Homosexualität inzwischen als 'trendy'. Und somit verleiten Sie Jugendliche, die sich in einer sexuellen Findungsphase befinden."

Auch kritisierte Hähner, dass Toleranz durch Homo-Aktivisten an Schulen beworben werden soll. Eine "unerträgliche Unverschämtheit" sei es, dass eine Sensibilisierung von jüngeren Kindern beispielsweise indem in Kinderbüchern ein Junge von zwei Müttern aufgezogen wird gefordert wird. Dabei schreckt Hähner auch nicht vor einer Drohung mit Zuchthaus zurück: "Sollte dies in diesem Land tatsächlich passieren und Kinder schon im Vorschulalter mit Homosexualität konfrontiert werden, werde ich der erste sein, der die Verantwortlichen vor Gericht bringt."

"Toleranz, Vielfalt und Aufklärung bedroht"

Angehörige der großen sächsischen Parteien fanden zwischenzeitlich deutliche Worte für die Äußerungen Hähners. Er habe eine Grenze überschritten: "Er stellt sich demonstrativ gegen die legitimen Rechte von Minderheiten und bedroht obendrein Toleranz, Vielfalt und Aufklärung mit Klagen." Nicht die Lebensweisen von Lesben und Schwulen seien anormal, sondern die Einstellungen Hähners, befand Sabine Friedel, SPD-Landtagsabgeordnete. "Unerträgliche homophobe Äußerungen" urteilte die Linkspartei und will sogar prüfen lassen, ob der Tatbestand der Volksverhetzung vorliege.

Für den sächsischen CDU-Generalsekretär und Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer sind die Positionen Hähners schlicht "indiskutabel". Kretschmer unterstrich gleichzeitig, dass es sich um eine Privatmeinung Hähners handle. Andere CDU-Politiker aus Mitteldeutschland äußerten sich ähnlich und wichen damit deutlich von den zurückhaltenden und vermittelnden Formulierungen der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), einer Untergruppierung der Christdemokraten, ab: "Wir, die lesbisch-schwule Szene, müssen uns immer vor Augen führen, dass er ausspricht, was viele Leute - nicht nur CDU-Mitglieder denken", meinte Matthias Steuckardt, Vorsitzender der LSU Ost. Die Jungliberalen in Person von Marcus Viefeld, Chef des sächsischen FDP-Jugendverbandes, begriffen Hähners Schreiben sogar als "Angriff auf eine liberale und tolerante Gesellschaftsordnung".

Franzi Walter

Deeskalationsversuch des CSD Leipzig

Der CSD Leipzig hatte im Vorfeld der ersten Pressemeldungen zu Hähners Schreiben noch versucht deeskalierend zu wirke. Man sei überzeugt, "dass sich Vorurteile nur durch Aufklärung und Diskussion, aber niemals durch (mediales) Bloßstellen abbauen lassen." Daher habe man die Nachricht von Hähner vertraulich behandeln wollen. Auf eine Antwort des CSD Leipzig habe Hähner sich sogar telefonisch gemeldet, worauf eine angeregte Diskussion stattgefunden habe. Bezüglich der Bloßstellung Hähners befindet man in Leipzig, dass dies ihnen "äußerst unangenehm" sei, "da dadurch der begonnene Dialog erstmal unterbunden wurde".

Jedoch habe sich die öffentliche Empörung "zu Recht" entzündet: "Letztlich zeigt die Nachricht von Herrn Hähner und die Diskussion darüber, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Vorurteile und Falschinformationen gegenüber Lesben, Schwule und Transgender in der Gesellschaft soweit abgebaut sind, dass man von breiter Akzeptanz sprechen kann", so der Pressesprecher des CSD Leipzig, Dirk Bockelmann.

Gegenüber dpa erklärte auch Hähner inzwischen seine Überraschung über die Reaktionen. Er habe die nicht als öffentliche Äußerung gedachte interne Mitteilung " bewusst provokativ geschrieben, um eine Reaktion zu bekommen."

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Weitere Quellen: csd-leipzig