Verschleppte Erkrankungen

Christian Brandl Von Christian Brandl

Wie Caritas-Direktor Hans-Jürgen Marcus als Sprecher der nationalenArmutskonferenz am Montag in Hannover mitteilte, gingen seit Anfang2004 - ab dem Zeitpunkt der Einführung der Praxisgebühr - deutlichweniger sozial schwache Menschen zum Arzt gingen als noch im Vorjahr.Dadurch würden Erkrankungen verschleppt und auch wichtigeVorsorgeleistungen wie z.B. Impfungen nicht in Anspruch genommen. Nacheiner Statistik der Konferenz sank die Zahl der Arztbesuche beieinkommensschwachen Personen um annähernd 20%.

Als Resultat dieser Entwicklung ist auch eine Verschlechterung derLebenserwartung dieser sozialen Schichten zu erwarten. UnbehandelteErkrankungen fördern unter anderem die Entwicklung vonLungenentzündungen und Tuberkulose.

Dabei hätten arme Menschen ohnehin eine geringere Lebenserwartung alsBürger mit höherem Einkommen, so der Gesundheitsspezialist derKonferenz, Gerhard Trabert. Wer zu den 20% der Bevölkerung mit demniedrigsten Einkommen zählt, lebt im Schnitt 7 Jahre kürzer als einBürger aus der Gruppe mit den höchsten Einkommen. Daher verlangt dieNationale Armutskonferenz, dass Empfänger von Sozialhilfe und ALG IIvollständig von der Praxisgebühr und Zuzahlungen zu Arzneimittelnbefreit werden sollen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Auch müssediese Zielgruppe stärker darauf hingewiesen werden, dass Leistungen fürKinder unter 12 Jahren schon heute kostenfrei sind.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Stern.de